Ausgangsbeschränkungen – Tag 31 Ein Rückblick

Aus aktuellem Anlass habe ich ein bißchen in meinen früheren Beiträgen gestöbert und bin dabei auf einen Beitrag vom August 2018 gestoßen, der ganz wunderbar zu meiner jetzigen Situation passt. Momentan bin ich wegen zwei Dingen sehr ungeduldig und verunsichert. Erstens macht mich der Corona-Lockdown kirre und zweitens muss ich einen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung auf Verlängerung meiner Erwerbsminderungsrente stellen. Wann ersteres sich ändern wird, steht in den Sternen und ich habe null Einfluß darauf. Zweiteres muss rechtzeitig erledigt werden, meine Ärzte müssen Berichte schreiben – und ich bin von der Rentenversicherung abhängig, weil diese mir die Formulare für die Verlängerung zuschickt. Erst hieß es im Mai, heute sagte man mir, im Juni werde das passieren. Die haben aber eine Monate dauernde Bearbeitungszeit und meine Rente läuft bis Oktober. Viel Zeit, möchte man meinen, aber nicht so bei dieser Behörde. Also bin ich auch hier ziemlich zappelig und habe versucht, mir aus dem Internet die kompletten Formulare zu ziehen – aber Fehlanzeige. Also warten.

Und nun zu dem Beitrag aus 2018:

Beim Thema Loslassen muss ich immer an den schönen Spruch denken: „Herr, gib mir Geduld, aber zackig!“ Ich bin kein geduldiger Mensch, oh nein. Die Dinge auf mich zukommen zu lassen gelingt mir nur selten. Ich hätte gerne immer alles sofort und nach meinem Geschmack geregelt und geklärt und wenn das nicht funktioniert, wird es ungemütlich in mir. Nicht mit mir; ich lasse meinen Frust nicht an anderen aus sondern beginne zu grübeln und Szenarien im Kopf zu entwickeln und vergesse dabei vollkommen, dass Vieles im Leben einfach nicht planbar ist. Mir selbst einzugestehen, dass ich nicht weiß, was passieren wird, ist unfassbar schwer. Ich weiß nicht, wie lange meine Kater noch leben wird, ich weiß nicht, ob ich meinen Job behalten werde, ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob mein Antrag auf Erwerbsunfähigkeitsrente angenommen wird und ich weiß auch nicht, ob ich mit meinem Freund alt werde. Ich plane, treffe Entscheidungen, bereite vor und mache A um B zu erreichen – aber am Ende bleibt das meiste schlicht offen, auch wenn ich mich gern der Illusion hingebe, ich hätte alles in der Hand.

Hm, das zu lesen war schon erhellend: viel habe ich in den nicht ganz zwei Jahren offenbar nicht dazu gelernt. Ich möchte immer noch alles unter Kontrolle haben und vertraue selten auf den Lauf der Dinge bzw kann mich nicht damit abfinden, wenn ich von äußeren Faktoren abhängig bin. Loslassen, ja, gern, aber mit dem richtigen Endergebnis bitteschön. Dass das Leben passiert während ich versuche, alle Fäden in der Hand zu halten, das hat mir der alte Text an zwei Stellen gezeigt: Mein Kater ist im Mai 2019 verstorben und mein Partner und ich haben uns kürzlich getrennt. Beides Ereignisse, die ich mir noch im August 2018 nicht vorstellen konnte. Die gute Nachricht ist, ich habe gelernt, mit beidem umzugehen. Die schlechte ist: was kommt als Nächstes?

Ich weiß es nicht und das ist sehr wahrscheinlich auch gut so. Angst macht es mir trotzdem. Und wieder einmal muss ich mir klar machen, dass auch Angst zum Leben dazu gehört und keine böse alte Tante ist, sondern ein warnendes Gefühl, das zwar öfter mal über die Stränge schlägt, es aber eigentlich gut mit mir meint. Säbelzahntiger und so… gut, sind mir jetzt in letzter Zeit eher wenige über den Weg gelaufen, aber dennoch beschäftigen mich ja existentielle Themen, das Bild ist also nicht allzu weit her geholt.

Und so werde ich mich auch in Zukunft versuchen, auf alle Eventualitäten vorzubereiten, so bin ich nunmal, ich glaube, das krieg ich nicht mehr aus mir raus – um dann überrascht zu werden von dem, was das Leben mir tatsächlich bringt.

