Metamorphose

dav

Es heißt zwar oft, der Mensch verändere sich ab einem gewissen Alter nicht mehr, aber eigentlich stimmt das nicht. Wir sind dem ständigen Wandel unterlegen, unsere Zellen erneuern sich (bis sie es irgendwann nicht mehr tun), wir speichern neue Erfahrungen in ihnen ab, wir wachsen an unseren Aufgaben, entwickeln neue Vorlieben oder Abneigungen und unsere Erlebnisse spiegeln sich in unserer Gestalt, die sich mit fortschreitendem Alter ebenfalls verändert. Je nach dem, ob wir an bestimmten Alltagsabläufen festhalten oder eher ein Typ sind, der offen für Neues ist, sieht es zwar vielleicht von Außen so aus, als sei man ein Gewohnheitstier, aber selbst diese Gattung Mensch ist der Veränderung des Lebens unterworfen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Und dann gibt es noch die kleine, alltägliche Metamorphose¹, die wir jeden Morgen durchlaufen, wenn wir aufstehen, uns langsam entknittern, uns duschen und uns präsentabel für unsere Umwelt machen. Je nach dem, was ansteht, wird dann eventuell noch eine Rüstung aus Make-up oder/und Kleidung angelegt und wir fühlen uns wieder wie ein Mensch unter Menschen.

Da ich mich über die Feiertage nicht nur mit David Bowie beschäftigt habe (siehe vorhergehender Beitrag) sondern auch eine größere Aufräumaktion gestartet habe, ist mir ein ca. 15 Jahre altes Bewerbungsphoto von mir in die Hände gefallen – und hat mir einen gehörigen Schreck eingejagt 😉 . Ich habe mich selbst kaum erkannt! Was natürlich auch daran liegt, dass ich entsprechend dem Zweck des Fotos gestylt war und das Bild von einem professionellem Fotografen gemacht wurde – aber dass ich einmal so ausgesehen habe, war mir glatt entfallen. Und dieses Bild hat mir bewusst gemacht, wie sehr ich mich über die Jahre auf allen möglichen Ebenen verändert habe. Meine Weltsicht, meine Prioritäten, mein Freundeskreis, mein Geschmack und so weiter und so fort… Wenn mir damals jemand gesagt hätte, wie mein Leben heute aussieht, hätte ich ungläubig gelacht – im positiven wie im negativen Sinne – und hätte es nicht für möglich gehalten.

Wir verändern uns, ob wir es wollen oder nicht. Wir passen uns auch an äußere Veränderungen an oder fliehen vor ihnen, jedenfalls reagieren wir darauf und müssen uns immer wieder neu einrichten. Ich bin davon überzeugt, dass kein Mensch so isoliert leben kann (wenn er innerhalb der Gesellschaft lebt), dass er oder sie sich dem Wandel entziehen kann.

Einerseits finde ich das großartig. Es zeugt auch davon, wie flexibel unser menschliches Gehirn und Herz ist und was wir alles aushalten können. Andererseits ist Wandel etwas erschreckendes und lässt mich persönlich nach stabilen Säulen in meinem Leben suchen. Denn auch das ist wahr: der Mensch liebt Bekanntes und Gewohntes und ist nur in bestimmtem Ausmaß fähig, mit Umwälzungen im Leben umzugehen. Aus der Depressionsforschung weiß man heute, dass zum Beispiel Todesfall, Beziehungsende oder Umzug die häufigsten Ursachen für eine reaktive Depression sind. Brechen wichtige Säulen im Leben weg, kommt das individuelle System oft nicht nach und wird lebensmüde.

Eine große Kunst des Lebens ist es also, mit der Veränderung zu leben und sich an immer wieder neue Lebensumstände anzupassen. Wir gestalten täglich unsere eigene Metamorphose und kreieren so uns selbst, als Individuum mit unendlich vielen Facetten, Aspekten und Erfahrungen. Und während ich das bedenke, kommt mir ein zweiter, wichtiger Gedanke: wie unglaublich toll es ist, bei aller Veränderung Menschen um sich zu haben, die einen schon seit Jahren oder Jahrzehnten begleiten. Dass Freundschaften oder Beziehungen über lange Strecken tragen, obwohl  man sich vielleicht sogar in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat, empfinde ich als großes Glück und kleines Wunder. Wohl wissend, dass das nicht immer funktioniert, bin ich also gebührend dankbar für alle jene, die schon lange Teil meines Lebens sind.

Und so nähere ich mich dem Jahresende mit ziemlich emotional geprägten Betrachtungen über meinen bisherigen Weg und bin gespannt, was das neue Jahr mir bringen wird und wie ich damit umgehen werde.

