Das psychologische Technik-Phänomen

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Meine elektrischen Geräte haben eine Seele. Davon bin ich fest überzeugt. Mal sind sie in bester Verfassung und funktionieren einwandfrei, das heißt, sie machen, was ich von ihnen erwarte; mal sind sie mies drauf und tun gar nichts, mal proben sie den Aufstand und foppen mich mit nie gekannten Fehlermeldungen, die mich in den Wahnsinn treiben. Meine EDV und mein Fernseher haben ein emotionales und psychisches Eigenleben. Und nicht nur, dass sie nicht zuverlässig das tun, wofür sie da sind, nein, sie reagieren auch auf meine Launen und Stimmungen.

Nein, ich spinne nicht. Angefangen hat es mit meinem Fernseher. Ein Flachbildschirm-Gerät, dass ich vor einigen Jahren neu gekauft habe und das von Anfang an unerklärliche Phänomene zeigte, die weder mit dem Anschluss noch mit dem Wetter noch mit sonst was etwas zu tun hatten. Außer mit meinen Gemütszuständen konnte ich nie einen kausalen Zusammenhang entdecken. Aber der war ziemlich eindeutig: wenn ich traurig und/oder wütend war, fingen das Bild und der Ton an zu krisseln. Je heftiger meine emotionale Wallung, desto stärker die Störung im Fernseher. Und, jetzt kommt das Beste: das ganze kam in Kombination mit einer Art statischem Geräusch und einer Gänsehaut, die sich auf meinen Armen ausbreitete. Ich weiß, das klingt verrückt und die ein oder andere mag mich jetzt für völlig bekloppt halten, aber so wahr ich hier sitze: ich schreibe keinen Stuss. In der Regel wurden die Störungen behoben, wenn ich das Gerät ausschaltete, mich beruhigte und dann in entspannter Atmosphäre den TV wieder anschaltete. Wenn ich ruhig war, war es auch der Empfang.

Ich komme gerade jetzt drauf, weil ich heute wieder eine technische Überraschung erleben durfte: Vor ein paar Jahren habe ich mir eine externe Festplatte gekauft, um meine Daten auf meinem Notebook regelmäßig zu sichern. Das klappte gut, bis Ende 2018. Da las mein Notebook die Dateien auf der Festplatte nicht mehr oder erkannte das Gerät, das per USB angeschlossen wird, überhaupt erst gar nicht. Ich weiß noch genau, in welcher Verfassung ich damals war: ich hatte mehr als ein halbes Jahr Krankenhaus hinter mir, privat lief alles scheiße (pardon), mein Kater Frodo war schwer krank und ich versuchte gerade, meine bürokratischen Verpflichtungen zu erfüllen. Um wichtige Dokumente zu sichern, schloß ich die externe Festplatte an und nichts ging mehr. Der Laptop stürzte wahlweise ab oder erzählte mir irgendwas von einer Formatierung, die das externe Gerät benötige. Dabei hatte ich es ja vorher schon mit dem gleichen Laptop benutzt! Nach zig Versuchen, das Gerät wieder zum laufen zu bringen, gab ich auf, packte die externe Festplatte weit hinten in die Schublade und vergaß sie daraufhin. Froh, dass mein Rechner wieder normal funktionierte, speicherte ich von da an wichtige Dateien auf USB-Sticks. Keine elegante aber eine gangbare Lösung.

Nun fand ich heute morgen, dass es Zeit sei, mal wieder ein komplettes Backup von meinen Daten zu machen und begann, im Internet nach externen Festplatten zu recherchieren. Ich hatte mich gerade für ein Modell bei meinem Leib- und Magen-Elektrogeschäft entschlossen, als mir der Gedanke kam, die alte externe Festplatte nochmal zu testen. Und siehe da: TADA! Das Gerät wurde erkannt, alle Dateien darauf waren lesbar und die Kopie meiner Notebook-Daten klappte ohne Probleme. Mein anschließender Test, bei dem ich die Festplatte mehrfach vom Rechner trennte und wieder anschloß zeigte auch keinerlei Probleme. Ich kann mir das nur mit meinem emotionalen Zustand erklären. War ich vor zwei Jahren extrem angespannt, ungeduldig und auch wütend auf meine Situation, bin ich heute im Vergleich zu damals um einiges entspannter. Auch als ich die externe Festplatte heute anschloß, war ich vollkommen ruhig und dachte mir nur: wenn Du funktionierst, ist es fein, wenn nicht, gibt’s neu neue. Offenbar spiegeln meine elektronischen Freunde meine innere Verfassung! Verrückt, nicht wahr?