(…) In Bayern bringt es jetzt erstmal die Maskenpflicht, wie gut, dass ich zwei Stück zu Hause habe und der ganze Rest…nun, der wird sich schon irgendwie ergeben…

Damit sage ich Tschüß für heute, wünsche Euch eine gute, angenehme Woche,

herzlich, Merle

Ausgangsbeschränkungen – Tag 29

In Kanada sind in einem Altersheim die Pfleger nicht mehr zur Arbeit erschienen, aus Angst vor Corona. In der Folge wurden dutzende Senioren dehydriert und unterernährt aufgefunden, 31 Personen verstarben. – In den USA sucht Amazon in den Lagerhallen mit Wärmebildkameras nach fiebernden Mitarbeitern. – In Spanien hat Corona inzwischen mehr als 20.000 Menschen das Leben gekostet. – In Deutschland stehen 32.000 Soldaten zum Einsatz im Inland bereit. – Ein CDU-Politiker, Herr Schäuble (sic!), fordert gesellschaftliche Konsequenzen aus Corona zu ziehen und das Verhältnis zwischen Marktwirtschaft und staatlicher Regulierung neu zu definieren. –  Ein Spiegel-Kommentator meint, nach Corona könne die Welt eine bessere, nachhaltigere werden. (…)

Jede dieser Nachrichten ist für sich bemerkenswert oder schockierend bzw. traurig. Normaler Weise würden solche Dinge mich ins Grübeln stürzen oder doch zumindest sehr nachdenklich machen. Doch fast genauso erschütternd wie zum Beispiel die Todeszahlen aus Spanien oder Italien ist für mich, dass es mich nicht mehr erschüttert. Ich wollte ja eine gewisse Distanz zu dem ganzen Themenkomplex Corona, aber dass ich abstumpfe, damit habe ich nicht gerechnet, und doch ist es so. Ich stelle mit Bestürzen fest, dass die Sterberaten und sämtliche Hiobsbotschaften, die jeden Tag verkündet werden, mich längst nicht mehr so berühren wie noch vor ein paar Wochen. Die Dinge werden zur Routine, Tote gehören dazu, jeden Tag ein neuer Rekord, jeden Tag eine neue Dummheit von Trump, nicht zu vergessen die vergessenen Flüchtlinge in ihren unsäglichen griechischen Camps…es ist zu viel. Mein Verstand ist wach, aber diese Unmenge an Informationen und Bildern, sie überfordert mich und führt offensichtlich dazu, dass ich „dicht mache“. Auch positive Ausblicke wie die des Spiegel Kommentars, die mich vor kurzem noch begeistert zustimmen ließen, sie prallen an mir ab.

Ich bin mit Nachrichten übersättigt und kann doch nicht aufhören, Nachrichten zu lesen. Es ist ein bißchen wie ein Zwang – auch wenn ich den ein oder anderen Tag eine Medien-Null-Diät mache – ich habe das Gefühl, informiert sein zu müssen und diese Krise nicht ignorieren zu dürfen, selbst wenn ich es könnte. Aber ich kann es nicht. Und das nehme ich dem Virus wirklich übel! Nicht nur, dass das Leben im Alltag ohnehin nicht mehr wiederzuerkennen ist, nein, auch in den zeitlichen Nischen, in denen ich eigentlich an was ganz anderes denken könnte, bin ich doch irgendwie mit dem Thema beschäftigt. Aber eben nur intellektuell, ohne ein Gefühl für das menschliche Drama, das hinter so vielen Meldungen steckt. Ich kann daraus nur eine Schlussfolgerung für mich ziehen: strikte Nachrichtenreduktion, mehr und konsequenter als bis jetzt. Ich will wieder zu einer differenzierten Wahrnehmung gelangen und nicht einfach Liveblog-Einträge abhaken.

Und so nehme ich mir also zum x-ten Male vor, weniger Zeit im Internet zu verbringen, nicht jeden ndr-Podcast zu hören, kurz: mich wieder mehr mit anderen Dingen zu beschäftigen als dieser Pandemie, die schon viel zu viel Macht über uns alle entwickelt hat. Ich weiß nicht, ob es übertrieben ist zu sagen, die Welt ist im Würgegriff von Corona – ich will es jedenfalls nicht sein.

Und so übe ich mich jetzt im Abschalten, im alle-vier-grade-sein-lassen und darin, meine Seele im ganz privaten Paradies baumeln zu lassen…

Habt ein schönes (Corona-freies) Wochenende und genießt den Frühling!

