Bewegte Zeiten…

sdr

Dieses Bild zeige ich heute in wohliger Erinnerung an einen Sommer vor 4 Jahren am Chiemsee. Ich hatte dort eine wunderbare Zeit und sehne mich immer wieder nach der (morgentlichen) Stille und Beschaulichkeit zurück. Es ist ja mein großer Traum, irgendwann dorthin zu ziehen und ich hatte im Zuge meiner jetzigen Umzugsbemühungen auch dort nach Wohnungen geguckt… aber die sind genauso unerschwinglich wie in unserer Stadt und noch brauche ich eine gewisse Infrastruktur und Anlaufstellen, die nunmal nur eine Stadt bietet…

Ja, es waren ruhige und beschauliche Wochen damals, ganz im Gegensatz zu heuer. Nachdem ich heute morgen wie immer meine übliche Nachrichtendosis von tagesschau.de zu mir genommen hatte, wurde mir sehr mulmig. Corona, Terror in Frankreich, die Wahlen in den USA… ich fühle mich ohnmächtig angesichts der Entwicklungen in der Welt und das macht mich wütend. Freiheit ist ein hohes, wenn nicht das höchste Gut – dass dies dazu führt, dass man mitunter durch die Dummheit, Gewalttätigkeit oder Ignoranz anderer Leute leidet, dass Grenzen überschritten werden, das gehört in einer Demokratie und freiheitlichen Gesellschaft dazu. Dafür haben wir eine Justiz sowie die Exekutive und Legislative. Aber manchmal, ganz selten, nur für ein, zwei Sekunden, blitzt in mir der Gedanke auf, wie es wäre, eine Diktatur des gesunden Menschenverstandes und der Intelligenz zu haben. Ich habe keine Ahnung, wie so etwas machbar wäre und ich bin entschiedener Gegner jedweder Formen der Diktatur… doch es gibt so Momente…

Da möchte ich die 600 Berliner Fetischpartygäste, die von der Polizei nach Hause geschickt wurden, zu einer Freiheitsstrafe verknacken. Da würde ich alle Islamisten einsammeln und nach Saudi Arabien abliefern, die straffälligen nach einer saftigen Haftstrafe, da leben sie dann in einem streng muslimischen Land und müssen uns nicht mehr behelligen und reinlassen würde ich auch keine mehr. Manchmal, da würde ich mir wünschen, Trumps Corona-Erkrankung wäre doch härter verlaufen…

Ihr merkt es schon, das ist Polemik, das sind unreife Worte, geboren aus der Sehnsucht nach Ordnung und Sicherheit – also das, womit konservative Parteien in der Regel ihre Wähler fangen. Das bedeutet im Umkehrschluss: eine freie, bunte, demokratische Gesellschaft ist und bleibt anstrengend. Egal, wie komplex und vielfältig die Herausforderungen für die Regierungen sind, sie dürfen den komplizierten, Meinung bildenden Prozess nicht abschaffen und wir dürfen das liberale Fundament nicht zerstören. Die kommenden Lockdown-Beschränkungen sind wieder ein massiver Einschnitt in unsere Rechte. Ich sehe das mit Sorge. Aber ich glaube, dass die Maßnahmen so viel wie nötig und so wenig wie möglich unsere Rechte einschränken und vor allem so kurz wie es eben geht. Man muss das trotzdem beobachten. Die Gesundheit der Bevölkerung und die Zahl der Intensivbetten dürfen nicht gegen unsere Freiheitsrechte ausgespielt werden.

Und Amerika? Das Land der Freiheit? Tja, die Amerikaner haben die Freiheit sich wieder einen äußerst gefährlichen Dummkopf an die Spitze ihrer Regierung zu wählen. Meine persönliche Befürchtung und Vermutung ist, dass er wiedergewählt wird. Obwohl ich es wirklich, wirklich nicht verstehen kann…

Das schöne an so lauschigen Orten wie dem Chiemsee ist für mich, dass ich da gar nicht in Berührung mit den Ereignissen des Weltgeschehens komme. Ich schalte dort vollkommen ab und erlaube mir eine gewisse Weltflucht. In der Stadt, im normalen Alltag gelingt mir das weniger gut und so kommt mein kleiner, in mir wohnender Tyrann immer wieder mal zum Vorschein. Ich kann über ihn lachen, worüber ich nicht lachen kann, sind die Geschehnisse selbst. Ein guter Freund von mir, der weltgeschichtlich sehr bewandert ist, ist hartnäckig der Ansicht, dass die Menschheit nichts, aber auch gar nichts dazu gelernt hat. Ich bin da optimistischer und glaube schon daran, dass sich die Menschheit weiter entwickelt. Ich hab die Hoffnung noch nicht verloren!

Und so werde ich die nächsten Tage und Wochen die Nachrichten weiter verfolgen und wer weiß, vieleicht ist ja die ein oder andere positive Überraschung dabei.

Nun wünsche ich Euch schonmal ein schönes Wochenende, bleibt munter und gesund!

Eure Merle

Satz mit X…

Puuuhhh, was für eine Aktion… Ich bin noch ganz verdattert von dieser schweißtreibenden Angelegenheit. Aber der Reihe nach. Heute um 10:00 Uhr hatte ich den Besichtigungstermin für eine Sozialwohnung. Natürlich bereite ich mich auf so etwas vor und habe genau in Google nachgesehen, wo ich hin muss und wie lange das dauert. Google veranschlagt für den Weg eine halbe Stunde, also bin ich eine Stunde früher aus dem Haus, um nur ja nicht zu spät zu kommen und um gegebenenfalls noch Zeit zu haben, das Viertel ein bißchen zu erkunden. An der U-Bahn angekommen fährt auch gleich die richtige U-Bahn ein, ich bin erleichtert, habe viel Zeit. Auf der Hälfte der Strecke klingelt mein Handy. Unbekannte Nummer. Ich bin sicher, es ist die Dame, mit der ich gleich den Termin habe. Bingo, sie ist es! Aber sie will doch nicht absagen sondern erkundigt sich, wann wir denn den Termin ausgemacht hätten. Aha. Ich teile ihr mit, dass wir uns um 10:00 Uhr treffen und bin ein wenig eingeschüchtert. Sie klang nicht so nett, aber was solls, Hauptsache sie kommt. Allerdings stelle ich fest, dass mein überaus gutes Gefühl von gestern wie weggeblasen ist. Ich bin schrecklich nervös und aufgeregt und mir schwant nichts Gutes.

