Wieviel Lärm erträgt ein Mensch?

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Heute mal wieder ein Bericht aus den Banalitäten des Alltags: seit drei Tagen und drei Nächten gibt es bei uns im Haus ein unablässiges Hämmergeräusch, das nicht unerträglicher sein könnte. Man stelle sich vor, jemand schlägt im Viertelsekundentakt mit einem Metallgegenstand gegen ein Heizungsrohr. Neben dem Ohr. Nach 20-30 Schlägen gibt es eine Pause, von der man nie weiß, wie lang sie sein wird. Der erst Schlag der neuen Kaskade reißt einen also immer wieder aus dem, was man gerade tut, heraus.

Anfangs dachte ich, es handle sich um eine sehr schlecht justierte Waschmaschine, die jemand zur Unzeit laufen lässt. (Das Geräusch begann nachts.) Da der Großteil meiner Nachbarn keine Rücksicht auf Ruhezeiten nimmt, war das das nahe liegendste. Doch das Geräusch hielt sich über Stunden und somit fiel die Waschmaschine schließlich aus der Wahl. Als nächstes vermutete ich, dass die Heizungsrohre der Verursacher seien, vielleicht aufgrund der Kälte…? Ich fragte eine Nachbarin, die ich zufällig im Hausflur traf, ob sie das auch höre und als sie bejahte, meinte sie auch gleich, dass es sich wohl um die Heizung handle. Also rief ich gestern bei der Hausverwaltung an und schilderte die Misere, mit der Bitte, dass so schnell wie möglich Abhilfe geleistet würde. Die Dame am anderen Ende sagte mir zu, man werde sofort die Installateure benachrichtigen und so ging ich frohen Mutes davon aus, dass der Lärm bis zum Abend abgestellt sein würde.

Pustekuchen, es kamen keine Installateure und es folgte die nächste Nacht mit ständigem Gehämmer im Ohr, das zwar durch Ohrstöpsel ein wenig gedämpft wurde aber eben nicht vollständig ausgeblendet. Um 5 Uhr früh hatte ich die Nase voll und stand auf, völlig gerädert und wirklich schlecht gelaunt. Ich trank eine Tasse Kaffee, aß mein Müsli und saß dann demotiviert in meiner Küche. Was nun? Ich wollte den signifikanten Anderen nicht wecken (was passieren würde, ginge ich auf den Balkon) und in meiner Wohnung rauche ich ja nicht mehr – aber ich wollte so dringend wie nie eine Zigarette…! Also anziehen und raus aus dem Haus. Ich lief ein paar Schritte an unserem Haus vorbei und dachte, ich höre nicht richtig: hier war der Lärm ja genauso zu hören! Ich drehte mich nach rechts, Richtung Hauswand und traute meinen Augen nicht: Die senkrechte Regenrinne, die sich vom Dach zum Boden erstreckt, ist auf Höhe des 4.Stocks zertrennt worden und der untere, längere Teil des Metallrohres vibrierte und schlug heftig gegen die Hauswand. Nach meiner Meinung ungefähr dort, wo die Heizungsrohre innen verlaufen. Mein erster Gedanke war: ach Du Scheiße, das wird man ja nie am Wochenende repariert bekommen! Und wer macht sowas überhaupt? Noch immer vollkommen verblüfft ob der Entdeckung zündete ich mir eine zweite Zigarette an, die ich dann iwrklich genoß, und dachte, dass man den Installateur dringend informieren müsse, damit der nicht umsonst zu uns kommt.

Während ich nach oben in die Wohnung ging, regte sich die Hoffnung, dass nun, wo ich weiß, woher der Krach kommt, es vielleicht nicht mehr so nervenzehrend wäre. Ja, denkste! Das Wissen änderte leider gar nichts, also versuchte ich es mit Achtsamkeit: atmen, spüren, Gefühle und Gedanken beobachten…ja, ich bin genervt, ja ich bin mü… bam bam bam bam bam bam bam bam bam bam bam bam….!!! Holy moly, das ist wirklich kaum auszuhalten. Ich mache mir noch einen Kaffee und stehle mich leise ins Schlaf-/Wohnzimmer, um mein Notebook zu holen… der signifikante Andere ist wach und ich frage ihn, was er denkt, wann ich die Frau von der Hausverwaltung auf dem Handy anrufen kann, es ist immerhin Samstag… wir einigen uns auf 8 Uhr und als es soweit ist, geht natürlich keiner hin. Dem Installationsbetrieb habe ich inzwischen auf den AB gesprochen, damit die nicht hierher kommen und nun warte ich auf Rückmeldung von der Hausverwaltung, der ich eine sms geschrieben habe.

Was mich an der ganzen Sache wirklich erschreckt, ist, dass ich so eine Belästigung nicht ausblenden kann. Dass mich das Geräusch wirklich so sehr nervt, dass ich unfassbar mies drauf bin und extrem angespannt. Ich wusste schon immer, dass ich äußerst geräuschempfindlich bin, aber eigentlich war das in den letzten Jahren besser geworden. Ich habe mich nolens volens mit dem Hintergrundgesumse aus den Nachbarwohnungen arrangiert und kann auch einschlafen, wenn ich den Herrn über mir lautstark telefonieren höre. Aber dieses Gehämmere bringt mich an den Rand des Wahnsinns und ich tue mich gerade sehr schwer, geduldig auf Rückmeldung von der Hausverwaltung zu warten. Am liebsten würde ich sie alle 10 Minuten anrufen, was natürlich nichts bringt.

Was ich noch nicht verstanden habe, ist die Tatsache, dass das Regenrohr so vibriert. Hat das mit der Kälte zu tun? Denn wirklich windig ist es nicht! Da meine Hoffnung auf Reparatur am Wochenende eher gering ist, hoffe ich jetzt auf wärmere Temperaturen, die morgen kommen sollen. Aber das bedeutet im Zweifel, dass mir noch so eine Nacht bevor steht…na Mahlzeit.

Ich denke, ich werde heute sehr lange spazieren gehen. Schade, dass man sich derzeit in kein Cafe setzen kann, ich würde den ganzen Tag dort verbringen…

In der Schule hatten wir einen Religionslehrer mit sehr gewöhnungsbedürftigem Humor. Der kam zur ersten Stunde mit einem Hammer in den Klassenraum und meinte dann zu uns: (Schüler der 6. Klasse) „So, und wer jetzt noch nicht bekloppt ist, der wird dann eben behämmert!“ Ich kann mich leider nicht erinnern, was er dann mit dem Hammer gemacht hat… der Unterricht war jedenfalls unter alle Kanone…aber das ist eine andere Geschichte. Ich bete zum Gott der Spengler und Regenrinnen-Reparateure, dass die Lösung kommt, bevor ich behämmert werde…

Wer mag, darf mir gerne die Daumen drücken, dass sich bald was tut…ansonsten werde ich berichten, wie es weiter geht…

Euch allen ein schönes und vor allem ruhiges Wochenende!

Eure Merle

2 Gedanken zu „Wieviel Lärm erträgt ein Mensch?“

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