Herzlich, Eure Merle

Ausgangsbeschränkungen – Tag 28

Heute hatte ich wieder ganz zauberhaften Besuch: die Kohlmeise, die neulich schon auf meinem Balkon Katzenhaare eingesammelt hat, war heute früh wieder da – und dieses mal ist sie sogar ins Wohnzimmer geflattert und hat dort tatsächlich von einem Katzenmöbel weiter Katzenfell gezupft! Ich dachte erst, ich seh nicht recht, aber das Tierchen hat sich sichtlich wohl bei mir gefühlt und würdigte die Katze keines Blickes. Diese wiederum musste ich heute fest halten, da sie sich sonst natürlich auf den Vogel gestürzt hätte…das wusste ich aber zu verhinden und nun bin ich gespannt, wann die Kohlmeise wieder kommt. Ich kann also jetzt eigentlich mit fug und recht behaupten, ich habe eine Meise 😀

Eine sehr schöne Nachricht habe ich heute im Liveblog der Tagesschau gelesen: die isländische Forstverwaltung hat die Bürgerinnen und Bürger des Landes aufgerufen, Bäume zu umarmen, wenn in Zeiten von Corona die Nähe zu anderen Menschen fehlt. Ein Förster schilderte wohl recht blumig, wie es sich von Fuß bis Kopf anfühlt, einen Baum zu umarmen, wieviel Kraft und Wohlgefühl das spendet – und die Isländer scheinen diese Idee sehr gut aufzunehmen. Da ich eine recht erfahrene Baum-Umarmerin bin, kann ich dem nur zustimmen! Man fühlt mitunter tatsächlich die Energie des Baumes und kann wirklich daraus Kraft ziehen. Hm, für den ein oder anderen bin ich jetzt wahrscheinlich ein hoffnungsloser Fall und Esoterikschlumpf, aber das macht nichts, ich weiß ja, wie es sich anfühlt! 😉

Ganz hervorragende Fotografien gibt es im Spiegel zu sehen, der eine Auswahl der besten Bilder des Sony World Photography Awards zeigt. Die überwiegend Naturszenen zeigenden Fotos sind atemberaubend schön und regen zum Träumen an…

Davon abgesehen kann ich berichten, dass ich heute doch tatsächlich mit dem Ausmisten angefangen habe! Es gibt zwar noch einiges zu tun, aber ein Anfang ist gemacht und ich bin zuversichtlich, jetzt jeden Tag ein bißchen was wegwerfen zu können und ich freue mich schon sehr auf das Gefühl des Befreit-Seins, wenn die Regale wieder Platz haben und die Unordnung abgeschafft ist. Und ich bin ziemlich stolz, dass ich meinen inneren Schweinehund überwunden habe und tätig wurde. Ha!

Jetzt werde ich mich mit einem leckeren Essen belohnen und dann ab mit meinem Buch aufs Sofa…

Für heute sage ich Adieu, wünsche schonmal ein schönes Wochende, bis bald

Eure Merle

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 27

Hurra, heute gibt es gleich zwei richtig gute Nachrichten! Erstens hat Herr Söder die bayerischen Ausgangsbeschränkungen denen der anderen Bundesländer angepasst: man darf sich jetzt auch in Bayern mit einer Person außerhalb des Hausstandes treffen. Bisher war dies nur Lebenspartnern erlaubt. Jetzt dürfen auch Alleinstehende den besten Freund/die beste Freundin treffen, das ist wirklich eine Erleichterung! Und zweitens hat das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass es kein generelles Demonstrationsverbot geben kann, sondern dass grundsätzlich Demonstrationen möglich sein müssen. Wie gut, dass es die Verfassungshüter in Karlsruhe gibt und ich hoffe, sie werden auch weiterhin genau hinschauen.

Zu den gestern verkündeten Änderungen bzw. Verlängerungen der Maßnahmen kann ich nicht viel sagen, außer dass mich sehr schmerzt, dass das Atelier, in das ich sonst immer gegangen bin, immer noch nicht wieder öffnen darf. Aber damit hatte ich schon gerechnet. Nachdem ich gestern das erste Mal mit einer (einfachen) Atemschutzmaske unterwegs war, bin ich ganz froh, dass es noch keine Pflicht gibt: nach ca. 20 Minuten wird es ziemlich unangenehm unter dem Ding, ich hatte das Gefühl nicht genünged Luft zu bekommen und wenn ich mit jemandem gesprochen habe, hatte ich immer die Angst, nicht verstanden zu werden. Also ich persönlich muss das nicht haben…

Insgesamt bin ich in den letzten Tagen immer unzufriedener mit der Gesamtsituation und bin der Meinung, ich müsste die viiiieeeeele freie Zeit besser nutzen. Aber leider schleichen sich statt dessen Faulheit und Demotivation immer mehr ein. So hatte ich zum Beispiel vor, meine Unterlagen und Ordner zu durchforsten und einen allgemeinen Rundumschlag in Sachen Ausmisten zu starten – stattdessen lese ich oder trinke Kaffee und rauche. Auch mein Vorsatz wieder Rad zu fahren ist bisher nicht in die Tat umgesetzt worden, ganz zu schweigen von Fenster putzen und Keller entrümpeln. Hmpf. Also, man könnte auch sagen, der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Aber immerhin mache ich jeden Tag einen Spaziergang, das ist ja schonmal was.

