Wieviel Lärm erträgt ein Mensch?

IMG_2021021

Heute mal wieder ein Bericht aus den Banalitäten des Alltags: seit drei Tagen und drei Nächten gibt es bei uns im Haus ein unablässiges Hämmergeräusch, das nicht unerträglicher sein könnte. Man stelle sich vor, jemand schlägt im Viertelsekundentakt mit einem Metallgegenstand gegen ein Heizungsrohr. Neben dem Ohr. Nach 20-30 Schlägen gibt es eine Pause, von der man nie weiß, wie lang sie sein wird. Der erst Schlag der neuen Kaskade reißt einen also immer wieder aus dem, was man gerade tut, heraus.

Anfangs dachte ich, es handle sich um eine sehr schlecht justierte Waschmaschine, die jemand zur Unzeit laufen lässt. (Das Geräusch begann nachts.) Da der Großteil meiner Nachbarn keine Rücksicht auf Ruhezeiten nimmt, war das das nahe liegendste. Doch das Geräusch hielt sich über Stunden und somit fiel die Waschmaschine schließlich aus der Wahl. Als nächstes vermutete ich, dass die Heizungsrohre der Verursacher seien, vielleicht aufgrund der Kälte…? Ich fragte eine Nachbarin, die ich zufällig im Hausflur traf, ob sie das auch höre und als sie bejahte, meinte sie auch gleich, dass es sich wohl um die Heizung handle. Also rief ich gestern bei der Hausverwaltung an und schilderte die Misere, mit der Bitte, dass so schnell wie möglich Abhilfe geleistet würde. Die Dame am anderen Ende sagte mir zu, man werde sofort die Installateure benachrichtigen und so ging ich frohen Mutes davon aus, dass der Lärm bis zum Abend abgestellt sein würde.

Pustekuchen, es kamen keine Installateure und es folgte die nächste Nacht mit ständigem Gehämmer im Ohr, das zwar durch Ohrstöpsel ein wenig gedämpft wurde aber eben nicht vollständig ausgeblendet. Um 5 Uhr früh hatte ich die Nase voll und stand auf, völlig gerädert und wirklich schlecht gelaunt. Ich trank eine Tasse Kaffee, aß mein Müsli und saß dann demotiviert in meiner Küche. Was nun? Ich wollte den signifikanten Anderen nicht wecken (was passieren würde, ginge ich auf den Balkon) und in meiner Wohnung rauche ich ja nicht mehr – aber ich wollte so dringend wie nie eine Zigarette…! Also anziehen und raus aus dem Haus. Ich lief ein paar Schritte an unserem Haus vorbei und dachte, ich höre nicht richtig: hier war der Lärm ja genauso zu hören! Ich drehte mich nach rechts, Richtung Hauswand und traute meinen Augen nicht: Die senkrechte Regenrinne, die sich vom Dach zum Boden erstreckt, ist auf Höhe des 4.Stocks zertrennt worden und der untere, längere Teil des Metallrohres vibrierte und schlug heftig gegen die Hauswand. Nach meiner Meinung ungefähr dort, wo die Heizungsrohre innen verlaufen. Mein erster Gedanke war: ach Du Scheiße, das wird man ja nie am Wochenende repariert bekommen! Und wer macht sowas überhaupt? Noch immer vollkommen verblüfft ob der Entdeckung zündete ich mir eine zweite Zigarette an, die ich dann iwrklich genoß, und dachte, dass man den Installateur dringend informieren müsse, damit der nicht umsonst zu uns kommt.

Während ich nach oben in die Wohnung ging, regte sich die Hoffnung, dass nun, wo ich weiß, woher der Krach kommt, es vielleicht nicht mehr so nervenzehrend wäre. Ja, denkste! Das Wissen änderte leider gar nichts, also versuchte ich es mit Achtsamkeit: atmen, spüren, Gefühle und Gedanken beobachten…ja, ich bin genervt, ja ich bin mü… bam bam bam bam bam bam bam bam bam bam bam bam….!!! Holy moly, das ist wirklich kaum auszuhalten. Ich mache mir noch einen Kaffee und stehle mich leise ins Schlaf-/Wohnzimmer, um mein Notebook zu holen… der signifikante Andere ist wach und ich frage ihn, was er denkt, wann ich die Frau von der Hausverwaltung auf dem Handy anrufen kann, es ist immerhin Samstag… wir einigen uns auf 8 Uhr und als es soweit ist, geht natürlich keiner hin. Dem Installationsbetrieb habe ich inzwischen auf den AB gesprochen, damit die nicht hierher kommen und nun warte ich auf Rückmeldung von der Hausverwaltung, der ich eine sms geschrieben habe.