Mir war klar, dass ich von der Ziel-U-Bahnstation ein Stückchen würde laufen müssen, hatte mir aber den Plan sehr genau eingeprägt, dachte ich. Nachdem ich das erste Stück Weg hinter mich gebracht hatte, fand ich, es müsse jetzt mal langsam die Straße zum abbiegen kommen… sie kam und kam nicht. Ich wurde nervös, blickte auf die Uhr, ah, noch viel Zeit. Also stapfe ich weiter und endlich kommt die Straße, die ich, wie ich meinte, links abbiegen müsse. Ich laufe und laufe und frage irgendwann eine Passantin, ob sie den O.-Weg kennt. Sie verneint, ist aber extrem freundlich und guckt gleich auf ihr Handy. Das hätte ich natürlich auch tun können, doch sie ist so schnell und ich schon so nervös, dass ich diese Freundlichkeit gern annehme. Was ich schließlich auf dem Display sehe, lässt mich vor Schreck die Luft anhalten. Ich bin vollkommen falsch, ich muss in die entgegengesetzte Richtung und das Netz der Wege, die ich gehen müsste, ist extrem verwirrend. Ich bedanke mich bei der netten Dame und kehre schnurstracks um. Doch ich gehe nicht Richtung Irrgarten sondern zurück zur großen Straße, wo ich zuletzt abgebogen bin und hoffe inzwischen auf ein Taxi. Ich bin jetzt so durch den Wind, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann, geschweige denn auf eine Karte gucken und den richtigen Weg finden. Doch natürlich kommt kein Taxi wenn man es braucht und kurz vor der totalen Verzweiflung fällt mir ein, dass ich ja ein Taxi rufen kann. Also strapse ich schnell zur nahen Bushaltestelle, um einen erkennbaren Standpunkt zu haben und rufe bei der Taxizentrale an. Glücklicher Weise ist der nächste Taxistand nicht weit weg und in 4 Minuten ist das Auto da. Es ist inzwischen 9:48 Uhr und ich zittere vor lauter Anspannung. Ich habe wieder Glück, denn der Fahrer ist ausgesprochen höflich und nicht verärgert, als sich heraus stellt, dass der O.-Weg nicht weit weg ist. Ich erkläre ihm, dass ich einen Besichtigungstermin für eine Wohnung habe und er wird gleich noch freundlicher und wünscht mir viel Glück. Eines muss ich sagen: die Fahrt war nicht lang aber es war tatsächlich ein labyrinthartiger Weg bis zu dem Haus, den ich alleine nie gefunden hätte.

Als ich schließlich vor der richtigen Hausnummer stehe, ist es 9:58 Uhr. Ich bin vollkommen durchgeschwitzt, entnervt und verunsichert. Soll ich schon ins Haus? Die Frage erledigt sich, denn die Tür ist verschlossen. Ein paar Minuten nach 10:00 Uhr kommt eine sehr junge Frau auf mich zu, die mich damit begrüßt, dass wir Masken tragen müssen. Natürlich, kein Problem, also Maske auf. Im Haus geht sie im ersten Stock auf eine Wohnung zu und ich sage verwundert, dass ich mich für eine Wohnung im zweiten OG rechts beworben hätte. Ach ja, Entschuldigung, natürlich, also noch eins hoch und wir sind da. Das Haus macht einen recht netten, ruhigen Eindruck, ist in einer angenehmen Siedlung, soweit ich das sehen konnte und liegt sehr grün. Das gefällt mir an sich sehr gut. Doch als die Dame die Wohnungstür aufschließt und ich einen ersten Blick hinein werfe, sinkt mir schon das Herz in die Hose. Der Flur ist eng und dunkel. Es ist eine Mansardenwohnung, was im Exposé nicht vermerkt ist. Allerdings hatte mich eine Freundin anhand des Grundrisses schon gewarnt, dass das sein könnte. Ich war also darauf gefasst, dass es Dachschrägen gibt, aber nicht, dass es praktisch außer im Flur keine einzige gerade Wand gibt. Der Flur ist zu schmal, um dort Regale aufzustellen. Der im Grundriss eingezeichnete Abstellraum ist eine kleine Nische, aber das schlimmste ist tatsächlich das Schlafzimmer, welches so klein und durch die Schräge so beengt ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, darin zu schlafen. Ich würde Platzangst bekommen, ohne Zweifel. Nachdem ich die ganze Wohnung begutachtet habe wird klar, dass ich die Hälfte meiner Möbel gar nicht unterbringen würde… und so viel kleiner an Quadratmetern als meine jetzige ist sie nicht. Aber ich verstehe jetzt, warum die Wohnung schon seit August zu vermieten ist. Ich war mir nicht sicher gewesen, ob das ein Irrtum im Exposé war, aber das war es offensichtlich nicht.

Die Frau von der Wohnungsgesellschaft betrachtet mich stumm und ich frage mich fieberhaft, ob ich ihr jetzt meine Unterlagen geben soll. Vielleicht überlege ich es mir ja doch noch? Schön wäre an einer Dachwohnung, dass keiner über mir wohnt, das hätte schon was. Aber ich blicke mich nochmal um und werde plötzlich klaustrophobisch. Dann erklärt mir die Dame auch schon, dass ich alle Unterlagen bei Interesse bitte an ihre Email-Adresse schicke, sie nehmen gerade keine Papierunterlagen an und sie will auch keine meiner Dokumente sehen. Ich säufze erleichtert auf und nicke. Der Vollständigkeit halber frage ich noch meine Fragen bzgl. Haustieren, Katzennetz und Einzugsdatum, aber innerlich habe ich mich schon verabschiedet.

