Über Nähe

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Hallo liebe Leserinnen und Leser, hiermit melde ich mich im neuen Jahr zurück – jedoch nicht ohne Euch allen noch ein gesundes, wundervolles 2021 zu wünschen!

Die letzten Wochen war es still auf meinem Blog, da ich – auf wunderbare Art und Weise – sehr beschäftigt war. Ich habe jemanden kennen gelernt, tatsächlich über eine Partnerschaftsplattform im Internet, und irgendwie sind die Tage wie im Nu verflogen. Doch heute möchte ich wieder mal meine Gedanken mit Euch teilen, da ich in den vergangenen Tagen und Wochen eine interessante Erkenntnis gewonnen habe:

Ich bin gar keine Nähe-Phobikerin, ich hatte bisher nur noch nicht den passenden Menschen getroffen! In der Vergangenheit verhielt es sich so, dass ich nach spätestens drei gemeinsam verbrachten Tagen unruhig wurde und das Bedürfnis hatte, mein Wohnung für mich zu haben. Mich nervte es, wenn mein Freund bei mir kochte, ich wollte mein Bett wieder für mich haben und sich dann auch noch abstimmen, wer wann ins Bad geht… einfach nur anstrengend. In gewisser Weise glaube ich schon, dass ich da über die Jahre einige typische Single-Züge angenommen hatte, die es mir erschwerten, mich auf eine andere Person in meinem Haushalt einzustellen. Insgesamt war jedenfalls das Ergebnis, dass mir vorgeworfen wurde, ich könne nicht mit Nähe umgehen und habe da ein Problem, das der Behandlung bedürfe.

In der Konsequenz war ich Jahre lang überzeugt, ein Näheproblem zu haben und dachte, ich müsse mich ändern. Doch je mehr man zwanghaft versucht, sich zu ändern, desto stärker treten die abgeblehnten Züge in Erscheinung. So musste ich die Erfahrung machen, dass, je mehr ich versuchte, mich zur Nähe-Toleranz zu „erziehen“, desto mehr ging mir die andere Person auf die Nerven. Gespräche darüber endeten in der Regel mit der gemeinsamen Übereinkunft, dass ich das Problem sei.

Nun hatte ich insofern Glück, als dass ich in den letzten Jahren mehreren sehr klugen Menschen begegnete, die mir beibrachten, dass ich erstmal meine Person mit meinen Macken voll und ganz akzeptieren dürfe und dass Veränderung immer die radikale Akzeptanz des Ist-Zustandes voraussetzt. Das war harte Arbeit, aber es gelang und gelingt mir immer besser, auch was mein Nähe-Distanz-Thema angeht. Ich lernte, meine Bedürfnisse nach meinem eigenen Raum zu respektieren und sah mich als jemanden, die überdurchschnittlich viel Abstand und Distanz in einer Beziehung braucht. Was soll’s, dachte ich, es gibt Schlimmeres!

Und nun ist da dieser Mensch in mein Leben getreten, der mich auch nach einer knappen Woche in meiner Wohnung kein bißchen nervt! Da Corona-bedingt draußen nicht viel los ist, verbringen wir ungewöhnlich viel Zeit drinnen, und trotzdem stört mich die Anwesenheit einer zweiten Person nicht. Und ich lebe in einer 1,5-Zimmer-Wohnung, das bedeutet, es gibt recht wenig Raum, sich aus dem Weg zu gehen. Aber siehe da, das ist gar nicht mehr notwendig. Weder das Kochen noch die Okkupation des Bades sind ein Problem für mich und die gemeinsam verbrachte Zeit genieße ich sehr. Wie kann das sein? Warum geht auf einmal, was früher nicht ging?

Meine Antwort ist zweigeteilt: zum einen denke ich, dass meine Akzeptanz meiner Bedürfnisse dazu geführt hat, dass diese im Ernstfall gar nicht mehr so furchtbar dringlich sind. Zum anderen aber habe ich festgestellt, dass sich unterschiedliche Menschen in meinem Zuhause auch unterschiedlich anfühlen. Jeder Mensch hat eine andere Ausstrahlung, ein anderes Energiefeld und „besetzt“ den Raum auf mehr oder eben weniger intensive und okkupierende Art und Weise. Zur Zeit bewegt sich in meinem Heim ein Wesen, dass sich kaum raumgreifend anfühlt. Ich habe nicht (mehr) den Eindruck, aus meiner Sphäre verdrängt zu werden und im Gegensatz zu früher fühle ich keine an mich gerichteten Erwartungen.

Das ist ziemlich fantastisch und beeindruckend, besonders gemessen daran, wieviel Raum ich früher dem „Problem Nähe“ gegeben habe. Das vermeintliche Problem entpuppt sich im Nachhinein als Versuch, etwas passend zu machen, was nicht passte. Ich will aber auch die Bedeutung der Akzeptanz-Arbeit betonen, die sicher auch eine wichtige Rolle gespielt hat. Was ich daraus lerne, ist erstens, mir in Zukunft nicht jeden Schuh anzuziehen, den man mir aufdrängt und zweitens, achtsamer meine Begegnungen zu beobachten, hineinzuspüren in das, was ist und nicht verzweifelt zu versuchen, das zu erschaffen, was angeblich sein soll.

Am Ende des Tages geht es also wieder mal um Achtsamkeit und Selbstliebe – Themen, die uns ein ganzes Leben beschäftigen, wenn wir uns darauf einlassen. Und wenn es gut läuft, dann trifft man vielleicht sogar jemanden, mit dem man gemeinsam darin wachsen darf. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen Menschen, der uns dazu anregt, sich selbst anzunehmen und achtsam mit uns umzugehen.

Eine schöne Woche noch und einen geruhsamen Feiertag morgen wünscht Euch

Eure Merle

2 Gedanken zu „Über Nähe“

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