Ein kreativer Gruß an meine Leserinnen und Leser zwischen den Jahren…

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Waldnymphen und Feen beim Bade (Dezember 2018, Acryl und Lackstift auf Papier)

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Wege des Lichts (Dezember 2018, Acryl und Pastellkreide auf Papier)

Nun ist das Jahr bald herum und Weihnachten vorbei – ich hoffe, Ihr hattet alle schöne und ruhige Feiertage, mit der richtigen Prise Weihnachtszauber – und wir dürfen uns über ein neues Jahr, das herbeieilt, freuen. Mit ihm werden die Tage wieder länger, wenn es auch noch eine Weile Winter sein wird. Für mich ist diese Zeit zwischen den Jahren immer eine gute Gelegenheit, Rückschau zu halten, was im vergangen Jahr geschehen ist und eine Zeit des vorsichtigen Planens für das kommende Jahr. Ich mache also eine kleine Bestandsaufnahme und überlege, was ich in näherer Zukunft gerne angehen möchte. Ich mag das Wort „Vorsätze“ nicht, das ist mir zu streng, aber eine geistige Inventur finde ich für mich schon passend. Dabei werde ich Prioritäten setzen, altes Ausmisten und Neues einladen und hoffen, dass ich im nächsten Jahr die Dinge schaffen werde, die ich bisher auf die lange Bank geschoben habe.

Wenn alles gut geht, werde ich 2019 sehr viel weniger Papierkram zu erledigen haben und mich mehr auf meine Malerei konzentrieren können. Und wenn es richtig gut läuft, kann ich meine Bilder ausstellen, das wäre zumindest ein großer Wunsch von mir. Am wichtigsten ist mir aber, mich noch mehr in Achtsamkeit zu üben und weniger unter Druck zu agieren als vielmehr von Lebenslust und Freude angetrieben bzw. angezogen zu handeln. Ich weiß, dass ich dafür noch viel mehr Geduld mit mir selber und Welt benötige und mehr Gelassenheit und Vertrauen entwickeln darf. Es sind also nicht gerade Kleinigkeiten, die ich mir da in mein Leben holen will, aber das schöne ist ja, dass ich unter keinerlei Zeitdruck stehe 😉

Licht

Gefangen im Alten
Gespannt auf das Neue
Genau hinsehen
Dass ich nichts bereue

Im Wechsel leben
Wie die Jahreszeiten
Dem Fluss vertrauen
Mich liebevoll selbst begleiten

Streben nach Höhen
Erkennen der Täler
Immer was wagen
Verzeihen die Fehler

Nicht zu vergessen
die Liebe in allem
wenn sie mir begegnet
sie zu umarmen

Dort wo sie fehlt
nicht zu zu machen
mit leichter Hand
ein Licht entfachen

Denn so dunkel es sein mag
so traurig dann und wann
Hab ich es doch selbst in der Hand
Mit Liebe und mit Mitgefühl
ein Licht zu sein, das leuchten will

 

© Merle Deva

 

 

 

 

 

 

Kopfkino

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In den vergangenen Monaten ist mir immer bewusster geworden, wie sehr ich in meinem Kopfkino gefangen bin, soll heißen, dass ich mir alle möglichen Gedanken darüber mache, wie die Welt ist, wie die Menschen sind, was andere über mich denken oder nicht denken, warum etwas so oder nicht anders, weshalb sich ein Mensch mir gegenüber so und nicht anders verhält. Ich finde Erklärungen, entwerfe Modelle, ziehe Schlüsse und bis zu einem gewissen Grad ist das sich Erklären der Welt ja normal, ohne diese inneren Vorgänge könnten wir nicht überleben. Was mich aber immer mehr „beeindruckt“, ist die Erkenntnis, wieviel ich Projiziere, wie oft meine Erklärungsmuster eben einfach nur meine Erklärungsmuster sind, ohne dass ich sie wirklich mit der Realität oder meinem Gegenüber abgleiche.

Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass ein Mensch, der sich mir gegenüber unfreundlich verhält, ein Problem mit mir hat. Ob das stimmt, weiß ich gar nicht. Vielleicht hat er oder sie einfach einen schlechten Tag und die üble Laune hat gar nichts mit mir zu tun. Ich frage aber nicht nach – was je nach Kontext auch unangemessen wäre – sondern gehe gleich davon aus, dass ich die Ursache bin. Ein klassischer Fall von Kopfkino.

Vor einer Weile habe ich eine junge Frau mit einem T-Shirt gesehen, auf dem stand:
„90% haben nichts mit Dir zu tun!“ – Ja! Das ist so wahr, daran möchte ich mich gerne öfter erinnern. Fakt ist doch, dass wir in den wenigsten Fällen wissen, was unser Gegenüber denkt oder fühlt. Wir glauben nur allzu oft, wir wüssten es. In den meisten, oberflächlichen Alltagskontakten ist es sicher auch gar nicht weiter von Bedeutung, ob meine Annahme mit der Realität übereinstimmt. Ob die Kassiererin im Supermarkt unhöflich ist, weil sie einen langen Arbeitstag hinter sich hat oder weil ihr meine Nase nicht gefällt, ist für mich in aller Regel nicht von Belang.

Spannender wird es da schon bei engen persönlichen Kontakten, wenn ich zum Beispiel eine Bitte an eine Freundin habe und mir unsicher bin, ob diese Bitte angemessen ist oder nicht. Darf ich das erbitten oder gar erwarten? Und anstatt einfach zu fragen, überlege ich dann oftmals Tage lang hin und her, ob ich das fragen kann… bis ich es endlich tue und meistens positiv überrascht werde – vorher war nur Kopfkino!

Sehr schön ist auch das Beispiel, wenn ich das Gefühl habe, eine Freundin könnte Unterstützung gebrauchen, ich fühle mich aber nicht in der Lage, ihr diese zu geben – aus welchem Grund auch immer. Merke: sie hat mich noch gar nicht gefragt, da hab ich schon ein inneres Drama durchlebt und ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr keine Hilfe angeboten habe. Ein schwerer Fall von Kopfkino.

Sehr aktiv ist mein inneres Filmcasino auch wenn es darum geht, bestimmte Prozesse abzuwarten, also zum Beispiel Anträge beim Amt oder Untersuchungsergebnisse beim Arzt. Die Filme, die ich da vor meinem inneren Auge zu sehen bekomme sind ausnahmslos immer das worst-case-scenario und enden in einer Katastrophe. Neulich war ich beim Amt und habe einen Antrag persönlich abgegeben. Der Mitarbeiter steckte meine Papiere in einen offenen Umschlag, um sie an einen anderen zuständigen Kollegen weiter zu geben. Mit flehender Stimme bat ich den Mann, ja keines meiner Dokumente zu verlieren – ich sah sie innerlich schon im Haus verloren. Der Sachbearbeiter sah mich leicht mitleidig an und nickte nur… wer weiß, was er sich gedacht hat, aber auch das ist schon wieder Kopfkino.

90% haben nichts mit mir zu tun – und, so möchte ich ergänzen: nicht alles endet im Chaos! Wenn ich mir mein Leben so ansehe, ist erstaunlich viel glatt gegangen! Schade, dass mein innerer Fimvorführer sich das so wenig zu Herzen nimmt. Aber ich will mir gegenüber nicht ungerecht sein: sich Sorgen zu machen und zu projizieren ist allzu menschlich, wir tun das alle. Es ist viel eher eine Frage des Ausmaßes und das ärgert mich in meinem Fall ganz besonders.

