Ausgangsbeschränkungen – Tag 11

Liebe LeserInnen, heute melde ich mich mal etwas früher… ich habe drei Meldungen gelesen, die mich – auf sehr unterschiedliche Weise – sehr berührt haben. Die erste Nachricht ist keine gute, aber ich bin froh, dass es endlich in den Medien angesprochen wurde, ich hatte schon verwundert darauf gewartet, dass darüber berichtet wird. Heute um 09:16 Uhr der Eintrag im Liveblog der Tagesschau:

„Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat höhere Hartz-IV-Sätze gefordert und vor einer „Verelendung“ in Teilen der Gesellschaft gewarnt. „Von den Rettungspaketen für die Unternehmen kommt im Kellergeschoss der Gesellschaft wenig an“, sagte der Kölner Politikwissenschaftler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Corona-Krise wirke „sich nicht allein auf die Immunschwachen, sondern auch auf die Einkommensschwachen fatal aus. Tafeln schließen und Bettler bekommen nichts mehr, weil die Straßen leer gefegt sind und alle eine Infektion fürchten. Damit wird die ohnehin brüchige Lebensgrundlage der Ärmsten vollends zerstört.“

Butterwegge betonte: „Werden für die Allerärmsten, Obdachlose, Drogenabhängige und Transferleistungsbezieher keine Rettungsschirme aufgespannt, kann es in dieser Personengruppe zu einer seit der unmittelbaren Nachkriegszeit nie mehr gekannten Verelendung kommen.“

Ich habe zwar in unserer Stadt schon ein kleines Gabenzäunchen für Obdachlose gesehen, aber das kann es ja nicht gewesen sein. Darüber hinaus gibt es in meiner Nähe einen Park, in dem sich seit Jahren eine Gruppe Drogenabhängiger trifft – die ich nun beim Vorbeigehen immer wie Falschgeld rumlaufen sehe. Die Polizei versucht, die Ansammlung dauerhaft aufzulösen, was aber nicht gelingt. Ich frage mich: sollen die Suchtkranken jetzt alle auf kalten Entzug gesetzt werden? Die Caritas hat in München schon ihr Beratungsangebot rein auf online und Telefon umgestellt, ich weiß nicht, welche Anlaufstellen es gerade noch gibt. (Wer jetzt denkt, ach, die Süchtigen sind doch selber schuld, ebenso Obdachlose – dem sage ich erstens: Sucht ist eine Krankheit und zweitens: geh in ein Obdachlosenasyl, schau es Dir genau an und spreche mit den Menschen…!)

Während große Konzerne ihre Miete nicht mehr zahlen und auf staatliche Unterstützung hoffen können, sehe ich momentan nicht, wie den von Butterwegge genannten Gruppen geholfen wird – das sollte sich dringend ändern!

Eine andere Nachricht, die mich maßlos ärgert, ist der Aufruf des bayerischen Innenministers Herrmann an die Bürger, man solle mehr „Sozialkontrolle“, vulgo Überwachung, über seine Mitbürger ausüben. Da die Polizei nicht überall sein könne, sei sie darauf angewiesen, dass die Menschen Verstöße gegen die Maßnahmen der Ausgangsbeschränkung melden (gelesen auf ntv am 31.3.2020). Geht’s noch? Bin ich der Hiwi der Polizei und sollen wir jetzt alle zu Denunzianten werden? Herr Herrmann, das ist mal ein richtig tiefer Griff ins Klo! In diesen Zeiten auch noch Misstrauen unter den Menschen zu sähen, ist echt das Allerletzte!

Und nun zu einer ganz anderen Art der Meldung, die von sehr viel Humor und Einfühlungsvermögen zeugt – und die wirklich eine gute Nachricht ist 😉

Die Münchner Polizei nahm sich der Frage eines Kindes an, das wissen wollte, ob der Osterhase auch von den Ausgangsbeschränkungen betroffen ist. Die Anfrage und Antwort findet Ihr unter folgendem Link: Polizei München
Ich sage nur: Ostern ist gerettet!

Und damit wünsche ich Euch noch einen schönen, sonnigen Dienstag, vielleicht bis später!

Eure Merle

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 10

Ich habe mir wirklich Mühe gegeben und auf allen möglichen Nachrichtenseiten im Netz nach einer guten Nachricht gesucht  – die einzige, die ich finden konnte, ist aus der Politik: der alte Oberbürgermeister der Stadt München ist auch der neue. Herr Reiter setzte sich in der Stichwahl vom 29.3. mit über 70% der Stimmen gegen die CSU-Kandidatin Frau Frank durch, bei einer Wahlbeteiligung von 50%. Persönlich freut mich aber besonders, dass die Grünen mit 23 Sitzen die stärkste Fraktion im Münchner Stadtrat sind. Leider hat die Afd bei der Wahl am 15.3. auch drei Sitze erringen können… aber man kann eben nicht alles haben.