Davon abgesehen mache ich neuerdings immer öfter die Erfahrung, mich völlig leer zu fühlen und sogar eine Leere im Kopf wahrzunehmen. Ja, ich weiß, dass ist jetzt eine super Steilvorlage für Witze über mein Denkvermögen – aber ich meine das tatsächlich ernst. Leere allüberall und ich bin mir etwas unsicher, ob das schon der Zustand ist, den viele durch Meditation zu erreichen versuchen. Ich brauch nur eine Weile vor mich hin zu starren, dann kommt diese Verfassung von allein. Das Dumme ist, ich fühl mich nicht sonderlich wohl damit. Was eigentlich wirklich schade ist, weil so ein Gefühl der Leere auch sehr entspannend sein kann – wenn man, also ich, den Zustand nicht bewerten würde. Also Leere und ein Meckern: das darf nicht sein. Vielleicht ist die Leere auch nur so schwer auszuhalten weil sie ungewohnt ist. Ich kenne zwar Formen der Dissoziation aber sich bei vollem Bewusstsein und Da-Sein leer zu fühlen ist nochmal was anderes. Naja, die gute Nachricht ist, ich werde in den nächsten Wochen noch viel Zeit zum Üben haben.

Nun gut, das war es auch schon für heute! Ich wünsche Euch noch einen schönen Abend und einen sonnigen Wochnenausklang, bleibt gesund!

Eure Merle

Ausgangsbeschränkungen – Tag 25

So. Heute hab ich mal wieder einen Aufreger im Gepäck. Die Szene, über die ich mich aufrege, ist schon ein paar Stunden her, so daß ich mich schon wieder beruhigt habe, aber in mir grummelt es noch gewaltig. Aber von Anfang an:

Ich bin heute wie jeden Dienstag wieder mit meiner Patenhündin Yava spazieren gegangen, alles sehr idyllisch, die Bäume schlagen aus, die Vögel zwitschern und wir kommen an einer Wiese vorbei, auf der auf einem umgekippten Baumstamm zwei Frauen sitzen, vor denen wiederum zwei große Hunde im Gras flätzen. Der eine ist sehr groß und bullig, er setzt sich sofort auf, als er Yava sieht und ich denke noch, oh ohhh, das könnte ungut werden, als der auch schon losrast und sich laut knurrend und Zähne fletschend in Richtung des Zwergpudels schmeisst, für den ich gerade die Verantwortung trage. Ich weiß nicht, wer in diesem Moment mehr Angst hatte, Yava oder ich. Der Pudel ist sofort zwischen meine Füße geflitzt, der Hund steht geifernd und knurrend vor mir und alles was ich denke ist: er darf nicht riechen, dass ich Angst habe, er darf meine Angst nicht riechen. Was natürlich Quatsch ist, denn wenn ich das schon denke, dann riecht er sie auch gewiss. Und was macht die Besitzerin, während ihre Töle den kleinen Hund und mich in Schach hält? Sie ruft. Doch das Vieh hört nicht, also rufe ich – freundlich aber bestimmt – der Dame zu, ob Sie bitte ihren Hund zurückholen könne. Ich denke, wenn der nicht hört, dann muss sie doch mal aufstehen und kommen und sich das Tier greifen!? Aber nein, sie ruft weiter und mir dann zu, mit einem Ton der kaum an Verachtung zu überbieten ist: „Jaja, geh Du mal weiter…“ Dass „Jaja“ in diesem Fall l.m.a.A. heißt, ist nicht zu überhören und so langsam werde ich wirklich ärgerlich… doch erst muss ich mich von diesem Hund befreien, bevor ich was passendes sagen kann. Inzwischen verliert der Ruede aber Himmel sei Dank das Interesse an uns und Yava und ich können weiter gehen.

Doch eigentlich will ich mich noch an die Hundebesitzerin wenden, ihr sagen, dass sie 1. ihren Hund an die Leine nehmen sollte, wenn der derart aggressiv ist und nicht folgt und dass sie 2. mir nicht zu sagen hat, ich solle weiter gehen wenn das Vieh direkt vor mir steht und sich in bester Wachhundmanier aufführt und dass ich mich 3. nicht erinnern kann, ihr das Du angeboten zu haben. – Was ist das für eine dämliche Eigenart, dass Leute bei Konflikten in der Öffentlichkeit völlig Fremde mit Du ansprechen? Das ist mir schon früher aufgefallen und ich finde das vollkommen daneben. Ist das der Versuch, durch erzwungene Vertraulichkeit den Konflikt zu entschärfen oder eine billige Art, dem anderen klar zu machen, dass er nicht mit Höflichkeit oder Respekt zu rechnen hat? Ich fürchte ja, eher letzteres.