Und so wünsche ich Euch allen einen wohligen Jahresausklang und verbleibe herzlich

Eure Merle

 

 

 

¹Mir ist bewusst, dass ich den Begriff Metamorphose in diesem Beitrag nicht korrekt verwende, da er in der Regel eine weitaus tiefgreifendere Wesensänderung bezeichnet (mythologisch von Mensch zum Tier z.B.), ich erlaube mir diesen hier jedoch ironisch bzw. absichtlich überzeichnend zu benutzen.

Ground Control To Major Tom

dav

Hallo Ihr Lieben,

ich hoffe, Ihr habt alle Weihnachten genossen oder doch zumindest gut herum gebracht!

Ich hatte sehr viel Zeit und Muße über die Feiertage und habe meine Platten,- und Filmesammlung mal wieder mehrerer Blicke gewürdigt – und bin bei David Bowie hängen geblieben, unter anderem, da sich dessen Todestag am 10. Januar jährt und mich das doch etwas traurig macht. Man muss dazu wissen, dass ich David Bowie seit meinem 14. Lebensjahr verehrt habe und einige Jahre meiner Jugend das Sammeln seiner Platten, Filme und sonstiger Devotionalien und Konzertbesuche einen großen Teil meines Lebens ausmachten. Ich war ein eingefleischter Fan und finde noch heute, dass er ein absoluter Ausnahmekünstler war, der ruhig noch ein paar Alben hätte herausbringen dürfen…!

Jedenfalls fand ich in meiner „Bowie-Kiste“ den Film „Der Mann der vom Himmel fiel“  (Regie Nicolas Roeg, 1976) wieder und kann nicht anders als hier davon zu schwärmen. Bowie spielt einen Außerirdischen, der in den USA landet und ein Technik-Imperium aufbaut, mit dem (zunächst) heimlichen Ziel, ein Raumschiff zur Rettung seiner auf dem Heimatplaneten zurück gebliebenen Familie zu bauen, denn dort herrscht eine absolute Dürre. ACHTUNG SPOILER! Newton scheitert und wird, nach dem Verrat eines seiner Vertrauten, von Wissenschaftlern nach allen Regeln der Kunst untersucht, auseinander genommen und endet schließlich als blinder Alkoholiker, in den USA für immer festsitzend. – Ich wüsste nicht, wer diesen Außerirdischen besser hätte verkörpern können als Bowie in den 70ern! Die extreme Fragilität, der durch die verschiedenen Augen seltsame Blick und seine Stimme lassen ihn tatsächlich außerweltlich erscheinen – sehr schön die Szene, in der er die menschlichen Augen als künstliche Linsen mit einer Pinzette aus dem Auge holt und die darunter liegenden katzenähnlichen Augen zum Vorschein kommen 😉 Und wie passend, dass sein erster großer Hit im Jahr 1969 der Song „Space Oddity“ war, das von dem Raumfahrer Major Tom erzählt, der im All verlustig geht…

Das obige Bild hatte ich übrigens schon vor ca. 2 Jahren begonnen, es war ursprünglich ein Portrait einer Frau; dann kam ungeplant das Gegenüber dazu und irgendwann wurden aus den beiden die zwei Gestalten, die sie jetzt sind. Es ist eine kleine Homage an Bowie geworden und heißt jetzt deshalb auch „Major Tom and His Wife.“

Wer Lust hat, sich ein wenig in die Musik von Bowie reinzuhören, dem empfehle ich dringend einige Alben aus den 1970ern, so zum Beispiel Aladdin Sane, David Live oder Young Americans, aber auch die Trilogie Low, Heroes und Lodger ist wunderbar. Es ist ein bißchen wie eine Zeitreise, aber gleichzeitig ist diese Musik auch zeitlos. Diese Platten gehören jedenfalls zu meinen absoluten Favoriten, immer noch.

Doch bevor ich jetzt zu sehr ins Schwärmen gerate, ende ich lieber an dieser Stelle und wünsche Euch noch einen schönen Samstag!