Völlig benebelt vor Stress und gleichzeitiger Erleichterung, dass der Termin vorbei ist, tapere ich durch das Viertel und lande irgendwann tatsächlich an einer Bushaltestelle, von wo aus Busse zur U-Bahn fahren. Wenigstens etwas. Ich bin traurig, enttäuscht aber es fällt mir auch eine Last vom Herzen: die Wohnung wäre ab sofort zu mieten gewesen und ich habe eine 3-monatige Kündigungsfrist. Es ist trotz Nachfragen bei meiner Hausverwaltung unklar, ob mich der Eigentümer früher aus dem Vertrag lässt. Was zwar angesichts der sofortigen Belegung mit Arbeitern aller frei werdenden Wohnungen in unserem Haus eine Frechheit ist, aber man hat mir sinniger Weise mitgeteilt, dass ich als Mieterin damit zu rechnen habe, mehrere Monate doppelte Miete zu zahlen. Nett, nicht wahr?

Wieder zu Hause angekommen setze ich mich sofort an den Computer und schaue mir auf Google nochmal den Weg an – und stelle fest, dass ich falsch abgebogen bin. Die Straße macht eine Kurve und anstatt ihr links zu folgen hätte ich ihr rechts folgen sollen. Tja. Allerdings glaube ich immer noch, dass ich das Labyrinth der kleinen Wege nicht bis zur richtigen Adresse durchdrungen hätte. Insofern war das mit dem Taxi schon eine gute Idee.

Ich will ehrlich sein, das war nix, für heute ist die Luft bei mir raus. Aber ich habe mich für zwei weitere Sozialwohnungen beworben und bin guter Dinge, dass ich da ebenfalls wieder eine Einladung zur Besichtigung erhalte. Es wäre auch zu schön gewesen um wahr zu sein, wenn ich nach gut zwei Wochen Wohnungssuche schon einen Treffer gelandet hätte. Diese Wohnung war es nicht, dann wird es eben eine andere! Es bleibt also spannend. Und vielleicht bleibt mir so auch ein Umzug während des Lockdowns erspart. Wenn ich richtig informiert bin, hätte das nämlich bedeutet, dass ich eine Umzugsfirma hätte engagieren müssen…es ist also alles zu etwas gut.

Und damit verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch noch einen schönen Tag! Ich ziehe mich jetzt mit meiner Katze auf dem Schoß auf mein Sofa zurück und verdaue die Ereignisse des heutigen Tages…

Herzlich, Eure Merle

Jawoll!

Ihr lieben Daumendrücker, seid herzlich bedankt und gegrüßt…! Ich habe morgen Vormittag einen Besichtigungstermin „meiner“ neuen (Sozial-) Wohnung und das Schärfste ist: ich habe den Termin alleine, weil sich sonst noch kein anderer Mitbewerber gemeldet hat! Ich bin völlig aufgedreht und aufgeregt und sowas von gut gelaunt 😀

Natürlich weiß ich, dass es noch böse Überraschungen geben kann, wer weiß, wie die Wohnung live aussieht und ob mich die Dame, die den Termin abhält, sympathisch findet… vielleicht hat sie ja ganz fürchterlich was gegen tätowierte Leute… Aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich ein saugutes Gefühl! Nicht zuletzt, weil ich eine richtig schön ordentliche Bewerbungsmappe zusammen gestellt habe, mit allen gewünschten Papieren in Original und Kopie und zusätzlich eine Schufa-Auskunft und Mietzahlungsbestätigung. Also, wenn das nicht überzeugt, weiß ich auch nicht…

Also, morgen um 10:00 Uhr dürfen alle, die nix besseres zu tun haben, nochmal Daumen drücken oder die großen Zehen…

Und natürlich werde ich weiter Bericht erstatten… 🙂

Bis morgen also und einen schönen Abend Euch!

Eure Merle

Ein paar Worte über Neid

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Es passieren interessante Dinge dieser Tage in meinem Umfeld. Seitdem ich aktiv geworden bin um mir einige meiner Wünsche zu erfüllen – oberste Priorität neue Wohnung und Hund, meine Leser*innen wissen das schon – schlagen mir bisweilen sehr seltsame Reaktionen entgegen. Innerhalb weniger Tage wurde ich jetzt zwei Mal mit derart offensichtlichem Neid konfrontiert, dass mir fast die Spucke wegbleibt. Und dabei ist noch keines meiner Vorhaben realisiert worden, nein, aber ich bin mit großem Eifer und Optimismus bei der Sache und schon allein das bringt manche Gemüter offenbar gegen mich auf.

„Das mit dem Hund, das schaffst Du nicht, Du wirst Dich noch wundern, wie nervig das ist. Nimm Dir doch lieber einen Chow Chow…“ Jeder, der sich mit Hunden auskennt, weiß, dass ein Chow Chow von einem Vizsla so weit entfernt ist wie ein alter Opel von einem neuen Sportwagen. Es folgten jedenfalls noch mehrere andere, irrsinnige Vorschläge und das ganze war garniert mit einem süffisant-herablassenden Lächeln, so dass ich mich in dem Moment wirklich gefragt habe, ob ich den Menschen kenne, der da sitzt und so mit mir redet. Ich habe mich zunächst davon nicht aus der Ruhe bringen lassen und habe gelacht, aber als die Person weg war, wurde ich ziemlich wütend und deprimiert… bis mir eingefallen ist, dass eben jener Mensch mir vor gar nicht allzu langer Zeit erzählt hat, dass er selbst gern wieder einen Hund in seinem Leben hätte undzwar auch einen Jagdhund. Und plötzlich habe ich die Reaktion verstanden. Meine Wut verflog, aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt, wenn ein Freund so nickelig ist und sich nicht für mich freuen kann.