Denn im Grunde ist es ja so: was ein Mensch sagt oder tut verrät sehr viel mehr über ihn selbst als über andere. Im Endeffekt ist also sogar ein Kompliment an mich eher eine Aussage über den Sender als über den Empfänger. Sich das bewusst zu machen, finde ich ungemein erleichternd, besonders, wenn es nicht um Komplimente geht. Des weiteren macht es überhaupt keinen Sinn, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was andere von mir erwarten oder sich wünschen oder denken: ich kann das nicht riechen und deshalb kann ich meiner Umwelt eigentlich immer nur sagen: sprecht mit mir, wenn etwas nicht in Ordnung ist oder ihr etwas von mir wünscht. Darauf würde ich gerne vertrauen, dass das nicht immer der Fall ist, scheint mir normal, aber deswegen muss ich mir nicht den Kopf zerbrechen.

Ich habe in letzter Zeit ein paar Bilder gemalt mit dem Titel „Unbekannte Landschaften“. Damit möchte ich auch zum Ausdruck bringen, dass jeder Mensch um mich eine unbekannte Landschaft ist, zumindest ab einem gewissen Punkt. Wenn das Kopfkino mal still ist und ich mich einfach nur auf den Moment einlasse, dann wird mir jedes Mal aufs Neue bewusst, dass wir alle unser eigener Kosmos sind und ich nicht wissen kann, was im Anderen vor sich geht, zumindest solange ich nicht nachfrage. Und auch dann wird die individuelle Sprache mir nur einen begrenzten Ausschnitt aus dem Universum des Anderen zeigen können.

Das Kopfkino auszuschalten oder leiser zu drehen eröffnet mir die Möglichkeit, die Welt und die anderen Menschen aus einer anderen Perspektive zu sehen, also nicht durch die Jahre lang gut gepflegte Brille der eigenen Muster und Erwartungen sondern dem Wesen des Anderen bzw. der Welt unverblendet näher zu kommmen, wie sie wirklich sind. Dass dabei verbale Sprache manchmal versagt, finde ich nicht schlimm, dafür gibt es genügend andere Wege der Kommunikation, die wir nutzen können. Manchmal sagt eine Geste mehr als tausend Worte. Aber die äußere Welt öfter ohne Verzerrungen und Prägungen des eigenen Geistes wahrzunehmen und zu spüren, das finde ich sehr erstrebenswert und bereichernd.

Ich habe mir für das kommende Jahr einiges vorgenommen, vielleicht sogar zu viel, aber die Sache mit dem Kopfkino, da möchte ich wirklich dran bleiben, ich glaube das lohnt sich!

Wie sieht es mit Eurem Kopfkino aus? Ist das auch so aktiv oder habt Ihr es schon leise gedreht? Schreibt mir, ich freue mich über Eure Beiträge!

Eure Merle

 

 

Was passiert, wenn ich aufhöre, den Spuren von „Müssen“ zu folgen…?

dav

das frage ich mich schon eine geraume Weile und ich bin noch zu keiner Antwort gelangt, weil ich mich nicht traue, aufzuhören zu „müssen“… Um konkret zu werden:

Der Alltag ist voll von Dingen, die wir angeblich tun müssen: Wäsche waschen, Geschirr spülen, den Müll runter bringen, Staubsaugen, die Katze oder den Hund versorgen, Freunde zurück rufen, Einkaufen gehen, Hemden bügeln, zum Zahnarzt gehen und und und  – und nicht zuletzt Arbeiten gehen. Nun bin ich gerade in einer Lage, in der ich nicht Arbeiten gehe, alle anderen Spuren von Müssen finden sich trotzdem in meinem Leben und obwohl schon ein großes Muss, also die Erwerbsarbeit, fehlt, fühle ich mich trotzdem und immer noch eingeengt durch zu viel „Müssen“. Was würde passieren, wenn ich einfach mal einen oder zwei Tage nichts mache? Im Bett liegen bleibe und alle Fünfe gerade sein lasse? Den Katzen könnte ich genug Essen für zwei Tage hinstellen und gut, die Katzentoiletten würden am zweiten Tag irgendwann zu riechen anfangen, aber ansonsten würde der HImmel schätzungsweise nicht über mir einbrechen. Ich könnte mich mal so richtig erholen, schlafen so viel ich will, essen wann und was ich will – und sonst einfach NICHTS TUN. Eine herrliche Aussicht und doch war ich bisher unfähig, dies zu versuchen. Mich packen die Hummeln im Hintern spätestens am Mittag, ich muss dann aufstehen und irgendetwas vermeintlich Sinnvolles tun. Ich finde das schade, denn ich glaube tatsächlich, das mir etwas entgeht. Aber ich bin so darauf programmiert, dass „man“ das nicht macht, dass mein ganzes System laut aufschreit, wenn ich es mal zur Ruhe betten will.

