Danke!

An dieser Stelle heute ein herzlicher Dank und Gruß an meine „alten“ und „neuen“ Leserinnen und Leser! Euer Interesse ehrt mich und freut mich sehr! Schon bald werde ich mich mit neuen malerischen Werken und anderen Beiträgen wieder melden!

Bis dahin verbleibe ich

Eure Merle

Engelsspuren und ein Anekdötchen

dav

Einen wunderschönen Freitag Abend an meine Leserinnen und Leser, heute stelle ich Euch drei weitere meiner Werke vor (zwei davon unter „Malerei“), wobei das dritte, das ich hier mit einfüge, noch nicht ganz fertig ist – allerdings weiß ich noch nicht genau, wohin mich die Reise bei dem Bild „Engelsspuren“ noch führen wird. Inspiriert hat mich der Katalog einer Ausstellung über drei Malerinnen aus dem 19. bzw frühen 20. Jahrhundert, die sich in ihrer künstlerischen Arbeit jeweils als Medium von Wesen aus der geistigen Welt verstanden haben und die für ihre Zeit unglaublich moderne und abstrakte Werke geschaffen haben. Wen dies interessiert, dem seien hier die Namen der drei Frauen genannt: Georgiana Houghton, Hilma af Klint und Emma Kunz, die Ausstellung ist im Kunstbau in München zu sehen und man muss nicht an das Konzept des mediumistischen Malens glauben um von den Bildern hingerissen zu sein… Mich hat sehr beeindruckt, wie sich die drei Malerinnen mit den großen Fragen und Prinzipien des (menschlichen) Seins und des Universums auseinandergesetzt haben und wie sie ihre Antworten verbildlicht haben; insbesondere, wenn man bedenkt, in welcher Zeit sie jeweils gelebt haben. Jedenfalls kam ich, wie schon oft zuvor, wieder zu dem Schluss, dass es doch Spuren von Wesen aus anderen Sphären in unserer Mitte gibt.

Und damit komme ich ohne Überleitung zu einer ganz und gar menschlich-weltlichen Anekdote, die eigentlich gar keine besondere Pointe hat, außer, dass ich mich drüber freue 🙂 Endlich hat also das Stammcafé meiner Freundin und mir, nach 5 Wochen Winterpause, wieder geöffnet und heute haben wir unseren ersten Kaffee im neuen Jahr dort genossen. Als ich zum Zahlen vor gehe zum Tresen fragt mich die Frau des Inhabers, die ab und zu den Laden alleine schmeißt, mit ihrem charmanten portugiesischen Akzent: „Hast Du eine Zigarette für mich?“ Und sie fragt das mit einem so gewinnenden Lächeln, dass ich am liebsten loslaufen würde, um Zigaretten zu kaufen und ihr welche abzugeben – denn ich habe nur Tabak zum selber drehen. Dies teile ich ihr mit und sie meint mit voller Überzeugung : „das macht nix!“. Also drehe ich ihr eine Zigarette, die sie freudestrahlend entgegen nimmt und damit nach draußen verschwindet. Und ich freue mich wie ein Schnitzel, weil ich ihr eine Freude machen konnte. Nun muss ich dazu sagen, dass ich normaler Weise sehr ungern angeschnorrt werde. Das hat nicht nur mit den gestiegenen Zigarettenpreisen zu tun sondern vor allem mit der Art, in der viele Leute einen mal eben anhauen, als seien alle Raucher grundsätzlich eine große Familie in der man sich gegenseitig auszuhelfen hat. Das mag ich nicht. Allerdings drehe ich schon seit einer geraumen Weile selber und das hat die Zahl der Anfragen deutlich schwinden lassen – umso mehr freut es mich jetzt, dass die Dame des Hauses gern auch eine Selbstgedrehte nimmt. Ich gebe zu, ihr Akzent und das Lächeln sind aber auch einfach unschlagbar, da kann ich nicht „nein“ sagen. Und so hat eine kleine Frage heute zwei Leuten eine Freude bereitet, so einfach kann es manchmal sein!