Der andere Neidnagel, der sich seinen Weg in meine Eingeweide suchte, betraf meine grundsätzlich optimistische Haltung was meine Suche nach einer sozial geförderten Wohnung angeht. Wie ich denn davon ausgehen könne, so eine Wohnung zu bekommen. Warum ich überhaupt Anspruch auf so eine Wohnung hätte. Ähhhm, weil ich im Lotto gewonnen habe?! Leider kamen diese in einem sehr vielsagenden Ton ausgespuckten Fragen in einer Runde von Frauen, von denen ich bisher dachte, wir seien uns alle wohlgesonnen. Tja, so kann man sich täuschen. Der Neid schaffte es nicht bis in meine Galle, ich hab ihn vorher weggeatmet, aber ein wenig enttäuscht bin ich schon.

Doch mein Vertrauen und meinen Optimismus lasse ich mir nicht nehmen! Ich bin, wie im vorletzten Beitrag schon beschrieben, davon überzeugt und habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir mein Leben am besten kreiere, wenn ich vertrauensvoll meine Entscheidungen treffe und loslasse. Ich bin übrigens niemand, der Affirmationen vor sich her sagt und ich habe auch keine Post-its am Spiegel, auf denen steht, dass ich toll bin und alles gut wird. Ich entscheide mich für Vertrauen und Optimismus und gehe davon aus, dass sich ergeben wird, was für mich gut ist. Dass das im Moment so gut klappt mit dem Vertrauen, davon bin ich selbst einigermaßen überrascht aber hey, soll ich mich jetzt beschweren? Nein, wir erschaffen uns zu einem Großteil selbst unsere Realität und wem ich zu positiv gestimmt bin, der hat höchst wahrscheinlich mit sich selbst ein Problem. Ich habe so viele Hochs und Tiefs in meinem Leben erlebt, dass ich weiß, wie schnell sich alles ändern kann – soll ich deshalb die Hochs nicht genießen?

Es sollte mich nicht erstaunen, dass es Neider gibt, wenn man sich und sein Leben zum besseren hin entwickelt. Einer meiner spirituellen Lehrer hat mir dies schon vor Jahren gesagt: Wer anfängt, sich auf den Weg zu sich selbst zu machen und sich vom Leben nimmt, was es alles Schönes und Gutes zu bieten hat, der wird über kurz oder lang feststellen, wer die wirklichen Freunde sind. Die freuen sich mit mir, drücken mir die Daumen und lachen mit mir über meine überbordende Begeisterung. Und sollte ich doch keine Sozialwohnung bekommen, werden sie nicht grinsend dastehen und sagen: „hab ich doch gleich gesagt“ sondern mir Mut machen und Trost spenden. Aber so weit wirds ja eh nicht kommen! 😀

Neid ist ein fieses Gefühl, weil es so unmittelbar beim Gegenüber ankommt. Ich kann mich im ersten Moment gar nicht dagegen wehren sondern spüre direkt den damit intendierten Pfeil, der sich festhakt und flüstert: „Du bist falsch, mit Dir stimmt was nicht, glaub ja nicht, dass Dir das zusteht…“ Immerhin lässt der Pfeil mich los, sobald ich verstanden habe, worum es eigentlich geht und ich kann einigermaßen drüber stehen… aber schade find ichs doch.

Aber nur kurz, denn meine Freude an den anstehenden Veränderungen ist ungebrochen und ich bin ganz kribbelig vor lauter Adrenalin. Und weil es so schön ist, gibt’s heute einen Cliffhanger: morgen erfahre ich, ob ich einen Besichtigungstermin für „meine“ Wohnung bekomme… ich werde berichten!

Euch wünsche ich noch einen schönen Abend und viel Freude an dem, was ihr gerade tut!

Eure Merle

Über Verantwortung

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Wieder mal ein großes Thema, zu dem ich mehr Fragen als Antworten habe… da ich mir auf theoretischer Ebene bisher nicht so viel Gedanken darüber gemacht habe und damit klar ist, worum es geht, hier die Eingangsdefinition von Wikipedia:

Verantwortung ist im Allgemeinen die (freiwillige) Übernahme der Verpflichtung, für die möglichen Folgen einer Handlung einzustehen und gegebenenfalls dafür Rechenschaft abzulegen oder Strafen zu akzeptieren. Sie setzt Verantwortungsgefühl und -bewusstsein, ein Gewissen sowie die Kenntnis der Wertvorstellungen sowie der rechtlichen Vorschriften und sozialen Normen voraus. (Eintrag Wikipedia vom 26.10.20)

Mir ist heute aufgefallen, dass ich mir eigentlich noch nie in meinem Leben bewusst gesagt habe, dass ich für dieses oder jenes die Verantwortung übernehme. Ich bin mir aber immer sehr meiner Verpflichtungen bewusst. Als Mieterin, früher als Berufstätige in meinem Arbeitsgebiet, als Freundin, als Verkehrsteilnehmerin, als Mitbürgerin in Zeiten von Corona… Ich glaube, dass wir alle sehr oft Verantwortung übernehmen, ohne uns immer die Folgen einer Handlung bewusst zu machen. Ich weiß noch, dass ich in meinem Beruf sehr oft Dinge unterschrieben oder Prozesse angestoßen habe, ohne alle möglichen Konsequenzen zu kennen, das war einfach gar nicht möglich – trotzdem habe ich die Dinge getan, die ich für richtig und notwendig hielt. Ich weiß auch noch, dass ich mir damals oft gesagt habe, dass ich das im Notfall gut rechtfertigen kann, aber oft wusste ich wie gesagt nicht, was auf mich zukommen könnte. Ich habe also Verantwortung übernommen, um handlungsfähig zu sein und bin damit oft ein Risiko eingegangen.