Liebe Grüße
Merle

 

Bin ich alt?

dav

Ich mag meinen homöopathischen Arzt; doch wirklich, ich schätze ihn sehr und ich gehe gerne zu ihm, nicht nur, weil er ein sehr gescheiter Gesprächspartner ist sondern ich ihn auch sympathisch finde und fast jedes Mal etwas neues dazu lerne. Aber ein Thema gibt es, da hat er mich neulich nun schon zum zweiten Mal auf dem falschen Fuß erwischt. Er sagte doch glatt zu mir: „Sie sind ja SCHON 45 Jahre alt!“ Und ein paar Monate zuvor hieß es: „Sie werden ja auch immer älter und sind nicht mehr die Jüngste!“ Wie bitte??!! Also um es deutlich zu sagen: mir geht es nicht um Höflichkeit oder Etikette, à la: eine Dame spricht man nicht auf ihr Alter an. Nein, darum geht es nicht. Ich bin ein wenig erschüttert, weil ich mich in keinster Weise alt fühle und mich die Zahl vor meinem Alter bisher immer kalt gelassen hat. Es ist das erste Mal, dass mich jemand durch die Blume „alt“ genannt hat und mir klein gedruckt mitteilen wollte, dass meine Kräfte nachlassen würden und ich nicht mehr alles mit meinem Leben anfangen könne. Und ich fühle mich dadurch, nunja, irgendwie falsch eingestuft. Wenn das nochmal so zur Sprache kommt, werde ich meinen Standpunkt kundtun – dass man nämlich höchstens so alt ist, wie man sich fühlt, und da bin ich bei etwa 30 Jahren. Netter Weise ist es auch so, dass ich durchaus öfter um ca. 10 Jahre jünger geschätzt werde, die grauen Haare halten sich sehr in Grenzen.  Ich habe auch noch keine körperlichen Zipperlein (die bisweilen beim Treppensteigen auftretende Kurzatmigkeit ist wohl doch eher aufs Rauchen zurück zu führen…) und habe, das ist das für mich Entscheidende, immer noch das Gefühl, dass ich mit diesem Leben alles anfangen kann, was ich möchte. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine besten Jahre vorbei sind oder dass ich bestimmte Dinge nicht mehr werde erreichen können. Im Gegenteil, ich habe ein Lebensgefühl, nachdem mir das Beste noch bevor steht. Ich bin also nicht alt!

Aber, und darüber habe ich anlässlich der Worte meines Arztes intensiv nachgedacht, wann ist man eigentlich alt und gibt es tatsächlich Dinge, die man ab einem bestimmten Alter nicht mehr tut? Zum Beispiel sich bunt und frech kleiden, sich tätowieren oder piercen lassen, in einen Club tanzen gehen, Nacktbaden, sich einen Liebhaber zulegen, den Führerschein machen, auf Weltreise gehen, ein Buch schreiben und und und… na, irgendwas dabei, was im Alter nicht mehr geht oder „unschicklich“ ist? Wohl kaum! Mein persönliches Fazit des darüber Sinnierens ist, das erlaubt ist, was gefällt und wozu ich gesundheitlich in der Lage bin. Dass Gesundheit bzw. die körperliche Verfassung mit dem älter werden oft problematischer wird, scheint mir tatsächlich so zu sein – muss es aber nicht, da kann man ja auf vielerlei Art und Weise vorbeugen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass meine regelmäßigen Spaziergänge und Kreuzworträtsel lösen zu den Dingen gehören, die mich auch jung halten werden, ebenso wie meine Freundschaften zu jüngeren Mitmenschen 😉

Passend zum Thema habe ich übrigens obiges Bild eingestellt – ich nenne es Herbst, und der sieht bei mir so aus, wie es mir gefällt. Ich wüsste nicht, warum mein Alter mich von irgendetwas abhalten sollte. Dass ich mit 70 keine Ausbildung mehr anfangen kann, ja, das ist wohl so – mit 50 aber durchaus noch, da wäre ich zwar ein seltener Fall, aber nicht der einzige. – Natürlich denke ich bisweilen darüber nach, wie es mir in 20 oder 30 Jahren gehen wird. Schon allein, weil in meiner Familie Demenz vorkam und weil mein Partner in einem Altenheim arbeitet; da werde ich regelmäßig mit Geschichten über das mehr oder weniger würdevolle Altern konfrontiert. Aber da ich ja nicht weiß, was auf mich zukommt, finde ich es fast fahrlässig, davon auszugehen, dass es ab der Mitte meines Lebens (?) stetig bergab geht. Meine Haltung scheint mir da viel gesünder, nämlich anzunehmen, dass ich sehr jung alt werden werde.