Mit diesem Anekdötchen verabschiede ich mich für heute und verbleibe

Eure Merle

Du Seele, sag mal…

dav

Du, Seele, sag mal
wie lang soll denn das noch so gehen?
Ich habe allmählich das Gefühl,
als würd ich mich ständig im Kreis herum drehen

Du, Seele, wie ist denn das
warum lässt Du mich oft wach liegen
Gedanken stürmend, Herz rasend
Zeit vergessend, kein Schlaf zu kriegen

Du, Seele, hör mal
ich will ja nicht meckern und vielleicht weißt Du es besser
aber so konfus, mit so vielen Puzzleteilen,
wie soll ich da leben oder gar heilen?

Du, Seele, ich hab’s mir überlegt
ich möchte ab sofort Steuerfrau auf diesem Schiff sein
Du bist herzlich eingeladen, ich warte am Steg
Vertrau mir mal, die Fahrt geht Heim

Und jeden Morgen wenn wir die Segel hissen,
lass ich die Sonne rein und danke Dir,
über so viele Leben mit hingerissen,
Doch nun ist es Zeit für den letzten Törn,
Und den lenk ich, Du darfst jetzt ruhn.

© Merle Deva

 

Sinnlichkeit

dav

Sinnlichkeit. Schon wieder so ein Wort und Konzept, dass einem so selbstverständlich erscheint. Ich zumindest habe nie groß über Sinnlichkeit nachgedacht, bis mir in der Vorweihnachtszeit bewusst wurde, wie unbewusst ich meine Sinne meistens nutze. Der Geruch vom Adventskranz, der Geschmack vom Gebäck, das Leuchten der weihnachtlichen Dekoration, alles das fiel mir plötzlich viel mehr ins Auge oder in einen anderen der Sinne ;-).

Ich habe jedenfalls deshalb begonnen, wann immer ich daran denke, meine Sinneswahrnehmungen bewusster zu erleben und bin auf eine für mich völlig verblüffende Verbindung gestoßen, denn Sinneswahrnehmungen, zumindest die angenehmen, sind mit meinem Herzen verbunden, mein Herz wird durch sie geöffnet. Ich finde das eine fantastische Entdeckung und bin deshalb gerade so ein bißchen in einem Sinnesrausch: Der unglaublich gut schmeckende Pfefferminztee wird zum Hochgenuß, das leise Schnaufen meiner schlafenden Katze bringt mein Herz zum leuchten, wenn ich das warme, seidenweiche Fell einer der beiden Samtpfoten unter meinen Fingern habe, kann ich gar nicht genug davon bekommen und bin voller Gefühl für die Fellnasen.

Ich bin also drauf und dran das Jahr der Sinnlichkeit für mich auszurufen, denn ich habe in letzter Zeit weniges gefunden, das mir so viel Vergnügen bereitet. Ich bin offensichtlich besonders bei akustischen und haptischen Reizen empfänglich, aber auch der Geschmackssinn ist nicht zu verachten, obwohl der momentan noch zu oft nach Schokolade verlangt, die ja bekanntlich auch einer der größten Geschmacksgenüsse ist.

Schade ist, dass ich noch keine selektive Wahrnehmung beherrsche, das wäre wirklich praktisch, weil ich dann all die nervenden Geräusche des Alltags nicht hören müsste bzw. einfach drüber weg hören könnte – daran arbeite ich noch.

Als ich den direkten Draht zwischen Sinneserleben und Herz entdeckte, habe ich mich unweigerlich gefragt, wozu wir unsere Sinne denn evolutionär betrachtet haben: ich nehme stark an, in erster Linie, um unser Überleben zu sichern, um Gefahren hören und sehen zu können und um schädliche von gesunder bzw. unschädlicher Nahrung zu unterscheiden und natürlich um uns im Raum orientieren zu können und gut für uns sorgen zu können: ohne unsere Haut, mit der wir Hitze und Kälte wahrnehmen, könnten wir uns nicht angemessen kleiden. Aber neben diesen funktionalen Aspekten erscheinen eben auch die scheinbar „sinnlosen“ Sinnesfreuden: Vogelgezwischer und Musik hören, die Berührung eines Freundes an der Hand, den Wind im Gesicht, den Sommerregen auf der Haut, ein Stück Schokolade auf der Zunge oder ein gutes Glas Wein am Gaumen…es gibt so viel, das wir wahrnehen können, dass eigentlich nur die Feststellung bleibt: unsere Sinne machen unsere Welt für uns erfahrbar und erlebbar und offenbar erfeut sich das menschliche Herz an genau diesen Erlebnissen. Fantastisch.