Ich glaube, ich habe Angst, dass es mir zu gut gefallen könnte, nichts zu tun und das es dann in irgendeiner Art und Weise mit mir bergab geht. Wer einmal die Zügel schleifen lässt, der kommt nicht mehr in die Gänge, so oder so ähnlich sind meine Gedankengänge dazu. Dabei haftet mir nur ein altes Wertesystem an, nachdem nur etwas wert ist, wer auch was Sinnvolles tut. Ora et labora ist das im christlichen Kontext, Beten und Arbeiten. Ich möchte mich wirklich davon befreien, denn ich persönlich glaube nicht, dass wir hier sind, um zu arbeiten oder nur zu funktionieren.

Allerdings habe ich über weite Strecken in meinem Leben vor allem genau das getan: gearbeitet und funktioniert und jetzt, da ich es nicht muss, fällt es mir schwer loszulassen, dabei habe ich mich nichtmal übermäßig mit meiner Arbeit identifiziert. Aber im gesellschaftlichen Rahmen ist es eben doch selbstverständlich, dass man arbeitet und wer das nicht tut, wird oft erstmal schräg angesehen. Mir ist das bisher dankenswerter Weise noch nicht oft passiert, aber es kommt vor. Die Ethik des beschäftigt sein müssens und des Wert schaffen müssens sitzt meiner Meinung nach tief in den meisten von uns – in meinen Augen richtet sie da oft viel Unheil an, denn eine Wertigkeit des Menschen nach seiner Arbeitsleistung aufzustellen,  lehne ich strikt ab.

Aber lassen wir mal den großen Brocken Erwerbstätigkeit hinter uns und schauen auf das, was da sonst noch ist. Auch die Freizeit muss spannend und aktiv gestaltet werden, sonst ist man langweilig und der optimierte Mensch macht natürlich auch regelmäßig Sport, unternimmt interessante Reisen und achtet stets auf seine gesunde Ernährung und ein passendes Erscheinungsbild. Ich übertreibe gerade ein bißchen und rutsche etwas ins Klischee, das ist mir bewusst, aber so ganz falsch liege ich glaube ich damit nicht. Ich denke, dass wir durch Werbung und Medien ganz subtil ein Ideal vorgesetzt bekommen, wie ein erfolgreicher Mensch auszusehen und zu sein hat. Und das viele von uns, mich eingeschlossen, oft unbewusst versuchen, dieses Ideal zu erfüllen, um dazu zu gehören, um akzeptiert und wertgeschätzt zu werden. Und ich glaube, dass wir darauf viel Kraft, Zeit und Energie verwenden, die uns dann woanders fehlt. Zum Beispiel bei der Kontemplation, bei der Innenschau und Selbsterkenntnis oder beim Nichts Tun.