Ansonsten sind die Nachrichten des Tages deprimierend wie auch die letzten Tage. Bayern hat heute offiziell die Ausgangsbeschränkungen bis zum 19.4. verlängert und Herr Kretschmann liebäugelt mit der Idee, wie auch in Österreich eine Mundschutzpflicht beim Einkaufen einzuführen. Interessieren würde mich, wo er die Masken herbekommen will. (Interessant auch die Meldung, dass die WHO davon abrät, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst erkrankt ist. Angeblich seit die Gefahr der Ansteckung durch falsche Handhabung des Mundschutzes gegeben. Tagesschau Liveblog vom 30.3.20) Aber vielleicht sitzen wir ja bald alle zu Hause und fertigen uns den Mundschutz selbst aus Baumwolle und Kaffeefiltern oder Staubsaugertüten. Persönlich habe ich kein Problem damit, einen Mundschutz zu tragen, ich frage mich nur, ob das nicht angesichts des ohnehin einzuhaltenden Sicherheitsabstands etwas übertrieben ist? Aber gut, am Mundschutz soll’s nicht scheitern.

A propos Scheitern. Heute bin ich grandios gescheitert im Einhalten meiner Tagesstruktur. Bin um 8:00 aufgestanden, habe mir Kaffee gemacht und Kaffee gemacht und Kaffee… und bin sage und schreibe 3 Stunden im Internet versackt, während ich nebenbei Koffein und Nikotin zu mir nahm. Kein guter Start in den Tag, der sich deshalb auch entsprechend zäh weiter entwickelte. Immerhin habe ich zwar heute auch zwei ansehnliche Bilder zustande gebracht und war auch draußen in der Sonne, aber wenn man schon die ersten Stunden im www-Sumpf herum watet, zieht man den lähmenden Effekt des virtuellen Konsumierens wirklich mit sich herum. Merke: Nachrichten nur noch 2x täglich und nicht vor Mittag.

Ansonsten kann ich mich noch nicht daran gewöhnen, dass es jetzt abends länger hell ist – ich brauche immer ein wenig nach der Zeitumstellung um auch mich selbst umzustellen. Gab es da nicht mal ein Vorhaben, diese Zeitumstellerei aufzugeben? Weiß jemand, was daraus geworden ist? Und welche Zeit ist eigentlich die „richtige“ ? Die Sommer- oder die Winterzeit? Fragen über Fragen…

Ja, meine lieben LeserInnen, heute ein etwas kürzerer Beitrag… in Anbetracht der Umstände muss man ja auch konstatieren, dass nicht so richtig viel passiert dieser Tage wenn man nur zu Hause hockt – und bevor sich die lange Weile als Stuss in meinen Blog einschleicht, fass ich mich lieber kürzer.

Seid herzlich gegrüßt und haltet Euch senkrecht,

Eure Merle

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 9

Nun sitze ich seit gefühlt drei Stunden (Realzeit 30 Minuten) vor dem Laptop und überlege, was ich schreiben möchte. Denn leider weiß ich im Moment nur, worüber ich nicht schreiben möchte, und das ist Corona. Nur leider fällt mir nichts ein, was nicht über die eine oder andere Verbindung doch wieder bei dem Virus landen würde. Ich könnte über das Wetter schreiben. Ist heute schlecht, bedeckt, Regen… keine Lust zum spazieren gehen. Hm, damit abgehakt. Heute fällt mir im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf. Nicht nur, weil ich so recht nichts mit mir anzufangen weiß sondern auch und vor allem, weil meine über mir wohnende Nachbarin seit der Ausgangsbeschränkung offenbar ein noch tieferes Bedürfnis als sonst hat, ihre Wohnung umzugestalten. Das geht mit ständigem Möbelrücken einher, welches sich anhört, als würden selbige gleich durch die Decke zu mir runter plumpsen. Ich habe keine Vorstellung davon, wie es in der Wohnung aussieht – es hört sich an, als gäbe es zig Stühle und Tische, die allesamt in jeder errechenbaren Kombination aufgestellt werden müssen. Nur um sie dann wieder so hinzustellen, wie sie vorher standen. Ich habe große Empathie für Menschen, die an nervöser Unruhe leiden. Aber ich habe noch mehr Empathie für deren Nachbarn, zumindest wenn die Möbel offenkundig keine Filzpolster an den Beinen haben. Es ist nicht so, dass ich die Dame nicht schon vor längerem gebeten hätte, ihren Stühlen und sonstigem beweglichen Mobiliar doch bitte Filzschuhe zu verpassen. Jaja, das macht sie. Pustekuchen, die Lärmbelästigung ist um keinen Deut geringer geworden. Und da ich ja nun seit 9 Tagen deutlich mehr Zeit als üblich zu Hause verbringe, bekomme ich jetzt täglich die volle Packung ab. Das….nervt!

Genauso wie mein anderer Nachbar seit der Maßnahmen abends gegen 19:30 beginnt, laut Musik zu hören. So laut, als stünde das Radio in meiner Wohnung. Es begann mit Swing aus den 50er Jahren, was ja noch geht, ging am nächsten Tag mit Schlager weiter – was gar nicht geht – und wurde dann zu so einer Art von Heimatmelodien… man hat mich schon darauf aufmerksam gemacht, dass es noch schlimmer kommen könnte: Metal oder Volksmusik…brrrrr….daran will ich gar nicht denken! Bisher habe ich mich nicht beschwert, weil das Getöse dankenswerter Weise spätestens um 21 Uhr wieder aufhört und weil ich davon ausgehe, dass der alte Herr auch ziemlich unter der Isolation leidet…ich denke, ich werde erst bei Metal einschreiten, wobei ich ihm das eigentlich nicht zutraue. Andererseits, wer weiß, wozu die Ausgangssperre die Menschen noch treibt!