Fakt ist also, dass ich mit der Einteilung in jung und alt nicht viel anfangen kann. Es ist zwar schon so, dass die Zeit immer schneller zu vergehen scheint während des älter werdens und wenn ich an die Kinder von Freunden oder Bekannten denke und daran, wie groß diese schon sind, denke ich mir auch manchmal: oh, werd ich etwa alt? Aber es bleibt dann doch dabei, dass ich mich nicht so fühle. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich schon länger nicht mehr den Druck in mir verspüre, bis zu einem bestimmten Alter bestimmte Dinge erreicht haben zu müssen. Mein Leben verlief bisher nicht nach Plan und ich gehe davon aus, dass es das auch in Zukunft nicht wird. Die „klassische“ Abfolge von Schule-Uni-Heirat-Karriere-Kinder-Haus habe ich ohnehin nicht gelebt, so dass mir auch viele Stressfaktoren erspart geblieben sind. Ich habe in der Tat den Luxus in meinem Leben vor allem darauf achten zu können, was ich möchte und was mir guttut, wenn das auch finanzielle Einbußen mit sich bringt. Dennoch glaube ich, dass dieser Umstand zu dem Erleben beiträgt, jung zu sein.

Einige werden sich jetzt vielleicht denken, „Ja Gott, was hat sie denn, 45 ist ja wirklich kein Alter!“ jaja, aber man gehe mal zum Arzt (nicht zwingend homöopathisch), da wird man im Zuge von Vorsorgeuntersuchungen schon nicht mehr als jung eingestuft. Auch erinnere ich mich daran, dass ich beim Versuch, eine Winterjacke zu kaufen, von einer Verkäuferin darauf aufmerksam gemacht wurde, das Modell sei doch für Jugendliche, ebenso wie die ganze Abteilung und ich solle doch lieber zu den Erwachsenen gehen. Dort waren aber alle Modelle langweilig und in den Farben, in denen sehr viele ältere Menschen zu sehen sind: beige, grau, mittelgrau, hellbraun, dunkelgrau…gut, war vielleicht das falsche Geschäft.

Ich werde übrigens bald mit einer Freundin tanzen gehen (in einen Club, kein Tanztee am Nachmittag- no offence meant) und eine Tätowierung ist auch geplant. Das Piercing heb ich mir für 70 auf 😀 – und ich habe nicht vor, mich jemals in Seniorenfarben zu kleiden, die alle den Eindruck erwecken, die Träger der Kleidung sollten am liebsten unsichtbar sein. Meine Haare färbe ich übrigens nicht, mir gefallen meine zwei grauen Strähnen an den Schläfen sehr gut und ich freue mich schon, irgendwann lange, silbrige Haare zu haben.

Vielleicht bin ich naiv, was das Altern angeht und so mancher mag sich bei dieser Lektüre denken, na, warten wir mal ab und sprechen uns in 20 Jahren nochmal. Da kann ich nur sagen: sehr gerne, ich werde berichten!

Mit einem Augenzwinkern und einem Grinsen im Gesicht sag ich für heut „Adieu“ und grüße Euch herzlich,

Eure Merle

 

 

Es weihnachtet trotzdem…

dav

Wer mich kennt, der weiß es – ich bin ein Weihnachtsmuffel. Ich kann weder mit den überall sprießenden Weihnachtsmärkten und dem gesteigerten Glühweinkonsum etwas anfangen, noch verfalle ich in einen Geschenke-Kaufrausch. Es gibt bei mir keine Weihnachtsdeko – schon allein, weil meine Katze diese zu genau untersuchen würde – und ich backe auch keine Plätzchen am Fließband, also eigentlich gar nicht. Weihnachten und Advent sind für mich schon lange eine Zeit des mich auf mich selbst besinnens und viel allein verbrachter Zeit (selbstgewählt) und ich genieße es, mich mit Tee oder Kaffee in dicke Decken zu mümmeln und den ein oder anderen Lebkuchen zu verspeisen, während es draußen schon dunkel ist und am besten schon verschneit, (was dieses Jahr scheinbar nicht sein soll). Ich betrauere mitunter das zu Ende gehende Jahr und denke an mir liebe Menschen (und Katze), die nicht mehr bei mir sind und es befällt mich oft eine Melancholie, die ich aber mit Gleichmut annehme.

Ich weiß nicht, ob es die kurzen Tage und die frühe Dunkelheit der Jahreszeit sind oder die Tatsache, dass alle um mich herum stönen, möge Weihnachten doch endlich vorbei sein, das alles arte ja nur in Stress aus und die Konflikte am Weihnachtsabend seien vorprogrammiert. Vielleicht ist es auch der Umstand, dass ich keine Familie habe, mit der ich feiern könnte – ich finde Weihnachten eher schwierig. Was ich mir schon lange wünsche, wäre ein Weihnachtsfest mit allen meinen Freunden, mit Menschen also, mit denen ich gerne Zeit verbringe, die ich liebe, und in einem Kreis, in dem es das Konfliktpotential wie in Familien gar nicht gibt. Ich stelle mir vor, dass man zusammen kocht und dann ausgiebig speist, gute Musik dazu und keine Geschenke, das wäre mir wichtig.