Was mich an der ganzen Sache wirklich erschreckt, ist, dass ich so eine Belästigung nicht ausblenden kann. Dass mich das Geräusch wirklich so sehr nervt, dass ich unfassbar mies drauf bin und extrem angespannt. Ich wusste schon immer, dass ich äußerst geräuschempfindlich bin, aber eigentlich war das in den letzten Jahren besser geworden. Ich habe mich nolens volens mit dem Hintergrundgesumse aus den Nachbarwohnungen arrangiert und kann auch einschlafen, wenn ich den Herrn über mir lautstark telefonieren höre. Aber dieses Gehämmere bringt mich an den Rand des Wahnsinns und ich tue mich gerade sehr schwer, geduldig auf Rückmeldung von der Hausverwaltung zu warten. Am liebsten würde ich sie alle 10 Minuten anrufen, was natürlich nichts bringt.

Was ich noch nicht verstanden habe, ist die Tatsache, dass das Regenrohr so vibriert. Hat das mit der Kälte zu tun? Denn wirklich windig ist es nicht! Da meine Hoffnung auf Reparatur am Wochenende eher gering ist, hoffe ich jetzt auf wärmere Temperaturen, die morgen kommen sollen. Aber das bedeutet im Zweifel, dass mir noch so eine Nacht bevor steht…na Mahlzeit.

Ich denke, ich werde heute sehr lange spazieren gehen. Schade, dass man sich derzeit in kein Cafe setzen kann, ich würde den ganzen Tag dort verbringen…

In der Schule hatten wir einen Religionslehrer mit sehr gewöhnungsbedürftigem Humor. Der kam zur ersten Stunde mit einem Hammer in den Klassenraum und meinte dann zu uns: (Schüler der 6. Klasse) „So, und wer jetzt noch nicht bekloppt ist, der wird dann eben behämmert!“ Ich kann mich leider nicht erinnern, was er dann mit dem Hammer gemacht hat… der Unterricht war jedenfalls unter alle Kanone…aber das ist eine andere Geschichte. Ich bete zum Gott der Spengler und Regenrinnen-Reparateure, dass die Lösung kommt, bevor ich behämmert werde…

Wer mag, darf mir gerne die Daumen drücken, dass sich bald was tut…ansonsten werde ich berichten, wie es weiter geht…

Euch allen ein schönes und vor allem ruhiges Wochenende!

Eure Merle

Viel Rauch um nichts Gutes…

dav

Ich rauche viel und ich rauche gerne. Also zumindest viel… das mit dem gerne ist seit einer Weile dabei, sich zu ändern. Seit meinem 14. Lebensjahr tue ich mir diese ungesunde Angewohnheit an und habe seitdem (also über einen Zeitraum von 32 Jahren) vielleicht 4 Mal versucht, aufzuhören. Offensichtlich ohne Erfolg. In den 20ern sagte ich mir noch, dass ich mit 30 ganz sicher aufhören würde, in den 30ern war ich mir sicher, mit 40 aufzuhören… Aber ich habe über lange Zeit tatsächlich gerne geraucht. Ich mochte den Geschmack, meiner Fitness hat es keinen Abbruch getan – zumindest keinen für mich spürbaren – und in Zeiten von Geldknappheit wurde natürlich selbst gedreht.

Zu Rauchen bedeutete für mich Entspannung. Und egal wo man war, gab es ein Rauchergrüppchen, dann hatte man auch gleich eine Unterhaltung. Rauchen war für mich auch Lebensgefühl, nämlich das je ne sais quoi und der kleine private Widerstand gegen all die Vernünftigen, die Gesundheitsapostel, die Richtigmacher. Und zur Tasse Kaffee eine Zigarette zu rauchen, ist einfach ein unübertroffener Genuß. Und wenn ich gestresst bin, hilft mir eine Rauchpause runterzukommen. Ich bin niemand, der zum Beispiel auf dem Weg zum Bahnhof eine raucht, oder gar beim spazieren gehen. Nein, ich genieße das Qualmen und möchte dafür bitte auch genügend Zeit und Muße haben. Übrigens rauche ich zu Hause nur in der Küche, deren Fenster fast immer geöffnet ist, so dass es bei mir auch kaum nach Rauch riecht. (Wie mir Besucher schon öfter bestätigten.)