Doch nun zu meiner täglichen Aufgabe, eine gute Nachricht zu finden. Vielleicht ist es zu früh am Tag, aber ich habe keine gefunden. Todeszahlen und Infiziertenzahlen wohin das Auge reicht. Die von Bund und Ländern beschlossenen Finanzhilfen, die ab Montag abrufbar sind, kann ich leider nicht zu den guten Nachrichten zählen, weil ich die Beträge ehrlich gesagt etwas mickrig finde: Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten bekommen eine Einmalzahlung von 9000 Euro für drei Monate und Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten 15.000 Euro. (Live-Ticker Tagesschau) Das macht bei 5 Beschäftigten 600 Euro pro Monat und Person bzw. bei 10 Beschäftigten 500 Euro pro Monat und Person. Ich könnte nicht einmal meine Miete damit zahlen.

So, und aus gegebenem Anlass habe ich heute im ABC der Gefühle über die Langeweile gelesen und folgende, schöne Beschreibung bzw Erklärung gefunden:

„Ich bin eine Stimmung, die sich breit macht. In mir schlummert das Interesse. Ja, es ist da, aber es weiß nicht, in welche Richtung es sich bewegen soll. Also schläft es und sammelt Kräfte. Das ist meine Funktion: Kräfte sammeln und auf Beute lauern, auf etwas lohnenswert Interessantes. Manchmal ist das Interesse einfach erschöpft und verwirrt. Das alte Interesse ist nicht mehr da und das neue noch nicht sichtbar. Dann braucht es eine schöpferische Pause, das bin ich. Wenn man mich lässt, taucht schon ein neues Interesse auf. Nur wenn man mich unbedingt weghaben will, dann werde ich störrisch und verteidige mich.“ (Baer und Frick-Baer: ABC der Gefühle, Weinheim 2008, Beltz Verlag, Seite 50)

Obwohl ich theoretisch sehr gut nachvollziehen kann, dass es sinnvoll ist, Langeweile zu spüren und da sein zu lassen, bin ich nicht besonders gut darin. Ich versuche tatsächlich immer relativ schnell, eine Tätigkeit zu finden, die mich aus der Langeweile zieht. Aber ich sehe gute Chancen, dass ich in den nächsten Wochen sehr viele Übungsgelegenheiten haben werde, die Langeweile einfach mal sich ausbreiten zu lassen und sie bewusst nicht „wegmachen“ zu wollen… mal sehen, was sich daraus dann ergibt…

Für heute sag ich Tschüß, habt noch einen schönen Abend und bleibt gesund!

Eure Merle

 

 

 

 

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 8

Heute möchte ich nicht über Corona nachdenken und auch nicht darüber schreiben. Nein, es reicht, dass heute verkündet wurde, die Maßnahmen werden bis mindestens 20.4.20 gelten. Das gibt mir schwer zu denken, aber, das war es jetzt auch zu dem Thema.

Ich sitze jetzt seit einer Stunde mit meinem Laptop in der Küche und höre mir ein Klavierkonzert von Igor Levit an, der gestern Abend Schostakowitschs 24 Präludien und Fugen gespielt hat. Nein, auf sowas komm ich nicht von selber, meine liebe Freundin A. hat mir den Hinweis gegeben und da ich seit Silvester (!) nicht mehr bewusst Musik gehört habe, dachte ich mir, das höre ich mir jetzt an. Es ist nicht „meine“ Musik, aber es ist enorm, wie sie trotzdem meine Stimmung beeinflusst. Das hätte ich nicht gedacht. Im Moment bin ich ziemlich traurig, aber das macht nichts. Das Konzert ist ja noch nicht zu Ende 🙂 Jedenfalls ist es sehr bereichernd, mal wieder etwas völlig Neues zu hören, das kann ich nur empfehlen! Ich fürchte, ich bin, was Klassik angeht, sehr unbewandert – aber gerade deshalb ist es dann immer etwas Besonderes, wenn ich mich doch mal daran wage…

Ja, und dann hatte ich ja noch meinen Tagesvorsatz zu erfüllen, jeden Tag eine gute Nachricht zu finden. Eine „Nachricht“ im eigentlichen Sinn habe ich nicht gefunden, aber dafür hervorragende Naturphotografien, die ich Euch nur ans Herz legen kann:
Spiegel Naturphotografien. Es sind ganz erstaunliche und wunderbare Bilder dabei, die einem mal wieder die Schönheit unseres Planeten verdeutlichen. Davon kann man eigentlich nie genug bekommen, finde ich.

Achtung Themensprung: Die Erfüllung eines Traums von mir ist in greifbarer Nähe! Ich wollte schon immer mal Dungeons and Dreagons (ein Rollenspiel) spielen – und siehe da, meine Freundin J. hat da auch Lust drauf und hat heute ein „Starterkit“ bestellt… ich bin wahnsinnig gespannt, freue mich wie Bolle und habe mir schon überlegt, was ich für ein character sein möchte. Wobei ich noch gar nicht weiß, ob bzw. was da ausgewürfelt wird oder ob ich mich gänzlich selbst entwerfen darf… ich weiß überhaupt nicht viel von den Regeln, aber da ich eben ein Fantasy-Fan bin und die Vorstellung, ein Merlin, ein Triton oder Centaur oder sonstwas sein zu können, einfach nur witzig finde, stell ich’s mir ziemlich gut vor. Wir brauchen dann nur noch ein paar Mitspieler, aber das wird sich bestimmt finden. Wir werden zwar in diesen Zeiten über Skype spielen müssen, aber auch das macht ja nix. *Freu*