Was den Haushalt angeht, habe ich mich damit abgefunden, dass ich mit einem bestimmten Level an Unordentlichkeit einfach nicht leben möchte und deshalb wohl nie mehr als zwei Tage im Bett verbringen werde, zumindest solange ich mich nicht dazu entscheide, jemanden für das Reinemachen zu bezahlen. Das ist schade, aber mein Wohlfühlgefühl hängt nunmal von einer gewissen Ordnung und Sauberkeit ab. Insofern brauche ich mir wohl keine Sorgen zu machen, dass ich im kompletten Chaos versinken werde. Andere Spuren von Müssen kann ich aber bestimmt noch relativieren, da bin ich mir sicher. Beim Fensterputzen und Bügeln klappt das Loslassen schon hervorragend, beim Einkaufen so mittelmäßig und beim sozialen „Müssen“ ist es ein stetes Auf und Ab. Ich befürchte oft, dass meine Freundschaften unter meinen autistischen Phasen leiden könnten, allerdings unterliege ich hier ziemlich sicher einer Fehleinschätzung meiner Freunde.

Was soll ich sagen, das Experiment, ein paar Tage im Bett zu verbringen steht noch aus, aber ich hoffe, dass ich es bald unternehmen werde. Und dann werde ich berichten, wie es mir damit ergangen ist. Gleichzeitig hoffe ich,  den vielen „Müssen“ des Alltags immer gelassener begegnen zu können und nicht alles immer ganz so genau zu nehmen, ich glaube, das wird schon helfen. Ich freue mich natürlich über alle Erfahrungsberichte meiner geschätzten Leserinnen und Leser, die auch begonnen haben, die Spuren von „Müssen“ in ihrem Leben zu minimieren.

So verbleibe ich gespannt auf Kommentare und in Vorfreude auf mein Experiment,

Eure Merle

 

 

 

Vom Sinn der Weihnacht

Heute melde ich mich nach gefühlt etlichen Tagen zurück, undzwar in Wort und Bild.

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Tanz der Sirenen (Dezember 2018, Acryl und Lackstift auf Papier)

…und ich möchte heute über Weihnachten schreiben. Ich sag es gerade heraus: ich tue mich schwer mit Weihnachten, was nach aller Wahrscheinlichkeit daran liegt, dass ich keine Familie habe, mit der ich Weihnachten feiern kann. Gleichzeitig ist es aber dieses Jahr so, dass mich tatsächlich ein vorweihnachtlicher Zauber berührt, was auch daher kommt, dass ich das Gefühl habe, die Welt um mich herum ist tatsächlich etwas ruhiger und besinnlicher geworden. Vielleicht war ich nicht oft genug in den Verkaufszonen der Stadt, aber obwohl ich selber mitten in der Stadt wohne, merke ich, dass die Betriebsamkeit nachgelassen hat und die Menschen anders miteinander umgehen. Das freut mich ungemein. Und dann habe ich letztes Wochenende doch tatächlich einen Weihnachtsmann von meinem Küchenfenster aus die Straße entlang gehen sehen! Es weihnachtet also ganz gehörig um mich herum, weshalb ich mir dieses Jahr auch Lebkuchen und Plätzchen gönne und mich über den Adventskranz freue.

Und doch gibt es diesen Stich in meinem Herzen, der sagt, dass ich allein sein werde, wenn Freunde und Bekannte mit ihren Familien das Lichterfest begehen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich Weihnachten alleine feiere, eigentlich habe ich Übung darin, aber auch gerade weil mich die Vorweihnachstzeit gepackt hat, ist es doppelt schade, dass es keinen familiären Kreis geben wird, in dem man sich bekabbeln, hochnehmen, anpflaumen und dann doch gemeinsam feiern wird. Weihnachtslieder alleine singen macht auch keinen Spaß, das hab ich schon probiert. Ich habe mich vor Jahren auch schon auf eine Tour durch die Krankenhäuser der Stadt gemacht, um Kindern vorzulesen und kleine Geschenke zu bringen – ich war positiv überrascht, wie wenig Bedarf es daran gab! Dann kann ich natürlich auch noch alleine zum Inder Essen gehen, das hat aber auch einen gewissen Frustfaktor, weil ich auch dort nur auf Grüppchen oder Pärchen stoße.