Leider bin ich Punkt 1 bis 3 nicht bei der Frau losgeworden – ich bin dann tatsächlich weiter gegangen und habe mir jeglichen Kommentar verkniffen, was mich im Nachhinein mal wieder kolossal ärgert. Diese Hundebesitzerin war extrem verantwortungslos, das hätte böse ins Auge gehen können und ich sage das als jemand, der sonst auch vor großen Hunden keine Angst hat. Ich traue mir durchaus zu zu erkennen, wann eine Situation wirklich brenzlig wird, und das war eine solche. Entsprechend hätte ich gerne reagiert, habe mir aber wie meistens gedacht, dass das eh nichts bringt weil die meisten Leute nicht zuhören und auf ihrem „Recht“beharren, wo es eigentlich nicht ums Recht haben geht sondern um Verständigung im gemeinsamen öffentlichen Raum. Aber meine Freundin J., das Frauchen von Yava, wies mich darauf hin, dass es nicht sehr sinnvoll erscheint, sich mit einer unfreundlichen Hundebesitzerin anzulegen, die auch noch einen unfreundlichen Vierbeiner hat… ich nehme an, es war also klüger, sich nicht auf ein Gespräch einzulassen.

Aber was ist das mit diesen Leuten, die so derart rücksichts- und gedankenlos durch die Welt stapfen? Sehen die die anderen wirklich nicht? Wird da alles ausgeblendet, was mir selber nicht in den Kram passt und der Rest ist wie bei Pipi Langstrumpf: ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt! Das ist lustig, wenn es um ein Kind mit einem Äffchen und einem Pferd geht, es ist weit weniger erheiternd, wenn die individuelle Freiheit zur Bedrohung für andere wird. Und selbst wenn die Dame sich sicher war, dass ihr Hund niemanden angreift: in dem Moment in dem ich sehe, dass ein anderer Hund oder ein Mensch Angst vor ihm hat, hol ich ihn zurück!

Nun gut, ich werde mich damit abfinden müssen, dass es immer mal wieder mehr oder weniger asoziale Elemente in meinem Umfeld gibt, damit muss man leben, dagegen kann man nichts tun, außer Großmut und Gedult entwickeln. Und wenn mir doch irgendwann mal der Kragen platzt und ich laut werde, dann freue ich mich, dass ich meine Wut an der richtigen Adresse platziert habe. Sollte es je soweit kommen: ich werde berichten!

Für heute sage ich Tschüß und wünsche Euch noch einen schönen Tag und passt auf Euch auf!

Eure Merle

Ausgangsbeschränkungen – Tag 24

Hallo liebe LeserInnen,

nachdem ich mir eine strenge Medien- und Internetdiät auferlegt habe, gab es gestern keinen Beitrag und heute auch nur ein kurzes Hallo… ich versuche, mehr Abstand zum Thema Corona zu bekommen und bin auch gleichzeitig immer noch sehr mit der Trennung von meinem Partner beschäftigt. Liebeskummer in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten ist nicht lustig, das war schlechtes Timing 😉

Um nicht den Kopf zu verlieren, lese ich gerade sehr viel, immer noch meine absolute Lieblingsautorin Robin Hobb, die ich jedem Fantasy-Fan wirklich wärmstens empfehlen kann. Die deutschen Übersetzungen sind gut, aber wer gerne auf Englisch liest, dem würde ich die Originaltitel ans Herz legen.

Und so verbringe ich jetzt ruhige Tage in meiner „Burg“, kuschle mit meiner Katze und genieße den Ausblick auf meinen Balkon – auf dem vorgestern wieder die Kohlmeise war und dieses Mal hat sie aus dem „Ruhekissen“, das in einem Korb für meine Katze liegt, ordentlich Katzenfell rausgepickt und ist dann tatsächlich mit einem Wattebausch im Schnabel wieder davon geflogen – na, die Küken werden es sehr kuschlig haben, immerhin ist meine Fee ja eine halbe Angorakatze 🙂

Ja Ihr Lieben, das war es heute auch schon von mir…Ich hoffe, Ihr hattet und habt noch ein schönes Osterwochenende und für morgen wünsche ich einen guten Start in die Woche!

Eure Merle

Ausgangsbeschränkungen – Tag 22

Nachdem ich mir gestern einen Internet-freien Tag gegönnt habe, melde ich mich heute zurück und wünsche zunächst mal meinen LeserInnen ein wunderschönes Ostern – egal wie reduziert und eingeschränkt es sein mag.