Und nun noch zu etwas gänzlich anderem. Ich habe begonnen, mich durch eine „Gefühlsbibliothek“ zu lesen, das ist eine Reihe an Büchern von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer über die wichtigsten Gefühle des Menschen. Sie werden erklärt, erläutert und illustriert und der kompetente Umgang mit ihnen beschrieben. Ich finde, es gibt da eine ganze Reihe an erhellenden Passagen und ich möchte in loser Reihenfolge daraus zitieren. (Heute: Band 1: Das ABC der Gefühle, Weinheim 2008, Beltz Verlag, Seite 96)

„Würde: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – so steht es geschrieben. Doch das ist unwahr. Sie sollte unantastbar sein, doch sie ist es nicht. Die vier großen Geißeln Gewalttätigkeit, Erniedrigung, Beschämung und Missachtung kämpfen gegen die Würde und versuchen sie zu zerstören. Doch ich, das Gefühl der Würde, halte dagegen. Ich lasse mich nicht vernichten, sosehr auch diese Geißeln darauf aus sind. Denn ich habe Verbündete: die Liebe, die Sehnsucht, den Eigensinn, ja fast alle Gefühle. Menschen, die ihre Gefühle und die anderer würdigen, fühlen auch Würde, die eigene und die anderer. Verbündete zu haben ist wichtig, auch für die Menschen, die ihre Würde verteidigen. Allein sind sie oft zu schwach, allein verlieren sie. Sie brauchen andere Menschen, die solidarisch sind.“

Mit diesem Zitat verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch noch einen schönen Abend und passt gut auf Euch auf!

Eure Merle

 

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 7

Ich fürchte, ich muss eine Beichte ablegen – ich habe es getan – ich habe 2 Packungen Toilettenpapier gekauft. Ich habe einfach keine Lust mehr, mir ständig die Hacken abzulaufen, weil in den Supermärkten in meiner näheren Umgebung nur Klopapier zu Apothekerpreisen zu bekommen ist und in den Drogerien einfach mal nix. Also habe ich heute meinen Radius erweitert und siehe da, in der entfernt gelegenen Drogerie gab es noch ein paar Packungen des wertvollen Produkts und da habe ich zugegriffen. Beschämt. Überlegend. Mit schlechtem Gewissen. – Bis ich mir dachte: geht’s noch? Wegen einer Ware, die im wahrsten Sinne des Wortes für den Popo ist, jetzt einen innerpsychischen Ethikrat aufzumachen? Nä, nicht mit mir. Und als ich mit den beiden Packungen nach Hause lief, fühlte es sich schon nicht mehr schlimm an… 😉 Ich geb auch gern was ab, sollte mich aus meinem Freundeskreis ein Hilferuf erreichen…

Eine Meldung auf ntv, die mich heute besonders gefreut hat: in der sardischen Stadt Cagliari und in Triest wurden in den Hafenbecken nach langer Zeit einmal wieder Delphine gesichtet. Diese Tiere leiden besonders unter Schifffahrtslärm und haben sich offenbar aufgrund der „Ruhe im Meer“ nun wieder in die Nähe der Ufer gewagt. Was für eine schöne Nachricht! Und die Tagesschau meldet in ihrem Live-Ticker, dass die europäische Raumfahrtagentur einen Rückgang der Luftverschmutzung in Europa konstatiert. Es wurden ja schon mehrfach Spekulationen angestellt, inwieweit sich die Corona-Krise auf Umweltverschmutzung und Klimawandel auswirkt – wäre es nicht fantastisch, wenn wir alle die zu erwartenden Erholungseffekte der Natur mit Dankbarkeit begrüßen würden und für die Zukunft entsprechende Konsequenzen zögen? Ich wage es kaum zu hoffen!

Ansonsten stelle ich leider fest, dass mich eine gewisse Lethargie befällt. So sehr ich mich bemühe und mir immer wieder die Notwendigkeit der Kontaktsperre vor Augen führe – die zu Hause abgesessene Zeit macht mich mürbe und ich sehne mich nach meinen Arbeitsmöglichkeiten im Atelier. So viel kann ich gar nicht spazieren gehen, als dass mich die weitgehende Isolation nicht bedrücken würde. Und in Bayern lebend darf ich ja auch nur alleine raus. Es wäre einfacher wenn ich wüsste, wann die Maßnahmen ein Ende haben. Aber so auf unbestimmte Zeit, da schleicht sich einfach immer mehr Unmut ein und das Gefühl, vollkommen ausgeliefert zu sein. Die Situation verlangt uns immense psychische Stärke ab – und sehr viel Einfallsreichtum in Hinblick auf die Tagesgestaltung. Mein neuester Vorsatz heißt deshalb: jeden Tag mindestens eine positive Nachricht zu finden. Für heute ist mir das ja schonnmal gelungen.