Als junger Mensch, der noch zu Hause gewohnt hat, habe ich mir oft die Frage gestellt, wie das die Erwachsenen machen, mit all den Verpflichtungen und Zwängen. Am meisten besorgte mich immer der Gedanke, dass man immer genügend Geld für die Miete einer Wohnung haben muss. Ich hab mich dann immer gewundert, woher man denn wissen soll, dass man immer ausreichend finanzielle Mittel für sein Leben haben wird. Schließlich kann man seinen Job ja verlieren. Wie kann man denn da einen Mietvertrag unterschreiben? Und woher wussten eigentlich Erwachsene immer, was für Kinder gut ist? Und wie, bitte schön, trifft man Entscheidungen, wenn man gar nicht wissen kann, was so eine Entscheidung alles auslösen kann? Ich muss mich korrigieren, ich habe schon früh über Verantwortung nachgedacht, ich wusste nur nicht, dass das so heißt.

Heute, ca. 35 Jahre später, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Verantwortung übernehmen ganz oft Entscheidungen beinhaltet, deren Konsequenzen wir eben nicht überblicken können. Verantwortung tragen ist immer ein Risiko. Allerdings eines, das ich gerne eingehe, wenn es nur um mich selber geht. Wenn ich mit negativen Folgen rechnen muss, ist das in Ordnung. Gar nicht vorstellen könnte ich mir, für Kinder die Verantwortung zu übernehmen. Die Gefahr, bei der Fürsorge für kleine Menschen grobe Fehler zu begehen, wäre mir immer zu groß gewesen. Deshalb habe ich keine Kinder.

Mit dem Weitwinkel betrachtet, ist eigentlich das ganze Leben eine Reihe von Entscheidungen und Handlungen, deren Konsquenzen wir nicht ganz überblicken können und das Risiko, einen Griff ins Klo zu landen, doch enorm groß. So gesehen ist es eigentlich erstaunlich, wie wenig in meinem Leben bisher schief gelaufen ist. Aber es gibt natürlich auch Dinge, die recht gut überschaubar sind und trotzdem treffen wir verkehrte Entscheidungen. Zum Beispiel die Tatsache, dass ich Raucherin bin, das ist ja eine Entscheidung und obwohl ich die negativen Konsequenzen kenne, bleibe ich dabei. Ich trage Verantwortung für meine Gesundheit und kann das nichtmal gut rechtfertigen… und ein Stück weit stehle ich mich hier aus der Verantwortung, weil ich natürlich überzeugt davon bin, dass mich der Krebs nie treffen wird… Die Bereitschaft, die negativen Folgen zu tragen, ist hier eher gering ausgeprägt.

Allerdings, was wissen wir denn schon über die Zukunft? Wie wollen wir all die Handlungsstränge und Potentiale verfolgen und die jeweiligen Ergebnisse kontrollieren? Das können wir nicht! Ja, das ist irgendwie schade aber auch irgendwie gut, wir wären ja sonst nur noch mit Kontrolle beschäftigt. Loslassen ist das Zauberwort. Und damit komme ich zum aktuellen Thema, das mich überhaupt erst auf das heutige Thema gebracht hat: ich möchte einen Hund. Nicht irgendeinen Hund, sondern einen Magyar Vizsla. Das ist ein Jagdhund, der sehr aktiv ist und der gut beschäftigt werden will. In der Tat ist es so, dass viele Züchter den Hund nur an Jäger abgeben, damit „sicher gestellt ist“, dass das Tier auch ordentlich was zu arbeiten hat. Als ich angefangen habe, mir Rasseprofile des Vizslas anzusehen, war ich noch vollkommen überzeugt, dass das der richtige Hund für mich ist. Ich möchte einen Hund, der mich fordert, mit dem ich drei Stunden täglich oder mehr draußen bin und mit dem ich Hundesport machen kann. Ich habe viel Zeit und stelle es mir sogar schön vor, mit meinem caninen Kumpel durch Regen zu stapfen und stelle es mir herrlich vor, durch den Schnee mit ihr zu laufen. So weit, so gut. Ich glaubte zu wissen, was es bedeutet, Verantwortung für ein Haustier zu übernehmen, immerhin habe ich Katzen bzw. jetzt noch eine Katze und Dinge wie Tierarztkosten, eine Person, die im Notfall für ein paar Tage die Pflege übernehmen kann, zerstörte Gegenstände oder ein Malheur auf dem Wohnzimmerboden – alles keine Fremdworte für mich. Auch die Vergesellschaftung zweier felliger Individuen gehört zu meinem Erfahrungsschatz. Damals war ich mir meiner Verantwortung sehr bewusst und habe meine zweite Katze extra von jemandem zu mir geholt, der sie zurück genommen hätte, falls Frodo und die kleine Fee nicht miteinander ausgekommen wären. Dem Himmel sei Dank, lief das damals aber perfekt. Für mein Hundeprojekt macht mir Mut, dass ich vor einigen Jahren einen jungen Vizsla für ein paar Wochen bei mir hatte, mit dem sich meine Fee sehr gut verstanden hat, sie lag mit ihm sogar nachts im Korb…

Ich bin also der Meinung, sehr verantwortlich vorzugehen, alle wichtigen Dinge zu beachten und mich rundum zu informieren (zwei Bücher über Vizslas hab ich auch schon gelesen) – und doch bin ich total verunsichert, seitdem mir klar geworden ist, dass ich keine Garantie dafür habe, dass ich dem neuen Mitbewohner gewachsen sein werde. Ich kann mich noch so viel einlesen, mit anderen Hundehaltern sprechen, ich kann meinen Patenhund für ein paar Tage zu mir holen und gucken wie das ist – ich werde nicht wissen, wie es wirklich ist, wenn so ein Welpe dann da ist und wirklich zu mir gehört und meine Aufmerksamkeit braucht. Konsequente Hundeerziehung, alle zwei Stunden raus zum Pinkeln, zerkaute Schuhe, vier mal am Tag spazieren gehen… kann ich das wirklich und für bis zu 15 Jahre? OK, der Teil mit alle zwei Stunden raus betrifft ja nur die ersten Wochen, aber der Rest bleibt. Stelle ich mir das nur schön vor? Ist das dann auch schön, wenn es real wird? Und hier würde ich ja nun auch die Verantwortung für ein kleines Lebewesen übernehmen, ein Tier, für das es nach meiner Einschätzung schlimmer wäre als für eine Katze, wenn es nach ein paar Wochen oder Monaten wieder abgegeben würde.