Heute gibt es auch gleich eine gute Nachricht: der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel macht Hoffung, dass noch in diesem Jahr ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 Erkrankten zugelassen werden könnte. Man erwarte entsprechende Studienergebnisse im Sommer und könne dann eventuell eine Zulassung geben. Das, finde ich, sind doch mal schöne Neuigkeiten!

Leider gibts gleichzeitig auch schlechte Nachrichten: ein Teil der CDU will zur Abmilderung der Corona-Folgen für die Wirtschaft die Klimaziele außer Kraft setzen bzw. zeitlich strecken. Das wäre allerdings ein Armutszeugnis für die Regierung, wenn sie das tatsächlich umsetzen. Die Folgen des Klimawandels werden ja durch Corona nicht weniger drängend. Aber anscheinend gibt es immer noch Leute, die meinen, wir hätten da unbegrenzt Zeit. Das ist für mich vollkommen unverständlich.

Apropos unverständlich: während meines heutigen Einkaufs sind mir mal wieder zwei Dinge aufgefallen, die ich auch nicht verstehe:

  1. Warum spucken Menschen in der Öffentlichkeit auf den Boden? Zu Hause machen sie das bestimmt auch nicht – aber draußen, auf dem Trottoir, da wird abgesondert was das Zeug hält. Sogar, wenn gerade jemand vorbei geht – spuckt man mal eben in die Richtung des Mitmenschen ohne Rücksicht und Takt. Ich finde das nicht nur widerlich sondern auch ein Zeichen extrem schlechter Manieren, ja, ich möchte fast sagen, wer draußen ungehemmt seine nasal-oralen Exkremente verteilt, hat noch nicht verstanden, was Zivilisation bedeutet.
  2. Warum neigen Menschengruppen dazu, keinen Platz zu machen, wenn ihnen eine Einzelperson entgegen kommt? Warum muss ich auf den Fahrradweg oder die Straße ausweichen, anstatt dass 5 Leute, die nebeneinader gehen, ein Stückchen des Weges frei geben? Das passiert mir regelmäßig und ich frage mich ob das an mir liegt, dass ich übersehen werde – obwohl ich schon meine, wahrgenommen zu werden – oder ob es in der Natur der Sache liegt, dass Gruppen einfach ein kollektives Überlegenheitsgefühl entwickeln und schlicht nicht einsehen, „nachzugeben“? Oder denkt jeder in der Gruppe, der andere wird schon ausweichen und am Ende tut es keiner? Es ist und bleibt ein Rätsel.
  3. In die gleiche Kategorie unverständlicher Phänomene gehört für mich übrigens, dass Leute im Kino während des Films oder Zuschauer während des Theaters oder Konzertes quatschen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr gerne ins Kino gehe – die blöden Komentare bzw. einfach störenden Gespräche während der Film läuft… dann holt Euch doch die DVD und guckt zu Hause, aber stört die anderen Leute nicht! Der einzige Film, bei dem Publikumsbeteiligung erwünscht ist, ist die Rocky Horror Picture Show (gibt es diese Mitmach-Vorführungen auch in anderen Städten?) aber ansonsten erwarte ich Ruhe während des Films.

Geht es anderen auch so oder bin ich überdurchschnittlich empfindlich, was solche Dinge angeht? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass mich diese Phänomene je nach Tagesverfassung unheimlich nerven. Vielleicht muss ich einfach daran arbeiten, meine Umgebung bei Bedarf nur noch selektiv wahrzunehmen…

Und für alle, die wie ich in diesen Tagen öfter mal unter schlechter Laune leiden, habe ich eine Empfehlung: Discomusik aus den 70ern – und man kann auch mit Kopfhörern auf dem Kopf tanzen. Sieht zwar bescheuert aus, hilft aber trotzdem 🙂

Habt schöne Feiertage und bleibt gesund!

Eure Merle

 

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Ausgangsbeschränkungen – Tag 20

Nun sind es also morgen bereits drei Wochen, die wir mit den Ausgangsbeschränkungen leben und ich stelle rückblickend fest, dass es doch von Woche zu Woche für mich schwieriger wird, mit den Änderungen in meinem Tagesablauf umzugehen. Auf jeden Fall muss ich bald wieder neue Bücher bestellen, denn mein Lesestoff neigt sich dem Ende zu und lesen ist doch das, was ich am häufigsten mache. – Natürlich nicht auf einer Parkbank im Grünen, denn das ist ja in Bayern verboten, sondern auf meinem Balkon…auf den sich heute trotz Katzennetz tatsächlich eine wunderschöne Kohlmeise verirrt hatte! Ich war sehr froh, dass meine Katze den Vogel zu spät wahrgenommen hat – als sie in Lauerstellung ging, flog die Meise auch schon wieder weg. Aber das war ein Besuch, über den ich mich sehr gefreut habe!