Gestern half mir dabei eine Freundin, indem sie mich auf eine ganz besondere Website aufmerksam machte: Horx – Die Welt nach Corona. Matthias Horx ist nach eigenen Angaben ein Zukunftsforscher, Publizist und Visionär und stellt in seinem Artikel eine wunderbare Corona-Rückwärts-Prognose vor. Damit ist gemeint, dass man sich vorstellt, man sei bereits am Ende der Krise und betrachte nun, was sich durch diese alles verändert hat. Und was Horx uns da als Zukunftsbild anbietet, ist einfach wunderbar. Der Text macht Hoffnung und nach seiner Lektüre bin ich definitiv optimistischer gestimmt, was  bleibende Veränderungen angeht. Und ich finde die Methode „Gegenwartsbewältigung durch Zukunftssprung“ sehr empfehlenswert, denn darüber nachzudenken, was sich alles zum positiven gewendet haben wird, ist allemal besser als darüber zu brüten, wie lange die Kontaktsperre noch gilt.

Ihr seht, ich arbeite täglich daran, der Lage etwas Gutes abzugewinnen bzw. meinen ohnehin nicht sehr ausgeprägten Optimismus zu hegen und zu pflegen… bis jetzt klappt’s noch ganz gut… 😉

Damit wünsche ich Euch allen einen schönen Abend und gute Ideen für die Gestaltung des Wochenendes!

Eure Merle

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 6

Gestern Abend die Spiegelkolumne von Sascha Lobo gelesen, Spiegel-Kolumne Sascha Lobo, und darin einen interessanten Satz gefunden: Angeblich hat die Bundeskanzlerin in kleiner Runde Bedenken geäußert, dass es in den kommenden Wochen vermehrt zu Depressionen und Suiziden kommen wird. Sollte das stimmen, bin ich einigermaßen angetan, dass auf hoher Regierungsebene auch die psychischen Folgen der Lage bedacht werden. Allerdings frage ich mich dann auch, was man als Prävention zu tun gedenkt. Die Frauenhäuser schlagen jetzt schon Alarm wegen der zunehmenden häuslichen Gewalt. Ich fürchte, es ist wie auch in anderen Krisenzeiten: die, die ohnehin schon in prekären Situationen leben und die schwächsten der Gesellschaft sind, werden auch in dieser epochalen Krise am meisten leiden. Allerdings, auch das stimmt, es gibt scheinbar eine große Welle der Hilfsbereitschaft vor allem in den einzelnen Vierteln und Nachbarschaftsnetzwerken. Ich hoffe, dies ist kein Strohfeuer sondern eine Bewegung, die längeren Atem hat, denn den werden wir benötigen.

Einstweilen bin ich am Überlegen ob ich auch der Meinung bin, dass dieser Krise Gutes abzugewinnen ist. Die Entschleunigung, die Eltern, die sich wieder mehr mit ihren Kindern beschäftigen, die Besinnung auf das wirklich wichtige im Leben, die Hilfsbereitschaft und Solidarität, der Zwang, zur Ruhe zu kommen und weitgehend auf sich selbst zurück geworfen zu sein (so man denn alleine lebt)…und vieles mehr, was laut Medien alles als positiv zu sehen ist. Ich tu mich ein bißchen schwer damit, ich gebe es zu – nicht, weil ich der Meinung bin, dass das alles Quatsch ist sondern weil ich mir nicht sicher bin, ob das anhaltende Veränderungen bewirkt oder ob wir all das „Gute“ schnell wieder vergessen, wenn die Krise denn mal irgendwann vorbei ist. So gesehen leben wir tatsächlich in höchst „spannenden“ Zeiten.

Doch nun zu leichteren Themen: Weil sie gerade so schön elegant neben meinem Laptop liegt: habe versucht, zu Hause mit Acryl zu malen – und feststellen müssen, dass das gar nicht geht. Meine Katze ist der dringenden Meinung mitmalen zu wollen und tappst sofort in die Farben auf dem Teller…ich müsste sie also anschließend immer duschen oder gleich scheren… da ich beides nicht so doll finde, lasse ich das mit dem Acryl zu Hause lieber. Wer jetzt denkt, dann sperr halt die Katze aus dem Zimmer aus. Jahaaa, schöne Idee! Aber meine Katze ist es gewohnt, keine verschlossenen Türen vorzufinden und wenn ich doch mal eine schließe, sitzt sie (im Zweifelsfall über Stunden) davor und jault aus tiefster Seele und kratzt solange an der Tür, bis man ihr Einlass gewährt. Nein, unter solchen Umständen kann man nicht kreativ arbeiten. Da muss ich mit meinen Acryl-Ideen leider warten, bis das Atelier wieder öffnet…*Schade*

Zum guten Schluß noch eine „Empfehlung“ der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie:

Liebe Mitbürger/Innen
Dass Sie in der Quarantäne mit Ihren Tieren, Pflanzen oder Haushaltsgeräten reden, ist völlig NORMAL. Deswegen müssen Sie sich nicht bei uns melden. Eine fachliche Hilfe sollten Sie erst aufsuchen, wenn diese Ihnen anfangen zu antworten.

Besten Dank

Ihre überlasteten Psychiater und Psychotherapeuten

🙂 In diesem Sinne wünsche ich frohe Selbstgespräche und einen schönen Abend!

Eure Merle

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 5

Die Sonne scheint, die Vögel pfeifen, es ist schweinekalt und trotzdem bin ich heute wieder eine große Runde mit meinem Patenhund gegangen und wir haben mit dem größten Schatz des Vierbeiners gespielt, dem Ball… und weil der Hund ein echtes Fußballertalent hat, haben wir nebenbei noch ein kleines Kind erfreut, dass sich – mit mehreren Metern Abstand an Mamas Hand – herrlich über den kickenden Hund amüsiert hat. Das war ein schöner Start in den Tag.