Mir fallen noch mehr Beispiele ein: so habe ich Verbindungsprobleme mit dem Internet, wenn ich unter Zeitdruck und genervt etwas bestellen möchte oder der Browser hängt besonders dann, wenn ich ungeduldig und angespannt ein Video ansehen möchte. Sobald ich mich entspanne und beruhige, läuft wieder alles wie geschmiert. Auch das Radio meiner Stereoanlage scheint in Abhängigkeit meiner Gemütslage entweder einen guten oder keinen Empfang zu haben. Speziell beim Radio nehme ich auch, wie beim TV, statisches Knistern und Gänsehaut wahr.

Mich würde sehr interessieren, was ein Elektrotechniker oder ein IT-Spezialist zu diesen Phänomenen sagen würden… ich habe mich mit mir darauf verständigt, dass meine Geräte offenbar eine eigene Psyche haben auf die ich Rücksicht nehmen muss 😉 Das einzige, was mir sonst dazu einfällt, sind elektromagnetische Felder, die uns umgeben und die wahrscheinlich mit den winzigen elektrischen Strömen, die im menschlichen Körper durch dessen chemische Reaktionen existieren, reagieren. Und dass die elektrischen Ströme im menschlichen Körper wiederum vom Level der Ent- und Anspannung beeinflusst werden, kann ich mir gut vorstellen. Aber natürlich ist die Erklärung, dass meine Geräte eine eigene Persönlichkeit besitzen viel netter. Immerhin spreche ich ja auch mit ihnen oder wurde auch schonmal handgreiflich (mein früheres Notebook flog, als tatsächlich und unwiederbringlich sein letztes Stündlein geschlagen hatte, quer durch die Wohnung). Und je nach dem wie es mir gerade geht, bin ich meinen elektrischen Helfern wohlgesonnen oder eher schlecht auf sie zu sprechen. Als Helferlein würde ich mir da eventuell auch herausnehmen, entsprechend zu reagieren. Wie man in den Wald hinein ruft, so tönt’s zurück, das weiß man ja. Und wer bin ich, davon auszugehen, dass meine Geräte willenlose Sklaven meiner Bedürfnisse sind?

Was auch immer die Erklärung für diese abgefahrenen Phänomene ist – ich hab mich ganz gut mit meinen Geräten arrangiert und wenn ich so des öfteren aufgefordert werde, mich zu beruhigen und zu entspannen, kann das ja auch nur von Vorteil sein!

Achtet mal drauf, wie ihr drauf seid, wenn’s mit der Technik nicht klappen will – vielleicht erlebt Ihr eine Überraschung 🙂

Damit verabschiede ich mich für heute und wünsche ein schönes Wochenende!

Eure Merle

3 Gedanken zu „Das psychologische Technik-Phänomen“

  1. Diese Phänomene sind mir sehr bekannt. TV Geräte kann ich, wenn ichgerade in elektronischer Stimmung bin, beim vorbeigehen ausschalten. Mein Höhepunkt war eine Elektronische Waage bei der BS R. Ich fuhr mit meinem Wagen auf die Grosswaage und bekam im Kassenfenster einen Ausdruck. Dann habe ich Altakten ca, 6 Kartons auf das Band geladen welches direkt ins Feuer fährt. Anschließend fuhr ich wieder auf die Waage. Die elektrische Waage summte vergnügt. Der Mann an der Kasse meint wir hätten nun ein Problem, der Wagen wiegt nun 250 kg mehr als bei der Einfahrt. Er wünschte mir noch frohe Weihnachten und ich rollte vom Hof.

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