Dabei fällt mir ein, dass ich als kleines Kind schon einen ganz besonderen Hang zu weichem, anfassbarem Material hatte: wenn ich mit meiner Mutter in die Stadt zum Einkaufen fuhr und wir in Kaufhäuser gingen, wo es noch Pelzabteilungen gab, habe ich mich immer dorthin gestohlen und habe ewig die weichen Mäntel gestreichelt. Damals hatte ich noch nicht verstanden, dass dafür Tiere sterben müssen und ich habe in kindlicher Unschuld einfach nur die unendliche Samtigkeit genossen. Als Große lehne ich natürlich Pelzherstellung ab und nutze dafür jede Gelegenheit, kuschelige Lebewesen unter meine Finger zu bekommen um den Genuß der weichen, warmen, Sensation zu erleben.

Und dann gibt es natürlich noch die Sinnlichkeit zu zweit, die zu erfahren sicher eines der schönsten Geschenke ist. Ich nehme an, die meisten Menschen haben das Bedürfnis danach ebenso wie nach Essen und Trinken und ja, ich glaube, dass zu zweit gelebte Sinnlichkeit tatsächlich wie Nahrung für die Seele und das Herz sein kann.

Aber eben nicht nur – auch der heiße, dampfende, duftende Pfefferminztee kommt im Herzen an, ich habs gespürt!

Deshalb mach ich mir jetzt gleich noch eine Tasse 😉  und wünsche Euch ein sinnenfrohes Wochenende!

Eure Merle

Warten auf Antwort…

dav

dav

Hier seht Ihr, liebe Leserinnen und Leser, meine zwei neuesten Werke, die mir im Moment besonders wegen der Farben und der starken Dynamik gut gefallen. Malerisch gesehen läuft es im Augenblick ganz gut, ich würde zwar gerne noch mehr kreativ arbeiten, aber da brauche ich noch Geduld bzgl. eines passenden Raumes…

Und mit dem Stichwort Geduld bin ich auch schon bei meinem heutigen Thema, das ich zwar so ähnlich (nämlich in Bezug auf Behörden o.ä.) hier schonmal beschrieben habe, dass mich aber immer wieder auf die Palme bringt, besonders, wenn es um den persönlichen Bereich geht: auf Antworten warten. Es ist eine Sache, wenn sich Behörden oder Ämter lange Zeit lassen, um einem Antwort zu geben, es ist eine andere Sache, wenn Bekannte oder Freunde oder auch Ärzte – also greifbare Personen – auf Antwort warten lassen. Ich fand das schon als ich noch im Beruf tätig war ungemein nervig, wenn Emails ewig nicht beantwortet wurden; ich finde es im Privaten noch nerviger, wenn sms oder Emails nicht beantwortet werden, undzwar obwohl man schon mitten in einer „Unterhaltung“ war, soll heißen, ich habe eine erste Reaktion bekommen, und meine Antwort darauf wird nicht mehr beantwortet. Das macht mich fast rasend, denn ich finde, zumindest ein „ich melde mich später“ oder ähnliches müsste doch drin sein.

Vielleicht sehe ich das zu eng, immerhin ist ja mit der Email- und der sms-Kommunikation auch das Unwissen verbunden, wo sich der andere gerade befindet, wie er oder sie gerade beschäftigt ist. Dennoch empfinde ich es als eine Unart, wenn diese Unterhaltungen einfach abgebrochen werden. Ich gehe ja im persönlichen Gespräch auch nicht einfach ohne Erklärung aus dem Zimmer und komme erstmal nicht mehr zurück. Ich lege auch beim Telefonat nicht mitten im Gespräch auf. Aber bei Emails und sms scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass man sich nach Gutdünken mit der Antwort Zeit lassen kann. Das wäre insofern in Ordnung für mich, wenn nicht so viele Menschen oft nur noch über diese Kanäle erreichbar wären! Während also einerseits die digitale Revolution die Kommunikation erleichtert, weil man grundsätzlich immer und überall erreichbar ist, führt sie andererseits zu einer „Verrohung der Sitten“ im Gespräch.