Ansonsten habe ich heute ein paar wichtige Amts-Telefonate geführt, Emails geschrieben und war einkaufen, weil ich gestern etwas vergessen hatte – und musste dabei an das Dorf in Spanien denken, in dem man jetzt nur noch ab einem Mindestwert von 30€ einkaufen darf. Diese Maßnahme soll verhindern, dass Leute mehrmals täglich zum Supermarkt gehen. (Gelesen gestern auf dem live-Blog der Tagesschau) Man sieht, es geht immer noch einen Ticken krasser. Derweil fordert der Oberbürgermeister von München, Herr Reiter, eine gesonderte Einkaufszeit für Risikogruppen. Und das Parlament hat heute beschlossen, dass zur Beschlussfähigkeit nur noch ein Viertel der Abgeordneten anwesend sein muss (im Normalfall muss die Hälfte der Parlamentarier anwesend sein). Und so habe ich auch heute wieder mit einer Mischung aus Faszination und Grauen viel zu viele Nachrichten gelesen, wobei ich langsam eine gewisse Distanz zu den Ereignissen entwickle, mich aber dennoch frage, wie unsere Welt in einigen Wochen oder Monaten aussehen wird. Besonders wenn ich an Afrika oder Indien denke, läuft es mir kalt den Rücken hinunter.

Für alle Interessierten füge ich heute einen Link zu einer Petition bei:

Petition Bedingungsloses Grundeinkommen

Hier geht es darum, statt mit Stückwerk und Hilfskrediten den Selbständigen und Freiberuflern und anderen Gruppen, die durch die Corona-Krise in den finanziellen Ruin rutschen, mit einem 6-monatigem Grundeinkommen über die Zeit der finanziellen Ausfälle zu helfen. Das Ziel sind 500.000 Unterschriften, wobei schon weit über 300.000 Unterschriften zusammen gekommen sind.

Außerdem habe ich mich heute gefragt, ob es nicht gut wäre, auf der Antarktis-Forschungsstation Neumayer III zu sein – diese ist bis Ende Oktober des Jahres komplett von der Welt abgeschnitten, da kommt angeblich nicht einmal ein Flugzeug in der Zwischenzeit vorbei. Normaler Weise überfällt mich ja das schiere Grausen, wenn ich mir vorstelle, auf so einer Forschungsstation zu sein, aber unter den gegebenen Umständen wäre das vielleicht gar nicht mal so schlecht. Man hat dort  Lebensmittelvorräte für zwei Jahre (!) und Angst vor Ansteckung muss man dort auch nicht haben…allerdings könnte das Klopapier knapp werden *lach*.

Ja, meine lieben LeserInnen, das war es von mir für heute – ich wünsche Euch einen schönen Abend und verliert nicht den Humor…

Liebe Grüße

Eure Merle

 

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 4

Ich bin genervt, undzwar gehörig. Und daran bin ich selber schuld – ich könnte einfach aufhören, Nachrichten zu lesen, könnte mich mit einem Buch einigeln, sollte im Telefonat mit Freunden andere Gesprächsthemen suchen… aber es gibt sie nicht! Dem Virus ist kein entkommen, so oder so. Wenn ich draußen bin, fällt mir auch ständig auf, was alles anders ist; denke ich unaufhörlich daran, ja genügend Abstand zu den wenigen Mitmenschen zu halten; sehe ich überall Schilder, die entweder eine Schließung verkünden oder aber zu Abstand gemahnen. Und neben meinem erhöhten Kaffeekonsum konstatiere ich auch, dass ich mehr rauche (aus Langeweile) und mehr Geld für Lebensmittel ausgebe. Ich belohne mich mit kleinen Leckerbissen, die ich mir aber eigentlich gar nicht leisten kann. Ich muss mich dringend wieder mehr in Disziplin üben. Oder ich frag doch noch die Bauarbeiter vorm Haus, ob ich mithelfen kann… 😉

Interessant finde ich die Debatte, die nun über die Rechtmäßigkeit der am Sonntag beschlossenen Maßnahmen aufkommt. Die FDP erinnert sich düster an ihren liberalen Auftrag und fordert – zu Recht! – mehr Mitsprache des Parlaments, Juristen weisen auf die dünne Rechtslage hin, aufgrund derer das Versammlungsrecht, das Recht auf persönliche Freiheit und Handlungsfreiheit, die Religionsfreiheit und das Recht auf Eigentum massiv eingeschränkt wurden. Und diese Dinge wurden nicht im üblichen Gesetzgebungsverfahren beschlossen sondern mehr oder weniger par ordre du mufti. Das bereitet mir ziemliche Bauchschmerzen, da vor allem keine zeitliche Begrenzung gesetzlich festgelegt wurde. Man muss kein Rechtsexperte sein um zu sehen, dass hier enorm wichtige Prozesse der Demokratie übergangen wurden. Werden hier Präzedenzfälle geschaffen, die die Hemmschwelle für zukünftige Krisen herabsetzen? Auch die geplante Änderung der Beschlussfähigkeit des Parlaments, wonach deutlich weniger Abgeordnete anwesend sein müssen um ein Gesetz zu beschließen, finde ich fragwürdig.

Ja doch, Handlungsfähigkeit ist wichtig – die Grundfesten unserer Demokratie aber auch!