Aber natürlich feiern diejenigen, die eine Familie haben, mit eben dieser und es wird auch dieses Jahr so sein, dass mir die meisten nach Weihnachten erzählen, was alles schief gelaufen ist, wer beleidigt ist und wie stressig es war. Das stimmt mich traurig, denn in nicht wenigen Fällen ist es so, dass Weihnachten für die Kinder gefeiert wird -was schön ist- wähend jedoch die Erwachsenen unter dem Erwartungsdruck leiden und am liebsten weit weg fahren würden.

Warum ist das Fest der Liebe in so vielen Fällen so unfriedlich? Kenne ich nur verkorkste Familien oder sind alle Familien bis zu einem gewissen Grad verkorkst? Ich muss dazu sagen, dass ich von drei Familien eine Einladung habe, den Weihnachtsabend mit ihnen zu verbringen – doch da ich aus früheren Jahren weiß, wie schwierig sich dieser Abend in der Regel gestaltet, habe ich dankbar jede Einladung abgelehnt. Ich suche an Weihnachten Ruhe und Geborgenheit, keinen Zwist und Familienstreit. Ich will nicht undankbar erscheinen, ich glaube, dass sich alle wirklich große Mühe geben, einen schönes Fest zu gestalten, nur haut das eben oft nicht hin und das finde ich sehr schade. Vielleicht bin ich auch zu empfindlich und nehme manches zu ernst, aber gerade als Nicht-Angehöriger ist es besonders unangenehm, bei familiären Auseinandersetzungen anwesend zu sein.

Während ich also darüber nachdenke, was es ist, das Weihnachten so kompliziert macht, geht die Zeit in Meilenstiefeln vorüber und bald steht, wie jedes Jahr, das Christkind vor der Tür. Wie jedes Jahr werde ich spazieren gehen und die Ruhe auf den Straßen genießen, werde die mir von einer Freundin zugesandten, selbst gemachten! Plätzchen verspeisen und mich darüber freuen, dass die Tage wieder länger werden und das Licht in der Welt immer noch scheint. Insofern hat die Weihnachtszeit doch auch etwas beruhigendes – der Lauf der Natur wiederholt sich und egal, was wir Menschen aus diesem Fest machen, das Licht kehrt immer wieder.

Übrigens möchte ich mit diesem Beitrag keinesfalls all jenen die weihnachtliche Stimmung vermiesen, die diese genießen können! Wie das im Leben nunmal so ist, kann ich ja nur aus meinen eigenen Erfahrungen und Umständen berichten. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn man mich eines Besseren belehrt und ich viele Geschichten zu lesen bekomme, in denen Weihnachten tatsächlich ein harmonisches und liebevolles Fest ist!

Und natürlich wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern eine geruhsame und schöne (Vor-)Weihnachtszeit, ohne Geschenke-Stress, stattdessen mit Vergnügen und Vorfreude…

Und damit grüße ich Euch herzlichst,

Merle

 

 

Die Schönheit des Fehlers

dav

Fehler werden meiner Meinung nach völlig unterbewertet. In diesem Bild gibt es zum Beispiel einen Fehler, den man sicherlich auch leicht entdecken kann – doch mir gefällt das Werk mit diesem faux pas besser als es davor aussah, nämlich gleichmäßig und sozusagen kantenlos. Zuerst dachte ich noch, nee, so kann ich das Bild nicht herzeigen, das fällt ja total auf… aber dann fand ich, dass der kleine Störenfried eigentlich hübsch aussieht 😉

Gehen wir mal weg von dem Bild – denn natürlich geht es mir um mehr als dieses – und sehen uns Menschen an. Alle Menschen haben Schwächen und Fehler und oft genug beschweren wir uns über die Macken anderer Leute oder aber wir sind im Unfrieden mit uns selbst, weil wir unsere Fehler nicht akzeptieren können. Was für eine Energieverschwendung!

Auf gesellschaftlicher Ebene fällt mir auf, dass es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben scheint, nachdem wir alle der Selbstoptimierung frönen sollen. Schlanker, jünger und fitter sollen wir aussehen, gesund und munter sein, gute Laune haben und dabei noch eine hohe Arbeitsleistung erbringen (zumindest wenn wir Angestellte sind). Dazu gibt es noch die ganz eigene, recht erfolgreiche Welt der (spirituellen) Selbsthilfeliteratur, die uns auffordert, mithilfe von Yoga, Achtsamkeit, Akkupressur, der Lehre der Chakren und so weiter und so fort, zu einem gelassenen, in sich ruhenden Menschen zu werden, der die Lehre des Buddha verinnerlicht und den Weg des Herzens geht, während gleichzeitig Job, Kinder und Haushalt unter einen Hut gebracht werden sollen. Außerdem sollen wir politisch interessiert, weltoffen und tolerant sein, gegen den Klimawandel protestieren sowie vegan leben als auch nur noch Dinge ohne Verpackung einkaufen.