Ich bin scheinbar hoffnungslos altmodisch, da ich mich immer sehr bemühe, so schnell wie möglich zu antworten. Das liegt vor allem auch daran, dass ich weiß, wie ich mich fühle, wenn ich auf Antwort warte. Ich mache mir furchtbar viele Gedanken, warum der andere nicht mehr reagiert, male mir alle möglichen, sicher auch seltsamen Szenarien aus und meine neurotische Ader tanzt sozusagen Tango mit mir. Allerdings gehören zum Tango zwei und der zweite ist eigentlich mein Gesprächspartner, der mich mitten im Austausch von Informationen hat sitzen lassen. Macht man sowas?

Ich will mir nicht immer wieder Erklärungen und Entschuldigungen ausdenken müssen, warum ich keine Antwort bekomme, ich finde, das ist nicht meine Aufgabe. Wie gesagt, ein kurzer Hinweis, dass eine Antwort später folgt, würde meinem Höflichkeitsempfinden schon Genüge tun. Nun klingt es wahrscheinlich so, also würde ich ständig und immer auf Antworten warten – dem ist natürlich nicht so. Ich gestehe, ich schreibe diesen Text gerade auch unter dem Eindruck des Wartens auf eine Antwort einer Ärztin. Aber es kommt eben doch immer wieder vor, dass ich warte und warte und warte und ich ärgere mich heute noch genauso über das Warten wie damals, als Emails und Handys eingeführt wurden. Ich kann mich an diese nonchalante Unverbindlichkeit nicht gewöhnen, mit der viele heute kommunizieren und ich möchte auch selber nicht so kommunizieren.

Ich werde also weiterhin konsequent meine erhaltenen Nachrichten so bald wie möglich beantworten und werde weiterhin immer wieder in der Warteschleife hängen, ob es mir gefällt oder nicht. Vielleicht werde ich aber in Zukunft, so sich die Gelegenheit im persönlichen Gespräch ergibt, meinen Unmut darüber äußern, dass ich in der Warteschleife hing; wenigstens das kann ich für mich tun…

Und damit verabschiedet sich für heute, immer noch wartend,

Eure Merle

 

 

Liebe

Heute habe ich mich mal wieder an andere Materialien bzw eine andere Technik gewagt und zwei Variationen zum Thema „Die Liebenden“ erstellt. Das linke ist eine Pastellkreidezeichnung, das rechte mit bloßen Fingern in Acryl gemalt.

Warum gerade heute die Liebenden malen? Weil ich mit einem unglaublichen Tief aufgewacht bin und den halben Tag damit verbracht habe. Als ich mich dann endlich an den Tisch setzen konnte um zu malen, kam mir der Gedanke oder vielmehr ein tiefes Gefühl, dass in erster Linie die Liebe es wert ist, jeden Tag weiter zu machen und zu kämpfen. Ich habe zwar ein Liebespaar gemalt, aber gemeint ist die Liebe schlechthin, nicht nur die zwischen Mann und Frau sondern die Liebe als verbindende, einigende aber auch freie Kraft. Die Liebe die ich zu einem Tier empfinden kann ebenso wie die Liebe zwischen Freunden oder auch meine Liebe zur Literatur und der Natur.

Vorhin im Bus habe ich eine junge Mutter mit einer Tasche gesehen, auf der stand: „Es gehört einfach insgesamt mehr gekuschelt.“ – ich möchte ergänzen: es gehört einfach insgesamt mehr geliebt.

Und damit wünsche ich Euch heute einen schönen, liebe-vollen Abend,

Eure Merle

Erneuerung

dav

Das neue Jahr hat bei mir mit einem gewissen Kreativitätsschub begonnen und neben drei anderen Bildern die ich neu eingestellt habe (zu sehen unter Malerei und Zeichnungen), nehme ich mein momentanes Lieblingsbild als Aufhänger für diesen Beitrag, denn es heißt Embryo, wobei mir erst eine liebe und kundige Frau die Augen für den wahren Inhalt des Bildes öffnete, da ich meist intuitiv male, also ohne darüber nachzudenken, was ich malen möchte. Entweder es fließt oder es fließt nicht… und manchmal braucht es etwas Zeit, bis ich erkenne, was ich eigentlich gemalt habe.

