Viel Rauch um nichts Gutes…

dav

Ich rauche viel und ich rauche gerne. Also zumindest viel… das mit dem gerne ist seit einer Weile dabei, sich zu ändern. Seit meinem 14. Lebensjahr tue ich mir diese ungesunde Angewohnheit an und habe seitdem (also über einen Zeitraum von 32 Jahren) vielleicht 4 Mal versucht, aufzuhören. Offensichtlich ohne Erfolg. In den 20ern sagte ich mir noch, dass ich mit 30 ganz sicher aufhören würde, in den 30ern war ich mir sicher, mit 40 aufzuhören… Aber ich habe über lange Zeit tatsächlich gerne geraucht. Ich mochte den Geschmack, meiner Fitness hat es keinen Abbruch getan – zumindest keinen für mich spürbaren – und in Zeiten von Geldknappheit wurde natürlich selbst gedreht.

Zu Rauchen bedeutete für mich Entspannung. Und egal wo man war, gab es ein Rauchergrüppchen, dann hatte man auch gleich eine Unterhaltung. Rauchen war für mich auch Lebensgefühl, nämlich das je ne sais quoi und der kleine private Widerstand gegen all die Vernünftigen, die Gesundheitsapostel, die Richtigmacher. Und zur Tasse Kaffee eine Zigarette zu rauchen, ist einfach ein unübertroffener Genuß. Und wenn ich gestresst bin, hilft mir eine Rauchpause runterzukommen. Ich bin niemand, der zum Beispiel auf dem Weg zum Bahnhof eine raucht, oder gar beim spazieren gehen. Nein, ich genieße das Qualmen und möchte dafür bitte auch genügend Zeit und Muße haben. Übrigens rauche ich zu Hause nur in der Küche, deren Fenster fast immer geöffnet ist, so dass es bei mir auch kaum nach Rauch riecht. (Wie mir Besucher schon öfter bestätigten.)

Nun bin ich 46 und habe einen neuen Begleiter: den Raucherhusten. Und unerhörter Weise merke ich beim Treppensteigen, wie mir die Puste ausgeht. Ebenso wie das Geld, denn Zigaretten, aber auch Tabak zum selber drehen, sind inzwischen obszön teuer. Es ist höchte Zeit, das Rauchen aufzuhören. Es gibt sogar Tage, da schmeckt es mir nicht mehr und ich bin genervt, vom aschigen Geschmack in meinem Mund. Darüber hinaus haben sowohl meine Zahnärztin als auch meine Frauenärztin mir nahe gelegt, das Rauchen aufzuhören, da das in meinem Alter ja doch sehr verantwortungslos wäre. Schluck. Ja, das spiegelt auch meine eigenen Gedanken, aber ich erinnere mich auch an die kläglichen Versuche des Aufhörens: Tremor, Kopfschmerzen, heftige Verdauungsprobleme, Übelkeit… Und das nicht über eine paar Tage sondern über Wochen. Nein, ich bin nicht hoch motiviert, ich bin eingeschüchtert und verzagt. Wie soll ich das schaffen?

Die offensichtlichen Argumente gegen das Rauchen braucht mir niemand erzählen, die kenne ich zur genüge und ich gebe ihnen, fast uneingeschränkt, Recht. Doch die Glimmstengel sind schon so lange geliebter Teil meines Alltags, dass ich mir diesen nur schwer ohne sie vorstellen kann. Und ziemlich sicher werde ich an Gewicht zunehmen, das berichten ja alle, die aufgehört haben zu Rauchen. Es sind düstere Aussichten. Aber wie sind meine Aussichten, wenn meine Lunge aufgeben sollte und ich Krebs bekomme? Oder einen Schlaganfall erleide? Und will ich wirklich mit Mitte 40 schon vor dem 4. Stock ohne Aufzug kapitulieren? Nein, natürlich nicht. Und doch, es wird ein trauriger Abschied von einer lieb gewonnenen Gewohnheit, von einem Ritual, das da heißt: erst mal hinsetzen, Käffchen trinken, durchatmen und dann eine anzünden.

Ein paar Wochen Schonfrist habe ich mir noch gegeben bzw. bin ich dabei, die Anzahl der täglichen Zigaretten zu reduzieren. Ich bin gerade bei ungefähr der Hälfte. Da gibt es schon Momente der Nervosität und der Körper meckert auch schon rum. Aber ich möchte das schaffen. Neben allen rationalen, nicht abzuweisenden Gründen fürs Aufhören kommt derzeit noch hinzu, dass ich häufig Besuch von einem sehr überzeugten Nichtraucher habe. Ich stehe also in der Kälte auf dem Balkon und der Genuß ist doch erheblich durch die winterlichen Temperaturen geschmälert. Aber die räumliche Nähe zu einem signifikanten Nichtraucher ist immerhin auch ein Teil der langsam den Kopf hebenden Motivation, aufzuhören.

Es ist letztlich natürlich meine Entscheidung und nur meine Entscheidung, ob ich aufhöre oder, ich möchte sagen, wann ich aufhöre. Ich coache mich täglich mental und male mir aus, wieviel klarer und freier ich mich ohne den Nikotinnebel fühlen werde, wieviel mehr Geld ich jeden Monat habe und wie einfach der 4. Stock zu erklimmen sein wird. Noch wiegt das alles die Qualen der Abgewöhnungsphase nicht auf, aber ich bin guter Dinge, dass die im Gehirn angelegte Straße namens „Nichraucher sein ist toll!“ immer besser befahrbar wird.

Am liebsten wär ich ja Gelegenheitsraucher, ein paar solcher begnadeter Wesen sind mir in meinem Leben über den Weg gelaufen und ich beneide sie sehr. Ab und zu mal, zum Glas Wein oder in Gesellschaft eine rauchen, das wär schon toll. Aber daran ist bei mir nicht zu denken. Also, tabula rasa. Bald schon. Ganz bestimmt.

Spätestens wenn es soweit ist, werde ich wieder davon berichten und wie erfolgreich ich sein werde. Einstweilen ziehe ich mir jetzt eine dicke Wollstrickjacke an und gehe auf den Balkon. Noch darf ich ja…

Damit sage ich „Tschüß“ und sende herzliche Grüße!

Eure Merle

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