Scheinbar finden aber die meisten Leute momentan Klopapier immer noch am wichtigsten. Und Nudeln und Konserven. Ich weiß nicht, ob das ein in Umlauf gebrachter Mythos ist, aber eine Bekannte erzählte mir sie habe gelesen, dass in Frankreich Rotwein und Kondome gehortet werden und in Schottland Whiskey…..hmmmm….was sagt das über uns Deutsche aus? Alle noch in der analen Phase? Ach ja, und Kabel und Farben werden in Baumärkten wie blöd gekauft, ebenso Himbeersträucher (???) und Kloschüsseln. Es gibt sogar einen Baumarkt-Tourismus, d.h., Bayern fahren nach Baden-Württemberg, um sich in den dort noch geöffneten Baumärkten einzudecken. Unfassbar.

Aber es gibt auch was Positives zu vermelden: zum einen habe ich auf meiner heutigen Spazierrunde Zettel von Privatleuten gesehen, die ihre Handy-Nummer und Hilfsangebote z.Bsp. zum Einkaufen angeben – und ein mir bekanntes Tattoo- und Piercingstudio hat es sich nach der Schließung zur Aufgabe gemacht, Hilfesuchende und Hilfeanbieter miteinander zu vernetzen. Das sind doch schöne Nachrichten!

Mit diesen verabschiede ich mich für heute und wünsche Euch Gelassenheit und Gesundheit!

Eure Merle

 

 

 

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 3

Nachdem gestern die Stadt wie ausgestorben war, hatte ich mich schon auf Montag gefreut, in der Hoffnung, dass dann wenigstens die Arbeit an den Bauarbeiten, die unsere Straße umgeben, weiter geht. Ich bin schon soweit, dass ich mich über Baulärm freue! Ja, ich hatte sogar kurz den Gedanken, wie toll es wäre, selber Bauarbeiter zu sein, damit ich was zu tun hätte und um Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Das lässt tief blicken.

Aber insgesamt habe ich den Tag bis jetzt ganz gut rumgebracht. Vormittags musste ich zu einem Arzt um ein Rezept zu holen, dabei habe ich gesehen, dass die U-Bahn sehr leer war und auch sonst die Straßen kaum belebt. Die Ausgangsbeschränkungen wirken. Den Gang zur Apotheke hebe ich mir für morgen oder übermorgen auf, damit ich wieder einen Grund habe, aus dem Haus zu gehen. Das sind alles keine weiten Wege, aber eben doch ein kleiner Spaziergang und ein „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ zu einem anderen belebten Wesen.

Als ich am frühen Nachmittag meine Steuererklärung zur Post bringen will, stelle ich zu meinem großen Erstaunen fest, dass diese geschlossen hat. Aus betrieblichen Gründen. (?) Sehr ärgerlich – andererseits noch ein Grund, die nächsten Tage einen Spaziergang zur anderen Postfiliale zu unternehmen. Vom geschlossenen Postamt aus gehe ich zum Drogeriemarkt meines Vertrauens und werde enttäuscht: es gibt meine heißgeliebte Nuss-Nougat-Creme nicht und ob sie diese Woche noch kommt, weiß keiner der Mitarbeiter. Nebenbei bemerke ich, dass alle Regale mit Desinfektions-Produkten und Toilettenpapier leergefegt sind. Aus Neugier frage ich, wann diese Dinge wieder geliefert werden und bekomme die Antwort, das wisse man nicht, es gäbe Lieferschwierigkeiten. Aha. Nun gut, ich habe noch Toilettenpapier und Desinfektionsspray benötige ich zu Hause eigentlich so gut wie nie, also alles ganz entspannt. Wobei ich spätestens an der Kasse merke, dass die Menschen um mich gar nicht entspannt sind, was wohl auch an dem Schilderwust liegt, auf dem steht, man soll Abstand halten. Prompt fährt mir eine Mutter mit Kinderwagen in die Hacken, ich drehe mich um und bitte sie, Abstand zu halten. Ich bin auch nicht mehr entspannt.

Von der Drogerie auf zum Supermarkt, ich möchte noch Humus kaufen. Als ich an der Tür des Ladens ankomme, sehe ich mit Befremden eine kleine Menschenschlange im Eingangsbereich und ein Schild, auf dem steht, dass nur noch 10 Personen gleichzeitig im Laden sein dürfen. Es gibt auch eine Türsteherin die zählt und die Kunden einzeln durchwinkt. Ich stelle mich brav an und komme mir immer seltsamer vor. Aber sicher sind diese Maßnahmen sinnvoll, auch wenn sie erstmal befremdlich wirken. Das gilt auch für die Science Fiction-artigen Barrieren, die der Supermarkt um die Kassen angebracht hat. Es sind Gebilde aus Holzstangen und Plexiglas, die die Mitarbeiter von den Kunden abschirmen, die in dem engen Kassenbereich gar keine 1,5 oder 2m Abstand halten können. Der Einkauf wird durch die Neuerungen ein wenig zu einem surrealen Akt, aber ich finde es gut, dass das Geschäft vor allem seine Mitarbeiter schützen will.