Und deshalb stelle ich mir die Frage, ob ich verantwortungslos handle, wenn ich mir einen Hund hole, ohne 100% sicher zu sein? Aber kann man das überhaupt? Gibt es nicht immer ein Restrisiko, genannt Leben? Es fängt ja schon damit an, dass ich nicht weiß, welches fellnasige Individuum da in mein Heim kommen würde, jeder Hund ist anders! Ich habe außerdem keine große Erfahrung in Hundeerziehung, also weiß ich nicht, ob ich souverän genug bin. Wie gesagt, vorstellen kann ich mir das alles sehr gut, aber das ist eben noch nicht die Realität. Ich gehe also ein Risiko ein, wenn ich den Schritt tatsächlich wage und das Risiko betrifft nicht nur mich, sondern auch den Vierbeiner und das macht es mir richtig schwer. Ginge es nur um mich, wär das in Ordnung, aber so…

Verantwortung zu übernehmen ist bei Leibe nicht immer leicht. Im Gegenteil, je mehr uns das Ausmaß der Konsequenzen einer Entscheidung bewusst wird, umso abschreckender kann es werden. Ich finde es dennoch gut, dass ich mir so viele Gedanken über das Thema Hund mache, schließlich geht es hier wirklich um was. Trotzdem glaube ich auch, dass ich ein wenig loslassen und mich auf ein Abenteuer einlassen muss. Ohne eine gewisse Risikobereitschaft wird es nicht gehen, denn es gibt zu viele Aspekte, die ich einfach nicht vorhersehen kann. Insofern ist wohl die richtige Balance zwischen Planung und Entdeckerfreude gefragt… ich hoffe sehr, dass mich mein Mut nicht verlässt!

Falls es übrigens unter meinen Leser*innen Hundehalter gibt, die ihre Erfahrung über die Zeit vor und/oder nach der Anschaffung teilen möchten, würde ich mich sehr freuen!

Damit wünsche ich Euch eine schöne Woche und bleibt gesund!

Eure Merle

Vertrauen – Notwendigkeit oder Luxus?

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„Der Glaube ist ein großes Gefühl von Sicherheit für die Gegenwart und die Zukunft, und diese Sicherheit entspringt aus dem Vertrauen, auf ein übergroßes, übermächtiges, unerforschliches Wesen. Auf die Unerschütterlichkeit dieses Glaubens kommt alles an.“  J.W. von Goethe, aus Dichtung und Wahrheit, 3. Teil, 14. Buch.

Ich beantworte die Frage im Titel gleich am Anfang: Vertrauen ist, wenn ich einigermaßen ungezwungen Leben möchte, ein Muss. Ich denke, Goethe hat Recht mit der Unerschütterlichkeit des Glaubens, auf die alles ankommt. Ich habe, vor etwas über einem Jahr meine ich, schonmal über Vertrauen geschrieben, aber da ging es mehr um das Vertrauen zwischen den Menschen. Heute möchte ich über das Vertrauen in das Leben bzw. in ein übergeordnetes Prinzip oder Wesen schreiben. Wie wir dabei das „Wesen“ nennen, ist vollkommen egal. Die einen mögen „Gott“ sagen, die anderen „Schicksal“, wieder andere das „Unerklärliche“ oder „Allah“ oder „Adonai“… Andere mögen es einfach Glück nennen. Ich persönlich habe mich – mangels besserer Alternativen – für das All-Eins oder auch das Unbenennbare entschieden. Es geht also um das Vertrauen, dass sich die Dinge des Lebens zu meinen Gunsten ergeben, dass das, was ich mir in meinem Leben für mich erschaffen möchte, auch so eintritt. Es geht um den Glauben, dass ich – auf eine schwer mit Worten beschreibbare Art und Weise – aufgehoben bin und das Glück mir hold ist, um eine antiquierte Ausdrucksweise zu bemühen.

Wieso ich gerade jetzt drauf komme? Nun, ich suche ja derzeit nach einer neuen Wohnung und obwohl ich noch keinen Erfolg vermelden kann – was nach nicht ganz zwei Wochen Suche auch nicht erstaunlich ist – habe ich bzw. haben einige Anteile von mir, ein sehr großes Vertrauen, dass das klappen wird und ich eine schöne, bezahlbare Wohnung finden werde. In Zeiten, in denen das eigentlich unmöglich erscheint und in der der Mietmarkt ein Ort der utopischen Mietpreise und Scharen verzweifelter Sucher ist. Aber ich kann nicht umhin, ich sehe mich schon in meiner tollen, neuen Wohnung! Nun muss ich dazu sagen, dass ich bei meinen bisherigen Wohnungssuchen (nur vier an der Zahl) immer großes Glück hatte. Ich habe bei jedem Umzug, obwohl in Städten mit besagter Mieternot, schnell und unkompliziert ein schönes neues Zuhause gefunden. Wobei, vielleicht war es eben mehr als Glück, vielleicht hat mich etwas behütet, vielleicht gab es da eine Kraft, ein Wesen, dass mich in meiner Suche geleitet hat? Jetzt könnte man auch sagen: Spinnerin, das war der Makler! Ja, aber nur in einem Fall und auch den richtigen muss man ja erstmal finden :-)!

Was die Suche nach einem neuen Heim angeht, scheine ich jedenfalls ein glückliches Händchen zu haben und das ist insofern erstaunlich, weil das Thema „Heim“, ich verwende absichtlich dieses heimelige Wort, mein größtes Angstthema ist. Ohne einen eigenen Raum, eine eigene Schutzzone, fühlen wir uns ausgeliefert und schutzlos, kein Zuhause zu haben ist eine katastrophale Vorstellung, das macht eine Heidenangst! Während also ein Teil von mir total hippelig und ungeduldig auf die Benennung durch das Wohnungsamt für eine Wohnung wartet, chillt der andere Teil lässig vor sich hin und weiß, ich werde rechtzeitig eine neue Wohnung bekommen. Kein Grund zur Sorge!

