Über die Trauer…

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oder: Das Maß ist nie voll!

Hallo liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich, dass Ihr auf meinen Seiten vorbei schaut, obwohl ich schon länger nichts mehr gepostet habe. Ich war, um es kurz zu sagen, schlichtweg am Trauern und Trauer verträgt sich nicht gut mit Kreativität. Aber es ist gut, dass ich mir die Zeit genommen habe um über den Verlust meines Katers hinweg zu kommen, obwohl, so ganz ist das noch nicht der Fall. Ich vermisse ihn immer noch schrecklich und empfinde seinen Tod als Zumutung.

Und so wird dies auch ein Text über den Widerstand gegen Trauer, über das Auflehnen und nicht akzeptieren wollen eines Verlustes. Ich weiß, dass Trauer wichtig ist und ich kenne die verschiedenen Phasen der Trauer – Wut gehört ja auch dazu und wütend bin ich immer noch. Auch Verleugnung ist eine Teil des Trauerprozesses und den kenne ich auch gut.

Es ist nicht so, dass mir nicht bewusst wäre, dass alles vergänglich ist und dass jedes Wesen seine Zeit hier auf Erden hat und irgendwann kommt der Moment, an dem es Zeit ist, zu gehen. Ich weiß das, aber ich finde es furchtbar. Undzwar schlicht und einfach weil ich nicht glaube, dass man jemals genug von einem geliebten Wesen bekommen kann, dass man jemals alle Facetten kennen gelernt hat, jede Seite sehen durfte, jedes Streicheln streicheln konnte, jedes liebe Wort sagen konnte, dass gesagt werden kann – das Maß ist nie voll!

Doch dann passiert irgendwann das unausweichliche und Jemand geht auf die andere Seite und die Angehörigen und geliebten Menschen bleiben zurück und stellen fest: da war noch so viel, was ich sagen wollte, mit ihm machen wollte, von ihm erfahren wollte, der Becher der gemeinsam gelebten Erfahrungen war doch noch gar nicht voll und wohin denn jetzt mit all meiner Liebe und Sehnsucht??

Diese Seite des Todes fällt mir unglaublich schwer zu akzeptieren und es kann meiner Meinung nach nur eine Antwort geben: lebe jeden Tag mit Deinen Lieben so bewusst wie möglich. Nutze den Augenblick um zu sagen, wen Du lieb hast, nimm Dir Zeit für eine zärtliche Geste und hetze nicht von einem Termin zum anderen sondern lass Dir Verschnaufpausen, in denen Du Deine Umwelt bewusst wahrnimmst.

Ich weiß nicht, ob ich diesbezüglich meinem geliebten Frodo immer gerecht wurde, ich glaube es fast nicht, denn ich beschäftige mich noch nicht so lange mit Achtsamkeit und bewusstem Sein, wie er bei mir gelebt hat. Ich glaube, ich hätte das an vielen Stellen besser machen können, aber zumindest in den letzten Jahren war ich schon eine recht bewusste Katzenfrau – oder Dosenöffnerin. Und dennoch bleibt die Trauer über die Streicheleinheiten, die nicht mehr möglich waren, darüber, dass ich keinen Kater mehr im Treppenhaus einsammeln muss, dass kein grauer Tiger mehr an den Mülltüten rumknuspert und auch kein graues Begrüßungskommittee mehr an der Tür ist, wenn ich nach Hause komme. Von all dem kann ich nicht genug bekommen und doch muss es nun genug sein, denn er ist ja nicht mehr in seiner mir bekannten Form da.

Aber die Liebe, die ist da und sie ist die zweite Antwort auf meinen Widerstand gegen die Trauer bzw. den Verlust. Die Liebe existiert ja über den Tod hinaus und das ist es, was mich tröstet und mir ein Gefühl davon gibt, dass nicht alles einfach „weg“ ist. Die Liebe ist da und je mehr ich mich an die schönen Zeiten mit meinem Kater erinnern kann, desto deutlicher kann ich die Liebe wieder spüren, anstatt in Trauer und Schmerz zu verharren. Ich fürchte, es ist eine bewusste Entschiedung, die man irgendwann treffen muss oder vielleicht kommt das auch bei anderen Men

schen automatisch: dass ich die Trauer überwinden will und mich der Liebe zuwende um wieder in den Fluss des Lebens zu kommen, ohne das Wesen, das gegangen ist, komplett zu verlieren.

Und so lehrt mich das Leben, zu dem der Tod ja dazu gehört, mal wieder, dass ein Leben in Liebe und im Hier und Jetzt, erstrebenswerter ist als vieles andere, wonach ich früher gesucht habe. Sich darauf zu konzentrieren kann schon anstrengend genug sein, aber zur Zeit bin ich voller Überzeugung, dass es sich lohnt.

Und so wünsche ich meinen LeserInnen ein schönes Sonnenwochenende, mit viel Raum für Liebe und Bewusstheit!

Eure Merle