Nun bin ich 46 und habe einen neuen Begleiter: den Raucherhusten. Und unerhörter Weise merke ich beim Treppensteigen, wie mir die Puste ausgeht. Ebenso wie das Geld, denn Zigaretten, aber auch Tabak zum selber drehen, sind inzwischen obszön teuer. Es ist höchte Zeit, das Rauchen aufzuhören. Es gibt sogar Tage, da schmeckt es mir nicht mehr und ich bin genervt, vom aschigen Geschmack in meinem Mund. Darüber hinaus haben sowohl meine Zahnärztin als auch meine Frauenärztin mir nahe gelegt, das Rauchen aufzuhören, da das in meinem Alter ja doch sehr verantwortungslos wäre. Schluck. Ja, das spiegelt auch meine eigenen Gedanken, aber ich erinnere mich auch an die kläglichen Versuche des Aufhörens: Tremor, Kopfschmerzen, heftige Verdauungsprobleme, Übelkeit… Und das nicht über eine paar Tage sondern über Wochen. Nein, ich bin nicht hoch motiviert, ich bin eingeschüchtert und verzagt. Wie soll ich das schaffen?

Die offensichtlichen Argumente gegen das Rauchen braucht mir niemand erzählen, die kenne ich zur genüge und ich gebe ihnen, fast uneingeschränkt, Recht. Doch die Glimmstengel sind schon so lange geliebter Teil meines Alltags, dass ich mir diesen nur schwer ohne sie vorstellen kann. Und ziemlich sicher werde ich an Gewicht zunehmen, das berichten ja alle, die aufgehört haben zu Rauchen. Es sind düstere Aussichten. Aber wie sind meine Aussichten, wenn meine Lunge aufgeben sollte und ich Krebs bekomme? Oder einen Schlaganfall erleide? Und will ich wirklich mit Mitte 40 schon vor dem 4. Stock ohne Aufzug kapitulieren? Nein, natürlich nicht. Und doch, es wird ein trauriger Abschied von einer lieb gewonnenen Gewohnheit, von einem Ritual, das da heißt: erst mal hinsetzen, Käffchen trinken, durchatmen und dann eine anzünden.

Ein paar Wochen Schonfrist habe ich mir noch gegeben bzw. bin ich dabei, die Anzahl der täglichen Zigaretten zu reduzieren. Ich bin gerade bei ungefähr der Hälfte. Da gibt es schon Momente der Nervosität und der Körper meckert auch schon rum. Aber ich möchte das schaffen. Neben allen rationalen, nicht abzuweisenden Gründen fürs Aufhören kommt derzeit noch hinzu, dass ich häufig Besuch von einem sehr überzeugten Nichtraucher habe. Ich stehe also in der Kälte auf dem Balkon und der Genuß ist doch erheblich durch die winterlichen Temperaturen geschmälert. Aber die räumliche Nähe zu einem signifikanten Nichtraucher ist immerhin auch ein Teil der langsam den Kopf hebenden Motivation, aufzuhören.

Es ist letztlich natürlich meine Entscheidung und nur meine Entscheidung, ob ich aufhöre oder, ich möchte sagen, wann ich aufhöre. Ich coache mich täglich mental und male mir aus, wieviel klarer und freier ich mich ohne den Nikotinnebel fühlen werde, wieviel mehr Geld ich jeden Monat habe und wie einfach der 4. Stock zu erklimmen sein wird. Noch wiegt das alles die Qualen der Abgewöhnungsphase nicht auf, aber ich bin guter Dinge, dass die im Gehirn angelegte Straße namens „Nichraucher sein ist toll!“ immer besser befahrbar wird.

Am liebsten wär ich ja Gelegenheitsraucher, ein paar solcher begnadeter Wesen sind mir in meinem Leben über den Weg gelaufen und ich beneide sie sehr. Ab und zu mal, zum Glas Wein oder in Gesellschaft eine rauchen, das wär schon toll. Aber daran ist bei mir nicht zu denken. Also, tabula rasa. Bald schon. Ganz bestimmt.

Spätestens wenn es soweit ist, werde ich wieder davon berichten und wie erfolgreich ich sein werde. Einstweilen ziehe ich mir jetzt eine dicke Wollstrickjacke an und gehe auf den Balkon. Noch darf ich ja…

Damit sage ich „Tschüß“ und sende herzliche Grüße!

Eure Merle