Ich will mehr…!

IMG_20210117

Wir leben in einer verrückten Welt. Obwohl die allermeisten von uns doch alles haben, was sie zum Leben brauchen, wollen wir immer mehr. Mehr Geld, mehr Spaß, mehr Klicks, aber auch mehr Status, mehr Anerkennung, mehr Liebe, mehr Glück. In einer Zeit, in der so vieles möglich ist wie noch nie in der Geschichte der Menschheit; in der der Einzelne so viele Optionen wie noch nie hat, können wir uns nicht zufrieden geben.

Dinge, die früher undenkbar gewesen wären, wie alljährliche Flugreisen in den Urlaub, regelmäßig das neuste Smartphone besitzen, noch ein größerer Fernseher, ein neues Auto, (…) sind heute selbstverständlich und werden als normal erwartet. Dazu kommen die sozialen Medien, die perfekte Bühne zur Selbstdarstellung, auf der Klicks und Likes gesammelt werden, um das eigene Ego zu befriedigen. Ich schließe mich da nicht aus! Auch ich habe im ersten Jahr meines Blogschreibens wie süchtig auf Likes gewartet und die Dopaminausschüttung genossen, die viele Klicks hervorgerufen haben.

Die größte Krux: wir vergleichen uns ständig mit anderen, sehen die Erfolgreichen, die, die es „geschafft“ haben und wollen das auch, oder eben noch mehr. Doch dieser Vergleich macht uns unglücklich und ab einem gewissen Punkt, nämlich relativ bald ab dem Level, das lebensnotwendig ist, macht ein Mehr an materiellem Wohlstand nicht auch glücklicher! Glücksforscher haben herausgefunden, dass soziale Bindungen, Gemeinschaft, Autonomie und Selbstwirksamkeit wichtigere Faktoren sind, als materieller Reichtum. Man kann dem noch hinzu fügen, dass die Sinnhaftigkeit eines Lebens und ein autenthisch gelebtes Leben ebenso zu Zufriedenheit und Glück beitragen.

Denn die Glücksgefühle, die der Konsum in uns auslöst, sind und werden immer nur von kurzer Dauer sein. Dafür sorgt unser Belohnungssystem. Und wie ein Süchtiger brauchen wir immer mehr, damit wir den Glücksmoment erleben können. Dass diese Dynamik auf Dauer in einer Gesellschaft bzw. den westlichen Gesellschaften nicht gesund sein kann, finde ich offensichtlich. Stetiges, endloses wirtschaftliches Wachstum hängt nicht nur einen Teil der Bevölkerung ab, es zerstört auch die Grundlagen unseres Überlebens auf dieser Erde. (Stichworte: Urwaldbrandrodung, verpestete Luft, verschmutzte Weltmeere, u.v.m. …)

Für mich bedeutet das, wir brauchen einen Wertewandel! Es ist höchste Zeit, dass wir Menschen begreifen, dass Glück erstens nicht (nur) im Außen zu suchen ist sondern enorm viel mit unserer inneren Haltung zu tun hat – und zweitens, dass materieller Wohlstand und die Höhe des Bruttoinlandsprodukts nicht die Heilsbringer sind, für die man sie uns immer verkaufen will. Es braucht ein neues Bewusstsein dafür, dass die kleinen Dinge des Lebens zur Zufriedenheit führen und dass Glück mehr mit Selbsterkenntnis, Selbstliebe und Liebe zu tun hat als mit einem neuen paar Jeans für 300 €. (Ja, das ist nicht aus der Luft gegriffen!)

Das nach dem zweiten Weltkrieg einsetzende deutsche Wirtschaftswunder hat uns die Illusion gebracht, dass wir nur immer mehr wachsen müssten und noch mehr Statussymbole anhäufen müssen, um glücklich zu sein. Doch was ist stattdessen mit Freiheit, Gesundheit, einer glücklichen Beziehung, einem tragendem sozialen Netzwerk, der Natur, der Schönheit der Kunst… ? Sind wir schon so abgestumpft, dass wir das alles gar nicht mehr wahrnehmen?

Ich spreche von „wir“, weil auch ich nicht vollkommen gefeit bin von der Freude an einem neuen Smartphone (obwohl ich lange mit einem Modell auskomme) und obwohl ich weiß, dass viele meiner Leserinnen und Leser dieses rat race gar nicht mitmachen. Zum Teil predige ich hier also wahrscheinlich zu den längst überzeugten. Aber vielleicht ist ja auch die ein oder andere Leserin dabei, die mein Text zum Nachdenken anregt und andere freuen sich vielleicht einfach, dass da jemand ihre Gedanken aufschreibt 😉

Ich finde, wir müssen etwas tun, es wird Zeit, dass die Menschen aufwachen und sich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Sonst verlieren wir nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Lebensraum und unsere freiheitliche Gesellschaft… und was das bedeutet, mag ich mir gar nicht ausmalen…

Und so verabschiede ich mich heute, sehr nachdenklich gestimmt, und wünsche Euch nichtsdestotrotz einen schönen Sonntag!

Eure Merle

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s