Fühlt Ihr Euch auch bereits beim Lesen total überfordert? Mich überwältigt regelmäßig das propagierte Ideal der Leistungsgesellschaft. Es handelt sich nach meinem Empfinden vor allem um eine Idee von einem Menschen, der nicht mehr nur in der Arbeitswelt Leistung bringen soll, sondern auch auf allen anderen Ebenen des Menschseins. Partnerschaft, Geisteshaltung, die eigene Psyche, Kommunikation, Ernährung, Leibesertüchtigung, Aussehen – das alles und noch viel mehr kann und soll verbessert werden. Sogar Ausruhen und Entspannung können natürlich optimiert werden. Da drängt sich mir unwillkürlich die Frage auf: spiegelt das den normalen Leidensdruck der Mehrheit? Sind wir alle so unzufrieden mit der Welt und uns selbst, dass wir ständig an uns rumdoktorn müssen?

Ich kenne eine junge Frau, die aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung seit längerem nicht arbeiten kann. Deshalb sagte sie vor kurzem: Ich hab ja nichts zu bieten.
Das hat mich unglaublich geschockt. Sie schien wirklich der Ansicht zu sein, dass ihre Krankheit ein Makel ist und sie eine Versagerin, weil sie nicht arbeiten kann. Ich glaube aber, dass diese individuelle Meinung tatsächlich eine weit verbreitete Haltung in unserer Gesellschaft widerspiegelt. Und da denke ich mir, das kann es doch nicht sein! Es ist also dringend notwendig, sich von diesen gesellschaftlichen, unrealistischen Vorbildern zu emanzipieren und stattdessen im Selbst nach dem zu suchen, was einem guttut und die eigenen Prioritäten zu setzen. Einem Wertesystem nachzueifern, indem persönliche Schwachpunkte als unverzeihliche Fehler gelten, ist nicht gesund.

Genauso wenig förderlich ist es, sich selbst unter Druck zu setzen und das Leben perfektionistisch anzugehen. Wer möchte Freunde und Partner haben, die perfekt sind? Da würde ich mich ja ständig minderwertig fühlen. – Ich bin heute absichtlich etwas polemisch, um meine These zu unterstreichen, dass uns erst unsere Fehler und Schwächen zu den liebenswerten Menschen machen, die wir sind. Und was ist Liebe ohne die Toleranz gegenüber den Schwachpunkten unserer Nächsten, was für Beziehungen haben wir, wenn wir stets bemüht sein müssen, einem Ideal zu entsprechen – ob nun das eigene oder ein fremdes? Wie anstrengend, wenn wir immer versuchen müssten, unsere Fehler zu verstecken!

Leider gibt es immer wieder Tage, an denen ich mir das selbst nicht glaube und der Meinung bin, ich müsste mich dringend ändern. Dann wieder gibt es Phasen, in denen ich im Brustton innerer Überzeugung sagen kann: ich mag mich – auch wenn meine Figur nicht dem Schönheitsideal entspricht, auch ich seit längerem keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, meine Persönlichkeit einige anregende Macken bietet und mein Charakter sicherlich Strickfehler hat. Ich bin ein Morgenmuffel und meine Stimmung wechselt mehrmals am Tag, ich bin bequem und per Du mit meinem inneren Schweinehund. Doch je öfter ich mir meine Fehler ansehe, desto freier kann ich, ohne Wertung, über sie lachen und auch mit anderen darüber lachen und akzeptieren, dass sie genauso zu mir gehören wie meine Stärken. Im Grunde ist es doch so, dass wir ohne unsere Ecken und Kanten eher langweilig wären. Ich zumindest finde gerade Menschen interessant, die, wie das Bild, nicht hundert Prozent ebenmäßig sind sondern eher holpriger Natur.