Embryo. Ich möchte gerne daran glauben, dass dies ein Symbol für Erneuerung und Neugeburt ist, etwas, das ich mir für dieses Jahr tatsächlich auch wünsche. In meinem letzten Beitrag ging es ja eher um die andere Richtung, nämlich anzuerkennen und anzunehmen was da ist, heute geht es mir darum, dass ich mich erneuern möchte, Weiterentwicklung duch Neugeburt. Geht denn das? Ja, ich denke schon. Insbesondere durch den kreativen Prozess sind Neuanfänge und Neuanstöße möglich, da sich der Schaffende und das Erschaffte gegenseitig beeinflussen und das was ich Erschaffe, ist schon in mir angelegt, durch das Tun und den Akt der Schöpfung eines Werkes bin ich quasi Geburtshelfer von Gedanken, Ideen, Qualitäten und Eigenschaften.

Inwieweit kann ich mich selbst neu erschaffen? Ich weiß es nicht, lange Zeit dachte ich, dass es hier eine unbegrenzte Freiheit gibt, inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher, aber ich glaube, vieles, was ich noch für unmöglich halte ist eigentlich möglich. Nach dem Motto: es geht immer mehr, als ich denke.

Was brauche ich für eine Erneuerung? Eigentlich nichts außer Vorstellungskraft und die äußeren Bedingungen, um zu materialisieren, was ich mir vorstelle. Aber natürlich gibt es da noch das Kleingedruckte, nämlich den Ballast, den ich aus der Vergangenheit mit mir herum schleppe und den abzulegen ist gar nicht so einfach. Selbst das Gepäck, das ich liebend gerne einfach irgendwo stehen lassen würde, ist immer noch da. Da sind wir wieder beim Stichwort: Selbstannahme und das Anerkennen von abgelehnten Anteilen des Selbst. Ich glaube trotzdem, dass Erneuerung möglich ist, sie verläuft nur nicht linear sondern oftmals indem ich zwei Schritte voraus und dann wieder einen zurück gehe. Oder einen Schritt voraus und zwei zurück. Als ob manche Schritte der Seele zu schnell gehen und dann muss man nochmal an den Punkt zurück, hingucken und dann wieder weiter gehen. So oder so ähnlich stelle ich es mir zumindest vor.

Doch nun genug der Worte, ich lasse heute lieber die Bilder sprechen und verbleibe, noch vergnügt vom Schaffensprozess,

Eure Merle

 

 

Von den eigenen Abgründen…

dav

Die eigenen Abgründe zu erkennen und zu akzeptieren – dieses Thema beschäftigt mich gerade sehr. Lange Zeit habe ich geglaubt, Meditation und Achtsamkeit dienen vor allem dazu, mich zu einem besseren Menschen zu machen, nicht nur zufriedener sondern auch freundlicher und offener zu werden. Eben ein besserer Mensch zu sein. Und auch wenn das vielleicht bei vielen eine angenehme Nebenwirkung ist, so bin ich inzwischen davon überzeugt, dass Meditation und Achtsamkeit bzw. das innere Wachstum in erster Linie bedeutet, die eigenen Abgründe zu erkennen, sie anzusehen und anzunehmen. Wachstum ist dann der Weg des sich selber Kennen Lernens und der Selbstannahme, was mir weitaus wichtiger erscheint als bzw. vielleicht sogar die Grundlage ist, um ein besserer Mensch zu werden, wobei ich schon mit dem Ausdruck „besserer Mensch“ eigentlich ein Problem habe. Was ist das? Ein Altruist, jemand der sich nur oder viel um das Wohl anderer Menschen kümmert? Jemand, der mit sich selbst im Reinen ist und mit sich und der Welt gut klar kommt? Jemand, der umgänglich und unkompliziert und beliebt ist? Nein, ich habe aufgeführt, danach zu streben, ein besserer Mensch zu sein, ich strebe nach eigenem Wohlergehen und Zufriedenheit und dann lande ich wieder bei den Abgründen.