Dieser Teil der vertraut, hat tatsächlich einen unerschütterlichen Glauben daran, dass das Notwendige eintreten wird. Dass ich nicht auf der Straße landen werde (und ja, ich kenne Menschen, die tatsächlich in einer Unterkunft gelandet sind, weil sie keine zahlbare Wohnung gefunden haben!) und dass mein neues Zuhause ein gemütliches, hübsches sein wird. Andererseits ist es natürlich so, dass meine trotzdem vorhandenen Ängste dazu führen, dass ich sehr intensiv suche und man könnte sagen, das alleine garantiert ja schon ein happy end. Wirklich? Ich glaube, da gäbe es viele Wohnungssuchende, die dem widersprechen würden! Und da komme ich wieder auf das Zitat von Goethe zurück: die Unterschütterlichkeit des Glaubens, auf die alles ankommt! Ich bin tatsächlich davon überzeugt, dass Vertrauen dabei hilft, ein Ziel zu erreichen. Auch bei Dingen, die scheinbar den Gesetzen einer Lotterie unterliegen. Sicher hilft auch das vertrauensvolle Auftreten beim potentiellen zukünftigen Vermieter, dennoch glaube ich, dass der Entwicklung zukünftiger Potentiale der Boden bereitet wird, wenn wir darauf vertrauen, dass sie eintreten.

Insofern ist Vertrauen in der Tat kein Luxus sondern eine Notwendigkeit. Ohne Vertrauen müssten wir ständig kontrollieren, Macht ausüben, agieren, ja, „Gewalt“ anwenden in dem Sinne, dass wir die Dinge versuchen zu erzwingen. Das jedoch funktioniert nach meiner Erfahrung nicht. Hilft es, gut organisiert und aktiv zu sein? Aber sicher! Wobei ich zugeben muss, dass ich den Verdacht habe, es würde schon reichen, eine Entscheidung zu treffen und dann informiert zu bleiben. Ob mein aus der Angst geborener Aktionismus wirklich notwendig ist, da bin ich mir nicht sicher. Allerdings habe ich nicht den Mut, nicht aktiv zu suchen, den Beweis bleibe ich mir also schuldig.

Die geneigte Leserin denkt sich jetzt wahrscheinlich: ja, wie denn nun, Vertrauen oder Angst? Chillen oder Aktionismus? Nun, jetzt kommt der entscheidende Satz des Beitrags: es ist eine Entscheidung! Ausschließliches Vertrauen ohne Zweifel ist wohl nur wenigen in die Wiege gelegt. Die meisten Menschen, so mein Eindruck, haben beides in sich: Vertrauen, ja Glaube einerseits und Ängste und Zweifel andererseits. Letztere in den Boden zu stampfen ist leider in der Regel nicht möglich. Ich kann versuchen, diesen destruktiven Stimmen den Mund zu verbieten, ich kann das negative Gelaber leiser stellen wie ein Radio, ich werde sie aber meistens nicht einfach los. Also entscheide ich mich immer wieder aufs Neue für Vertrauen. Ich kultiviere den Glauben an den guten Ausgang und pflege dem Zweifel gegenüber Mitgefühl und Achtsamkeit. (Da ist es wieder, das A-Wort…!) Ist das mitunter verdammt anstrengend? Aber ja! Doch ich bin mir sicher, dass es sich lohnt, das bisweilen zarte Pflänzchen Vertrauen zu hegen und zu pflegen und sozusagen das mentale Unkraut zu jähten.

Ich gebe zu, auch in mir regt sich gerade die Stimme, die sagt: „na, lass uns mal nächste Woche abwarten… wir sprechen uns noch!“ Und gleichzeitig spüre ich dieses warme, angenehme Gefühl, dass da sagt: „Das läuft, es wird sich alles rechtzeitig ergeben… .“ Und weil ich die Freiheit der Wahl habe, entscheide ich mich, der vertrauensvollen Stimme zu glauben und bin dankbar, dass ich sie hören kann.

In jedem Fall werde ich über den weiteren Verlauf berichten und bin schon sehr gespannt, was die nächsten Wochen so bringen… 😉

Euch wünsche ich ein schönes Wochenende und verbleibe herzlich,

Eure Merle

In Wartestellung…

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Nun habe ich mich auf drei sozial geförderte Wohnungen beworben und warte sehnsüchtig auf Antwort vom Wohnungsamt, ob ich in die engere Wahl komme. Es ist eine Wohnung dabei, die von Lage, Schnitt und Ausstattung her ein Traum wäre. Sie liegt noch im U-Bahn-Bereich, hat zwei Zimmer und einen Balkon! Außerdem liegt sie im Grünen und kostet nicht so viel – ich müsste nicht mehr jeden Cent sondern nur noch jeden Euro umdrehen… Drückt mir die Daumen, dass ich zu den Auserwählten gehöre, die einen Besichtigungstermin bekommen! Die anderen beiden Wohnungen wären große Kompromisse, da recht weit draußen gelegen dafür aber teuer und entweder an einer großen Straße oder aber in einem reinen Sozialwohnungsghetto am Popo der Welt. In beiden Fällen wären der öffentliche Nahverkehr und auch Einkaufsmöglichkeiten jeweils lange Spaziergänge entfernt. Zuerst dachte ich: stell Dich nicht so an, sei froh, wenn Du überhaupt eine Sozialwohnung bekommst! Aber ehrlich gesagt bin ich noch nicht soooo verzweifelt, dass ich da gleich zusagen würde… noch habe ich Zeit, nach etwas zu suchen, dass nicht ganz so weit von meinen Wünschen entfernt ist. Aber das Waaaaaarten nervt mich ungemein… Ich hab doch keine Geduld, hatte ich noch nie.