Und während ich normaler Weise den Bus nach Hause nehme, gehe ich heute zu Fuß, um die Sonne und den Wind an meiner Nasenspitze zu spüren und sinniere dabei über diese unsere Zeiten. Ich komme mir mit jedem Tag mehr vor wie in einem schlechten Film und frage mich bang, wann wir wieder mit Normalität rechnen dürfen. Und, ohne Panik machen zu wollen, ich denke darüber nach, wie schnell unsere Freiheitsrechte mal eben aufgegeben wurden und ob es nicht wahrscheinlich ist, dass immer mal wieder so ein Virus ganze Gesellschaften lahm legt. Wieso sollte es bei Covid-19 bleiben?

Ich merke bald, solche Überlegungen sind jetzt nicht hilfreich und genieße lieber die Sonne, die mir auf dem Heimweg ins Gesicht scheint. Zu Hause erwarten mich Kaffee und Kekse, ein paar Emails und Telefonate und mein Buch, es gibt also genug zu tun. Und wer weiß, nachdem ich die Steuererklärung hinter mich gebracht habe, bringe ich vielleicht sogar mal den Elan auf, meine Fenster zu putzen – eine Tätigkeit, die mir ähnlich lieb ist…

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine gute Woche und bleibt gesund!

Eure Merle

 

 

Ausgangsbeschränkungen – Tag 2

UPDATE: Die von Bund und Ländern beschlossenen, gemeinsamen Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus sehen ein Kontaktverbot vor, wonach maximal zwei Personen in der Öffentlichkeit zusammen sein dürfen, ausgenommen Familien und Arbeitsplätze. Darüber hinaus werden alle gastronomischen Betriebe, Friseure und Geschäfte der Kosmetik und Körperpflege geschlossen. In der Öffentlichkeit ist ein Abstand von mindestens 1,5m zu anderen Personen einzuhalten. Sport und Bewegung an der frischen Luft bleiben erlaubt, soweit man alleine oder zu zweit ist. – Wie gut, dass ich in Bayern lebe! Da darf man seit Freitag Mitternacht nur einzeln in die Öffentlichkeit und Herr Söder hat sich auch heute nicht an die Regelungen der anderen Bundesländer angeschlossen. Aber ich bin extrem erleichtert, dass Spaziergänge weiterhin erlaubt sind und die bayerischen Regeln nicht nochmal verschärft wurden! Von daher: ein großes Aufatmen an diesem Sonntag Abend.

Mein Fazit des heutigen Tages bisher: zu früh aufgestanden, konnte aber nicht mehr schlafen, also um sieben Uhr schon den ersten Kaffee getrunken. Ich stelle fest, ich trinke seit gestern Unmengen an Kaffee, als ob der allein getrunkene Koffeintrunk nicht so lange vorhält wie der in Gesellschaft genossene. Bis jetzt – neben Kaffee trinken – war ich spazieren, habe Kreuzworträtsel gelöst und die Wäsche aufgehangen, bin mit dem Staubsauger durch die Wohnung und habe das Katzenklo gereinigt. Und! Ganz wichtig: ich habe meine Steuererklärung fertig gestellt, darauf bin ich besonders stolz.

Außerdem bin ich mit einer Freundin in einen Bilder-Dialog getreten. Jede von uns malt ein Bild und die andere antwortet darauf, undzwar ebenfalls mit einem Bild. Das bringt unheimlich Spaß und ist wirklich inspirierend! Von meiner Seite aus kommen dabei jetzt keine großartigen Kunstwerke zustande, aber ich male und beschäftige mich mit Farben, allein das ist schon ein gutes Mittel gegen Langeweile.

Auf meinem frühen Spaziergang habe ich kaum eine Menschenseele getroffen, das war etwas irritierend, aber die Sonne scheint heute kräftig und das war ein Highlight. Auf dem Rückweg kam ich an einem Café vorbei, in das ich des öfteren gehe und dort habe ich einen (veralteten) Aushang an der Tür gesehen, auf dem stand, dass ab sofort alle Tische, Stühle, Besteck u.a.m. regelmäßig desinfiziert würden, von daher könne es verstärkt nach Alkohol riechen. Aber das seien die Gäste ja gewohnt. „Smiley“. Hmpf, da hat jemand ganz viel Humor.

Einen anderen Aushang hat meine Freundin J. fotografiert und mir geschickt: heute Abend um 18.00 soll es ein allgemeines Fenster-Balkon-Musizieren/Singen geben, undzwar „Freude schöner Götterfunken“. Der Aufruf ist nicht aus meinem Viertel, aber ich werde pünktlich auf meinem Balkon sein und hoffe, ich traue mich zu singen, auch wenn ich die einzige sein werde. Mal schauen.

Während ich rasant froh bin, über mein Handy vernetzt zu sein, ärgere ich mich gleichzeitig, dass ich fast stündlich auf Nachrichtensuche gehe. Man kann es auch übertreiben. Das möchte ich mir dringend wieder abgewöhnen. Allerdings hat das noch Zeit bis morgen, denn derzeit warte ich gespannt auf das Ergebnis der Beratungen der Regierung mit den Bundesländern über weitere Ausgangsbeschränkungen. Werden die Bundesländer einen Teil ihrer Hoheitsrechte einbüßen? Werden sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin auf ein einheitliches Vorgehen festlegen? Und wenn ja, welches?

Zum Schluß noch ein Link auf die Spiegel-Bilder dieser Woche, die ich teils sehr berührend finde:

Spiegel-Bilder der Woche

Habt noch einen schönen Sonntag und passt auf Euch auf!

Eure Merle