Den meisten von uns ist wahrscheinlich das Konzept des inneren Kindes vertraut. Es besagt, dass wir alle noch unsere kindlichen Anteile in uns tragen und dass besonders die Anteile, die in der Kindheit nicht genügend Aufmerksamkeit bekamen, im Erwachsenenalter noch immer danach rufen, gehört und gesehen zu werden. Ich habe zum Beispiel kindliche Anteile, die unglaublich schlecht Kompromisse schließen können und unbedingt immer den eigenen Willen durchsetzen müssen. Wenn ich mich mit jemandem verabrede und es passiert etwas Unvorhergesehenes, ein Café, dass man gemeinsam besuchen wollte ist zum Beispiel geschlossen oder die Verabredung hat plötzlich keine Lust mehr in die Ausstellung zu gehen, dann tue ich mich unglaublich schwer, mich den neuen Gegebenheiten anzupassen und spontan umzuentscheiden. Mein inneres Kind ist dann zornig und wütend und möchte auf jeden Fall doch noch den eigenen Kopf durchsetzen. In solchen Situationen fällt es mir als Erwachsene oft sehr schwer, souverän zu bleiben und mich nicht in ein nörgelndes Kleinkind zu verwandeln.

Abgründe tun sich auch oft am Wochenende oder an Tagen auf, an denen ich nichts zu tun und keine Verpflichtungen habe. Dann grölt mein innerer Kritiker mich an, was für ein schwacher und schlechter Mensch ich doch bin, weil ich kein aufregendes Freizeitprogramm habe oder schlichtweg nichts mit mir anzufangen weiß. Ich weiß, dass Langeweile nicht schlimm ist und sogar zur Kreativität dazu gehört, ich weiß, dass neben Produktivität auch mal Passivität angesagt ist – mein Kritiker und diverse andere Anteile in mir sind da jedoch völlig anderer Ansicht und tun dies auch lautstark kund sobald sich nur die kleinste Gelegenheit bietet.

Es gibt viele innere Phänomene, die es einem oft schwer machen, sich auf das Hier und Jetzt einzulassen und die einem den Blick vernebeln. Wut gehört dazu, aber auch Selbstablehnung, Neid und Gier, das endlose Haben-Wollen, das wie ein Faß ohne Boden ist, egal, wieviel man hinein kippt… und sie alle haben gemeinsam, dass es überhaupt nichts bringt, sich dafür zu schämen und sie abzulehnen, sondern all diese Anteile und Emotionen wollen gesehen und ernst genommen werden, und wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Ich gestehe, dass ich das ziemlich lange nicht wahrhaben wollte. Es kam mir absurd vor, mich mit oft unlogischen, überreizten und unangemessenen Gefühlen und Ich-Zuständen auseinander zu setzen aber inzwischen habe ich kapiert, dass es anders gar nicht geht, weil zum Beispiel verdrängte oder unterdrückte Wut sich garantiert ein Ventil sucht, darauf kann man sich verlassen!

Das alles klingt unheimlich anstrengend und ist es auch. Wenn mir vor zehn Jahren jemand gesagt hätte: Du wirst Dich selber besser kennen lernen und den Weg des inneren Wachstums einschlagen, hätte ich in die Hände geklatscht und laut „Bravo“ gerufen! Wie naiv und idealitstisch ich war, sehe ich heute, um einige Selbsterfahrungen reicher und mit einer besseren Kenntnis meiner inneren Landkarte. Man braucht unheimlich viel Humor und Gelassenheit in dem Prozess und es schadet auch nicht, wenn man zumindest eine Person im Umfeld hat, mit der man über wirklich alles sprechen kann, und kommt es einem noch so peinlich oder albern vor. Die Seiten des eigenen Selbst anzunehmen, die man eigentlich gar nicht mag oder mit denen man nicht umgehen kann, ist kein Zuckerschlecken. Da darf man sich ruhig auch Unterstützung holen.

Und es hilft, wenn ich eben nicht immer den Anspruch an mich habe, ein guter und angenehmer Mensch zu sein sondern mir auch erlauben kann, mal total daneben zu liegen und mich unbeliebt zu machen. Die echten Freunde werden es aushalten, bei allen anderen, behaupte ich jetzt einfach mal, ist es nicht so wichtig. In die eigenen Abgründe zu sehen ist wie eine Reise auf der man öfter nicht weiß, was hinter der nächsten Abbiegung kommt, das erfordert Kraft, Mut und Selbstfürsorge, da kann ich nicht immer darum bemüht sein, ein gutes Bild abzugeben, da geht es oft um viel existentiellere Dinge, denen das eigene Image ziemlich wurscht ist.