Und dann gibt es noch eine weitere Ebene, wenn wir von Fehlern sprechen: nämlich das Fehler machen in einer Aufgabe oder einem Verfahren. Wie heißt es doch so schön? Aus Fehlern lernen wir! Eben drum! Und lasst mich bitte meine eigenen Fehler machen und redet mir nicht drein, auch wenn ihr fest davon überzeugt seid, dass ich Murks veranstalte. Denn im Rückblick kann ich sagen, dass aus einigen sogenannten Fehlern in meinem Leben die tollsten Dinge entstanden sind oder sich ergeben haben. Fehler zu begehen, kann unheimlich kreativ machen oder zum Verständnis einer Sache beitragen,wenn wir uns mit dem Fehler auseinander setzen. Gerade angebliche Fehlentscheidungen entpuppen sich im Nachhinein oft als Schritt in eine Richtung, der uns einen neuen Weg ermöglicht hat. Auch darin besteht die Schönheit des Fehlers, dass wir bisweilen durch ihn gezwungen werden, links und rechts vom Weg hinzuschauen und dann neue Alternativen zu entdecken. Von daher sollten wir uns den einen oder anderen Fehltritt vielleicht wünschen, denn wer weiß, womit er uns später bereichert?

Mit diesen Überlegungen starte ich heute ins Wochenende und wünsche Euch ein schönes selbiges!

Wie immer herzlich,

Eure Merle

 

 

 

 

 

Ablenkungskunst

dav

Das florale Motiv lässt mich offenbar derzeit nicht los, für mich ist es ein schöner Gegenpol zur grauen Winterzeit. Heute war ich mal nicht in der Warteschleife sondern habe mich von negativen Gedanken versucht abzulenken, nachdem das mit dem „gelassen ziehen lassen“ nicht so gut geklappt hat. Aber das Malen hat mich wieder geerdet und zu mir gebracht, insofern: mission accomplished 😉

Heute also ein kleiner Blumengruß am Abend, mit den besten Wünschen an Euch!

Eure Merle

Die Gretchenfrage

dav

Darüber sprechen oder schweigen? Klären oder aussitzen? Offenheit oder Vorsicht? Eigentlich gleich drei Gretchenfragen!

Ich hatte mich für sprechen, klären und Offenheit entschieden und jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich das nicht zutiefst bereue, denn meine Worte wurden missverstanden, ein wenig verdreht und heraus kam ein neues Gebilde, eine Vorstellung von den angesprochenen Dingen, die wenig mit dem zu tun hatte, worum es mir ging.

Es geht um eine langjährige Freundschaft, die nach meinem Empfinden in der letzen Zeit extrem abgekühlt war und in der meine Freundin immer weniger Zeit hatte und wir uns kaum noch trafen, weil besagte Freundin solche Treffen immer wieder abgesagt hat. Die Gespräche veränderten sich ebenfalls und mit jedem Mal, dass wir uns trafen, fragte ich mich, was eigentlich nicht in Ordnung ist. Bis ich heute schließlich meinen Mut zusammen nahm um mit ihr über unsere Freundschaft zu sprechen. Wir kennen uns schon lange und sie ist mir sehr wichtig, also dachte ich, ein Gespräch kann nicht schaden. Im Nachhinein denke ich, dass Worte manchmal mehr Schaden anrichten können, als  man glauben möchte.

Ich sprach sie darauf an, dass wir uns nur noch selten sehen und dass unsere Gespräche nach meinem Empfinden kaum noch um persönliche Themen gingen sondern vor allem um die Arbeit oder kulturelles Zeitgeschehen und fragte sie direkt, ob sie unsere Freundschaft noch aufrecht erhalten wolle oder ob ihr eine lose Bekanntschaft lieber wäre. Und ob ihr auch aufgefallen ist, wie sich unsere Freundschaft verändert hätte. – Ich habe mit allen Reaktionen gerechnet, aber nicht mit dem, was dann kam. Meine Freundin fiel aus allen Wolken, sie habe unsere Freundschaft nie in Frage gestellt, und wieso ich jetzt eine Entscheidung zwischen Freundschaft und Bekanntschaft haben wolle, sowas wäre ihr nie in den Sinn gekommen…

Ich betonte, dass ich keine Entscheidung um der Entscheidung willen haben wollen würde, sondern dass mir lediglich wichtig wäre zu wissen, ob ihr an unserer Freundschaft noch etwas liegt, da sie ja aber diese nie in Frage gestellt hat, sei das wohl offensichtlich noch der Fall, was mich sehr freuen würde.

Doch leider war es jetzt schon geschehen: ich hatte meine Frage als Entscheidungsfrage formuliert und in Betracht gezogen, ihr könnte unsere Freundschaft nicht mehr wichtig sein – woraufhin sie nun tatsächlich anfing, unsere Beziehung zueinander anzuzweifeln und sich zu fragen, ob das so alles noch Sinn macht. Es sei ja wohl tatsächlich was im Argen.