Weil ich also irgendwie die Zeit rumkriegen muss, habe ich heute mal großzügig im Internet gesurft und bin auf GMX auf einen Link zu „Fotos aus aller Welt“ gestoßen… Wen die zwischendrin auftauchende Werbung nicht stört, der kann hier wunderbare, teils farbenfrohe, teils wundersame, teils erschütternde Bilder ansehen:

https://web.de/magazine/panorama/besten-bilder-welt-aufnahmen-32210390

Und dann habe ich heute morgen – entgegen jeglicher Vernunft – einen Züchter für Magyar Vizsla-Hunde kontaktiert. Es ist viel zu früh, ich muss erst umziehen, es muss meiner Katze erst wieder besser gehen und überhaupt will ich ja nicht in den kommenden Wintermonaten einen Welpen zu mir holen… Aber ich wollte mal in Erfahrung bringen, ob ich als in der Stadt wohnende überhaupt einen Welpen aus einer Zucht bekommen würde. Habe deshalb auch ein wenig über mich geschrieben, dass ich nicht berufstätig bin, dass ich in der Stadt aber nah am Grün und am Wasser wohne… Tja, was soll ich sagen, ich würde zumindest von dieser Zucht, die mir sehr gefallen hat, keinen Hund bekommen, meine Wohnung wäre mit 49m² zu klein, sagt die Dame. Ich gehe davon aus, dass das nicht nur bei diesem Hof so wäre und das macht mich schon traurig. Ich habe mir sehr genau überlegt, warum ich diese Rasse zu mir holen möchte und ich habe auch sehr lange darüber nachgedacht, ob ich einen Hund aus einer Zucht oder aus der Tierrettung möchte. Ich habe mich schließlich schweren Herzens für einen Zuchthund entschieden, weil ich einen wesensfesten Welpen möchte, der auf jeden Fall liebevoll und fachkundig sozialisiert wurde und der sich dementsprechend für eine Ausbildung als Therapiehund eignet. Ich kenne zu viele Beispiele von Leuten, die sich einen Straßenhund aus dem Ausland geholt haben und die sehr lange damit beschäftigt waren, erstmal unerwünschte Verhaltensweisen, Ängste u.a.m. wieder abzuerziehen. Darüber hinaus habe ich bei meinen Recherchen den Eindruck gewonnen, dass es ohnehin schwierig ist, einen Welpen aus der Tierrettung zu bekommen. Um den Bogen zum Thema Wohnung zu schließen: Besagte Traumwohnung wäre nicht größer, aber sehr nah an einem riesigen Park mit Waldflächen gelegen… vielleicht würde das ja einen Züchter überzeugen… Kurz und gut: die Wohnung ist meine, ich hoffe, das sehen die vom Amt auch so. Und ich hoffe sehr, dass ich noch einen guten, vertrauenswürdigen Züchter ausfindig mache, dem es wichtiger ist, dass ich viel Zeit für sehr viel Bewegung draußen habe, anstatt eine große Wohnung oder ein Haus vorauszusetzen.

Wie ihr seht, bei mir geht was voran, wenn auch nicht so schnell, wie ich es gerne hätte… Aber vielleicht ist das auch ganz gut so, so haben alle Ebenen von mir Zeit, mitzukommen 🙂

Und so wünsche ich Euch heute noch eine schöne Herbstwoche,

herzlich, Eure Merle

Thierry Mugler in der Hypokunsthalle München

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Heute mal etwas ganz anderes: Ich war heute in der Hypokunsthalle in München in der Ausstellung „Couturissime“ über Thierry Mugler – und ich schwelge immer noch in Begeisterung, die ich hier loswerden muss. Ich hatte überhaupt keine Lust dorthin zu gehen, vor allem wegen der Anfahrt, war aber mit mehreren Damen verabredet und habe mich schließlich überwunden… Und das war absolut richtig! Ich war mir anfangs nicht sicher, ob Mode wirklich Kunst ist – nach dieser Ausstellung jedoch muss ich sagen, ja, Mode kann Kunst sein! Es war außerdem sehr bereichernd, nach den langen Monaten ohne Kunst und Kultur mal wieder eben diese genießen zu dürfen, geradezu eine Wohltat. Die Ausstellung ist noch bis 28. Februar 2021 zu sehen. Wer in München oder Umgebung wohnt und sich für Mode und/oder Kunst interessiert, sollte unbedingt hin gehen!

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende!

Eure Merle

Die trotzende Rose

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Es ist kalt, es ist feucht, eigentlich kein Wetter für Rosen – doch dieser scheints egal, sie blüht trotzdem und noch dazu in einem satteren Geld als alle ihre Sommergenossen! Ich bin der Rose sehr dankbar, dass sie mir noch eine Blüte schenkt, bevor auch das vorbei geht… Mein Balkon ist dadurch noch ein schöner Ausblick…

Zur herbstlichen Stimmung und, wie ich finde, zur Rose passend, hier ein Gedicht von Theodor Storm aus dem Jahre 1852:

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja, vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

(Aus: Der Kleine Conrady, Düsseldorf 2008)

Ich hoffe, meine geneigten Leser*innen nehmen es mir nicht übel, dass ich dieser Tage öfter mal auf die Werke großer Dichter zurück greife – mein Sinn steht mir in der Tat derzeit nach Lyrik und ich hoffe, dass dem ein oder anderen meine Auswahl gefällt!

Gedichte sind für mich Stimmungseinfänger … es bereitet mir großes Vergnügen in einem Gedichtband zu schmökern und zu gucken, was gerade meiner Stimmung entspricht. Eigentlich hatte ich heute Nachmittag einen Antrag bei einer Behörde stellen wollen, doch das Formular war im Netz nicht zu finden und da es mir jetzt per Post zugeschickt wird, hatte ich Zeit, lümmelte so herum – und habe dann die Rosenblüte entdeckt. Ich hoffe, sie hält noch eine Weile durch und lässt sich von der kommenden Kälte nicht abschrecken.

So schicke ich heute einen Blumengruß an Euch und verbleibe

herzlich, Eure Merle