Das Selbstbild, ja, das verändert sich naturgemäß auf dieser Reise auch und ich bin nicht immer glücklich mit dem, was da neu ins Bild will. Aber auch das gehört dazu, so wie der Mut sich zu zeigen, wie man gerade ist.

Es sind spannende Zeiten und mich würde sehr interessieren, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt auf dem Weg zur Selbstakzeptanz – vielleicht mag ja der/die eine oder andere berichten…?

Für heute verbleibe ich an diesem Wintersonntag mit eingemummeltem Grüßen,

Eure Merle

 

 

Doch, ich hab Humor…!

dav

Immer wieder werde ich gefragt, warum ich so ernst bin und so viele ernste Themen behandle, ob ich denn keinen Humor hätte… doch! Ich hab Humor, wie ein überraschendes Ergebnis meiner heutigen Kreativzeit zeigt. „Aliens eat flowers, don’t they?“ ist der Titel und ich hatte zumindest viele Spaß beim Malen 😉

Warum ich hier öfter über ernstere Themen schreibe als über Lustiges bzw. Humoriges liegt daran: ich schreibe eher über das, was in mir Fragen aufkommen lässt und was mich nachhaltig beschäftigt. Außerdem war ich schon als Kind eher ernst und weniger für den Witz zu haben, zumindest nicht für oberflächlichen oder den Witz auf anderer Leute Kosten. Ich könnte auch sagen: wenn es mehr guten Humor gäbe, würde ich mehr lachen! Aber das ist ein bißchen vermessen, da ich zugegebener Maßen nicht danach suche. Würde ich das tun, würde ich sicher fündig…

Gleichwohl ist mir bewusst, dass Humor und eine gewisse Leichtigkeit das Leben angenehmer machen, also habe ich hier eventuell eine Aufgabe für das neue Jahr, nämlich öfter mal nach den lustigen Seiten des Lebens zu gucken und meinen Spaß an Albernheiten nicht zu vergesssen.

Zu guter Letzt: der geneigte Leser bzw. die geneigte Leserin wird sicher bemerkt haben, dass ich einige Texte hier mit einem gewissen Augenzwinkern geschrieben habe – es ist also auch in dem was ich schreibe oft durchaus Humor zu finden, nur vielleicht nicht immer ganz so offensichtlich.

Und nun wünsche ich allen einen mollig-warmen, gemütlichen Donnerstag Abend und verbleibe

Eure Merle

 

Die Welt braucht mehr Einhörner!

dav

Als erstes ist es mir vor zwei Jahren aufgefallen, als ich in den verschiedenen Postkartenregalen immer mehr Spruchkarten fand, die das Einhorn zum Thema hatten, wie zum Beispiel „Komm Einhorn, wir gehen!“ oder „Vergesst den Prinzen, ich nehm das Einhorn!“ oder auch „Sei immer Du selbst, und wenn das nicht geht, sei ein Einhorn!“ Ich springe hier auf keinen Trendzug auf sondern erlaube mir die Interpretation, dass offensichtlich ein großer Bedarf an Einhörern besteht. Und warum auch nicht? Oder besser gesagt: aber natürlich!

Über die Feiertage habe ich in meine DVD-Sammlung gegriffen und mir Ally McBeal-Folgen angesehen, eine US-Serie, die Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre lief, in deren Mittelpunkt eine neurotische wie sich einsam fühlende Anwältin steht, Ally McBeal. Der Mythos um die Serie besagt, dass die in ihr gezeigten Gerichtsfälle alle auf realen Verfahren beruhen und ich möchte das gerne glauben, besonders bei der Folge, in der ein Banker seinen Job verliert, weil er ein Einhorn gesehen hat und dies unter Kollegen kundgetan hat um sich zu vergewissern, wer das Einhorn noch sah. Er wird gekündigt, weil er als nicht mehr zurechnungsfähig gilt und geht vor Gericht. Sein Anwalt hält ein wunderbares Plädoyer, in dem es darum geht, dass wir alle Hoffnung brauchen, dass vor allem einsame Menschen Hoffnung brauchen und dass es keinen Grund gibt, jemanden für verrückt zu erklären, nur weil er oder sie etwas gesehen hat, was andere nicht sehen können. Ich kann dem nur rundweg zustimmen, obwohl ich selber noch nie ein Einhorn gesehen habe, leider.