Eine gute Nachricht habe ich heute Nachmittag vernommen: laut Frau Merkel sind derzeit keine weiteren Verschärfungen der Maßnahmen notwendig. Das ist doch immerhin mal was. Und ich habe gelesen, dass Herr Söder in Bayern bleiben will und nicht an eine Kanzlerkandidatur denkt. Hm, ob ich ihm das glaube, weiß ich noch nicht.
Ziemliche Sorgen machen mir die Prognosen aus der Wirtschaft – was da an Rezession und Zusammenbruch auf uns zu kommt, wird uns noch schwer zu schaffen machen. Aber momentan hoffe ich erstmal, dass sich Europa über entsprechende Unterstützungsmechanismen einig wird und dass das europäische Haus nicht auch noch zusammenkracht.

Bei meinem heutigen Spaziergang ist mir aufgefallen, dass deutlich mehr Menschen eine Atemschutzmaske tragen – und dass genau diese überwiegend nicht auf den vorgeschriebenen Mindestabstand geachtet haben – das war auch im Supermarkt zu beobachten. Also ist die bereits mehrfach in den Medien geäußerte Warnung, dass Masken den Abstand nicht überflüssig machen, sehr berechtigt und ich ärgere mich ein wenig über die Laxheit, mit der manche Menschen immer noch mit der Situation umgehen. Außerdem scheinen die Corona-Regeln in unserer Stadt dazu zu führen, dass Radfahrer jetzt auf dem Bürgersteig fahren dürfen. Ich verstehe den Zusammenhang nicht, aber tatsächlich begegnen mir seit den Ausgangsbeschränkungen viel mehr Radfahrer auf dem Gehweg als sonst. Die Kausalität erschließt sich mir noch nicht, aber vielleicht fange ich mal, nachzufragen. Eventuell kommt ja was erhellendes bei raus.

Ansonsten ärgere ich mich ein wenig über mich selbst, weil ich vieles, was ich mir für die Zwangspause vorgenommen hatte, einfach nicht in Angriff nehme. Die zu stopfenden Socken und Kleidungsstücke liegen immer noch unbeachtet rum, die Briefe, die ich schreiben wollte, habe ich immer noch nicht geschrieben und mit meiner Kreativität zu Hause ist es auch nicht weit her… ich stelle fest, dass Aktivität aktiv sein nach sich zieht und (zumindest unfreiwillige) Ruhephasen zu noch mehr Passivität führen. Man könnte ja meinen, dadurch dass ich sonst nix zu tun habe, flutscht es nur so mit den – zum Teil unliebsamen – Aufgaben – aber nein, einmal in der Ruhephase angekommen, ist es schwer wieder rauszukommen! Das ist irgendwie so als würde man sagen, Schlafen macht müde, ich weiß, aber es stimmt trotzdem. Anscheinend brauchen Körper und Geist ein bestimmtes, angenehmes Stresslevel, damit der Mensch agiert und nicht nur vor sich hin gammelt. Diese Erkenntnis sollte mich jetzt wahrscheinlich dazu bringen, Joggen zu gehen oder mir ein Ehrenamt zu suchen… aber darüber muss ich erst noch meditieren 😉

So, jetzt setze ich mich noch mit meinem Buch auf den Balkon, genieße die letzten Sonnenstrahlen und wünsche Euch einen ebenso angenehmen Abend! Bis morgen,

Eure Merle

Ausgangsbeschränkungen – Tag 19 (Musik Special)

Heute nur ein ganz kurzer Tip von mir in Sachen Corona und Handy-App: ich empfehle dazu sehr den heutigen Podcast vom NDR mit Professor Drosten … das soll es aber auch gewesen sein zu dem Thema… jetzt zu einem ganz anderen Sujet: Musik!