Und hier kommt die echte Gretchenfrage: habe ich mit meinen Worten schlafende Hunde geweckt? War da schon ein Riss und ich habe ihn frei gelegt? Oder habe ich mit meinem Gesprächsansinnen erst etwas in die Welt gebracht, was vorher gar nicht existent war? Hätte ich keine Frage gestellt, hätte niemand nach Antworten gesucht und nach einer Weile wäre unsere Freundschaft vielleicht wieder inniger geworden.

Und während der Abend fortschreitet, rätsle ich hin und her und zerbreche mir den Kopf, was natürlich überhaupt nichts bringt, aber ich kann grad nicht anders. Ich bin eigentlich eine glühende Verfechterin der Haltung: Leute, sprecht drüber, das macht alles einfacher. Aber vielleicht ist es manchmal doch besser, die Dinge nicht anzusprechen, die Begebenheiten im Vagen zu belassen und nicht mit Worten festnageln zu wollen, besonders wenn es um Gefühle geht? Aber nein, sobald ich diesen vorhergehenden Satz lese, sitze ich Kopf schüttelnd da und es ruft laut in mir: darüber reden!

Und warum ist darüber reden so wichtig? Weil wir nicht in den anderen rein gucken können und weil Gedanken lesen noch nicht so weit verbreitet ist. Es gehört offenbar zum Lebensrisiko dazu, dass wir die Macht über unsere Worte verlieren, in dem Moment, in dem sie unseren Mund verlassen. Was der andere dann daraus macht, wie er sie versteht, welche Gedanken und Reaktionen das hervorruft, entzieht sich völlig unserer Kontrolle. Als nach Harmonie strebender Mensch nehme ich mir immer wieder vor, manches nicht anzusprechen – als jemand, der ein großes Bedürfnis nach Klarheit und Aufrichtigkeit hat, tue ich es dann doch immer wieder. Und muss lernen damit umzugehen, dass Worten Taten folgen können, die nach meinem Empfinden nicht angemessen sind oder sogar auf einem Missverständnis beruhen.

Dieser Umstand schmeckt mir gar nicht, doch ändern kann ich es nicht, schon gar nicht um die Uhrzeit. Aber ich werde zukünftig besser auf meine Wortwahl achtgeben und mich noch mehr darum bemühen, mich klar auszudrücken, in der Hoffnung, dass meine Worte so schnell nicht wieder zum genauen Gegenteil dessen führen, was ich mir erhoffe oder wünsche.

All dies in Betracht ziehend wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern viele gute Gespräche, noch einen schönen Abend und morgen einen guten Start in die Woche!

Herzlich,
Eure Merle

 

 

Tage wie dieser…

dav

…möchte man am liebsten streichen und vergessen. Ich bin schon mit dem falschen Bein aufgestanden und das Gefühl, völlig verkehrt durch die Welt zu laufen steigerte sich bis zum Mittag zu einem schönen Crescendo. Jeder schien mich heute falsch zu verstehen, alles was ich sagte, kam irgendwie nicht so aus meinem Mund wie ich es wollte und dann auch noch zu viel davon – bis endlich eine weise innere Stimme zu mir sprach: Merle, lass den heutigen Tag einfach sein, geh nach Hause, mach es Dir gemütlich und lass die Welt Welt sein. An solchen Tagen verkrieche ich mich gerne entweder in ein Buch oder in Farben. Oft ist das erstmal reine Ablenkung, aber manchmal gelingt es mir und die Ärgernisse werden nicht nur weggeschoben sondern fallen tatsächlich ab, ich verliere das Zeitgefühl und komme in den Flow – alles was zählt, ist das, was ich gerade tue. Und nachdem mir zunächst alles zu bunt war, konnte es später auf dem Papier gar nicht bunt genug werden 🙂 Fazit: beurteile den Tag erst, wenn er wirklich zu Ende geht und nein, jetzt möchte ich den heutigen Tag nicht mehr streichen!

Herzlichste Grüße und einen schönen Abend

Eure Merle

 

Die neuen Marker sind da!

dav

…und ich freu mich wie Bolle! Im Moment mache ich mich noch mit den Farben vertraut, zum Beispiel mit diesem Bild, das noch nicht fertig ist (ich bin mit dem Aufbau nicht ganz zufrieden: ich dachte, die Unregelmäßigkeiten bei den Kreisformen würden anders wirken) aber ich musste jetzt rasch meine Freude zum Ausdruck bringen und hoffe, in der nächsten Zeit mit neuen „Marker-Werken“ aufwarten zu können…