Das Einhorn gilt als Symbol für Einsamkeit, aber auch der Hoffnung und Liebe und diejenigen, die es sehen können, sollen mit einer besonderen, magischen Fähigkeit ausgestattet sein. Es ist also kein Wunder, dass Einhörner schon seit einer Weile hoch im Kurs stehen, denn ich denke, dass immer Menschen unter Einsamkeit und Isolation leiden. Wem möchte man da kein Einhorn wünschen? Nur nebenbei erwähnt: In England gibt es seit einer Weile ein Ministerium für Einsamkeit, es soll sich um die steigende Anzahl der vor Einsamkeit kranken Menschen kümmern, man hat das Phänomen dort bereits als Kostenfaktor erkannt. Ich glaube, England ist keine Ausnahme, so ein Ministerium bzw. die damit verbundenen Projekte und Maßnahmen könnten viele, vor allem westliche Industrienationen gut gebrauchen.

Der um sich greifenden Einsamkeit beizukommen, ist nicht einfach. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen so mit sich und ihrem Leben beschäftigt sind, dass sie wenig Kraft und kaum einen Blick für Andere haben. Ich konnte mich kurz vor Weihnachten selbst dabei beobachten, wie ich kein Wort für einen Gast in einem Cafe übrig hatte, in dem ich gerade mit meiner Freundin war. Der Mann versuchte, sich in unser Gespräch zu mischen und ich fand das nur unhöflich und ignorierte ihn, aber am Ende dachte ich mir, wahrscheinlich war er einfach nur einsam. Einsamkeit begegnet mir im Alltag häufig und ich selber fühle mich auch oft einsam. Bisher habe ich mir mehr schlecht als recht Strategien zurecht gelegt, um mit der Einsamkeit umzugehen. Wie schön wäre es, wenn ich einen Zugang zu der Weltenebene hätte, in der es Feen, Elfen, Engel und Einhörner gibt. Ich glaube, ohne dieses Reich in unser Leben zu lassen, ohne der Magie Raum in unserem Leben zu geben, sind wir um einiges ärmer.

Die Menschen, die in Kontakt zu diesen Sphären sind, finde ich beneidenswert. Wir sollten jeden, der Einhörner sieht, beglückwünschen und uns freuen, dass es sie gibt. Oft werden unsere Mitmenschen, die an solche übernatürlichen Wesen glauben als Spinner abgetan, Menschen, die sich mit Übersinnlichem beschäftigen als Esoterik-Schlümpfe abgewertet. Ich meine, da sollten wir vorsichtig sein! Nur weil ich etwas nicht sehe oder spüre, was ein anderer sieht und spürt, heißt das noch lange nicht, dass es so etwas nicht gibt! Und vielleicht kommen ja die letzten Einhörner gerade jetzt wieder vermehrt zu uns, da sie fühlen, dass die Menschheit sie braucht! Der Bankmanager aus der Serie Ally McBeal hat übrigens nach dem leidenschaftlichen Plädoyer des Anwalts seinen Job wieder bekommen.

Es gibt viele Gründe, Vorurteile gegenüber Anderen zu haben; Menschen, die nicht konform gehen, die etwas „abseits“ der Gesellschaft stehen oder die etwas entrückt wirken, werden gerne vorverurteilt – nur weil sie nicht in den Mainstream passen. Vielleicht macht es manchen ja auch Angst, was da draußen noch so alles existieren könnte. Mein eigener Weg muss aber nicht in Frage gestellt werden, nur weil ein Anderer ihn nicht geht. Umgekehrt genauso. Ich stelle daher die Behauptung auf, dass es uns allen etwas besser ginge, wenn wir mehr „Ver-rücktheit“ in unser Leben ließen und offen bleiben für das Fremde, das Nicht-Erklärbare, das Magische.

Wie ich selbst aktiv Kontakt zu Einhörnern aufnehmen kann, habe ich noch nicht heraus gefunden, ich schätze, das lässt sich auch nicht beschleunigen, ich muss einfach geduldig sein. Die eine oder andere Fee lade ich auch herzlich gerne ein! 😉

Vielleicht ist ja unter meinen LeserInnen eine Glückliche, die damit schon Erfahrung gemacht hat und möchte diese mit uns teilen? Ich würde mich sehr darüber freuen…!

In diesem Sinne verbleibe ich freudig gespannt,

Eure Merle