Ich habe eine Top-Ten meiner (derzeitigen) Lieblingssongs (NICHT Videos!) erstellt und diese hier verlinkt; ich dachte mir, es muß mal was anderes her als immer nur Corona… 🙂 habt Spaß damit und tanzt ’ne Runde durch die Wohnung! Wie immer…. Eure Merle

David Bowie – Heroes

Christina Aguilera, Lil‘ Kim, Mya, Pink – Lady Marmelade

Nina Simone – Baby don’t cares for me

Robbie Williams and Nicole Kidman – Somethin‘ Stupid

Kylie Minogue – Can’t Get You Out Of My Head

Lilly Wood & The Prick and Robin Schulz – Prayer in C

Milky Chance – Stolen Chance

Seeed – Psychedelic Kingdom

Diana Ross – Upside Down

Fairground Attraction – Find My Love

 

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 18

Herr Söder hat’s mal wieder getan – er ist vorgeprescht und hat jetzt schon die Verlängerung der Maßnahmen nach dem 19.4. angekündigt und auch gleich noch eine Maskenpflicht. Man wird das drängende Gefühl nicht los, dass sich da einer als Kanzlerkandidat profilieren will, ohne Rücksicht auf Verluste und offensichtlich pfeifend auf die Abstimmung mit den anderen Bundesländern. Alles zum Wohle der Bevölkerung, die nun schon seit Wochen in einer Zwangsjacke steckt.

In einem sehr klugen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende fordert Heribert Prantl die Einrichtung eines multidisziplinären Expertenausschusses zur Beratung über die weitere Vorgehensweise in der aktuellen Krisensituation. Er mahnt dabei auch zur Rückkehr zu unseren Grundrechten und kritisiert, dass die bisherigen Entscheidungen sich vor allem an den Aussagen von Virologen, also Naturwissenschaftlern, orientieren, und dass quasi mit einem „Fingerschnippen“ mal eben eine ganze Bandbreite an Grundrechten außer Kraft gesetzt wurde. Prantl rät hingegen zu einem Beraterstab, in dem auch „Grundrechts- und Gesellschaftsexperten“ sitzen, also zum Beispiel Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen und Psychologen sowie „Experten aus Kultur, Kunst und Religion“. Ich muss sagen, Herr Prantl spricht mir da aus dem Herzen, ich finde es zunehmend verantwortungslos, wie mit unseren Menschenrechten, unseren im Grundgesetz verankerten Freiheitsrechten umgegangen wird. Das kann kein Dauerzustand bleiben und doch hören wir entweder nichts (von der Kanzlerin) oder eben Herrn Söder, der mal eben eine Verlängerung, aber ohne Endpunkt, ankündigt. Ebenso verantwortungslos finde ich die Versuche, eine offene Debatte über sogenannte Exit-Strategien unterdrücken zu wollen. Das sei jetzt nicht der Zeitpunkt. Wer bestimmt denn das? Leben wir in einer Demokratie oder nicht?

Nein, ich möchte nicht, dass in unseren Kliniken Zustände wie in Italien herrschen. Aber ich möchte auch nicht, dass die bisherige Vorgehensweise (mal wieder) als alternativlos dargestellt wird. Ich möchte eine offene gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir längerfristig mit der Pandemie umgehen wollen und können. Auch das muss eine demokratische und freiheitliche Gesellschaft aushalten. Diese Debatte hat heute dankenswerter Weise auch der Deutsche Ethikrat gefordert: „Es ist zu früh, Öffnungen jetzt vorzunehmen. Aber es ist nie zu früh, über Kriterien für Öffnungen nachzudenken.“ (Tagesschau.de vom 7.4.20)

Was die Maßnahmen, zumindest in Bayern, zum Beispiel bedeuten, ist heute in einem Tweet der Münchner Polizei klar geworden: auf eine entsprechende Frage einer Mutter eines behinderten Kindes war die Antwort: Nein, das Lesen eines Buches auf einer Parkbank ist nicht erlaubt. Sprich: Bewegung im Freien ist ein triftiger Grund zum Verlassen der Wohnung, aber das Verweilen an einem bestimmten Ort nicht. 150 Euro Bußgeld kann das im Zweifel kosten. – Ich bin gerade immens froh über meinen Balkon, das kann ich gar nicht oft genug betonen…

Und sonst so? Ich merke, dass ich langsam asoziale Züge annehme. Aus dem erzwungenen Alleinsein wird gerade ein leicht trotziger Rückzug, ich meide zum Teil Gespräche, aus Angst, es geht wieder nur um Corona, (obwohl ich mich ja selber viel medial mit dem Thema beschäftige) und wenn ich spazieren gehe, suche ich gezielt einsame Orte… (was am Sonntag gar nicht so einfach war) ich habe Sehnsucht nach der Welt, wie sie war und kann mich mit dem jetzigen Zustand einfach nicht anfreunden. Aber gut, wer kann das schon, sage ich mir und versuche mir Mut zu machen für die Wochen die da kommen.

Jetzt werde ich erstmal wieder mein Buch zur Hand nehmen und in fremde Welten eintauchen …bis ich schlafen gehe…und morgen ist wieder ein neuer Tag, in dieser inzwischen auch recht fremden Welt…

Ich wünsche Euch einen schönen Abend und viele gute Ideen für die Zeit daheim…

Eure Merle