Nein, ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, den Geist der Weihnacht richtig zu spüren. Ich möchte das Magische, das Zauberhafte, das Unerklärliche am Weihnachtsabend richtig erfahren. Ich möchte mich darüber freuen, dass das Licht der Welt nicht erlischt und immer weiter getragen wird und die Tage wieder länger werden. Ich möchte mich darüber freuen, dass fast überall auf der Welt die Menschen die gleichen Lieder singen und fest daran glauben, dass das Gute in der Welt ist und dass wir es bewahren und feiern sollten. Ich möchte an all die leuchtenden Kinderaugen denken, die vor den geschmückten Weihnachtsbäumen und den Geschenken stehen und aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Ich werde an all diejenigen denken, die an Weihnachten arbeiten und so für uns alle wichtigen Funktionen aufrecht erhalten. Aber ich werde auch an die denken, die niemanden haben und die kein Weihnachten feiern können, sei es, weil sie zum Beispiel auf der Flucht sind oder in Armut leben. Ich möchte das menschliche Wunder spüren, das eigentlich ein göttliches ist, dass wir nämlich immer noch da sind, so wie das Licht der Welt.

Wenn das Wetter es zulässt, werde ich vielleicht einfach den Sternenhimmel betrachten oder ich gehe spazieren und schaue mir die Weihnachtsbeleuchtungen in meinem Viertel an. Ganz sicher werde ich mit meinen Katzen kuscheln und mich bei ihnen bedanken, dass sie immer noch da sind und mich begleiten.

Weihnachten ist schon seltsam, auf wunderbare Weise. Ich habe mich Jahre lang über den Konsumrausch aufgeregt und mich geärgert über das maßlose Schenken. Heute denke ich etwas anders darüber. Heute glaube ich, dass viele Menschen so das Leuchten und Glitzern in die Welt zu bringen hoffen, dass doch eigentlich von ihnen selber ausgeht. Darum geht es doch, um das eigene innere Licht und dass wir es zum Strahlen bringen. Dafür muss ich nichts schenken. Ich gebe zu, dass ich schon manches Mal gute Lust hatte, an Weihnachten, wenn die Geschäfte noch offen sind, durch die Menschenmassen zu gehen und Einzelne einfach zu fragen, ob sie auch ihr inneres Licht nicht vergessen haben. Aber dann kommt mir das auch wieder vermessen vor und ich lasse es sein. Das Schöne ist ja, dass hier die meisten ihr Weihnachten so gestalten können, wie sie es wollen, und das möchte ich gar nicht stören. Obwohl, so ein kleiner Störfaktor kurz vor der Bescherung… na, ich glaube nicht.

So, ein paar Tage ist es ja noch hin, bis das Christkind vor der Tür steht. Allen, die sich in Vorbereitungen für die Feiertage befinden, wünsche ich dabei Freude und gutes Gelingen und uns allen wünsche ich, dass wir das Magische dieser Tage erfahren und bewahren können.

In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Adventszeit,

Eure Merle

 

 

Ins warme Heim

Der Tag wie Blei
hängt mir noch nach
das Herz schlägt müd
nach Haus ich eil

Die Kälte zehrt
ich bin genervt
in’s warme Heim
so schnell es geht

Den Schlüssel steck ich
in die Tür
da hör ich’s schon,
du sprichst mit mir

Du schnurrst und gurrst
empfängst mich dann
bist wohlig warm
und guckst mich an

Du fragst mich nichts
bist einfach da
umstreichst mich nur
du liebes, kluges Katzentier

© Merle Deva

Unfreiwillige Selbsterfahrung

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…dass ich mein Handy mag, wusste ich, dass ich aber so genervt sein würde, wenn es mal nicht funktioniert, das hatte ich nicht gedacht. Eigentlich habe ich nur den Anbieter gewechselt, und das früh genug in die Wege geleitet, mit Rufnummern-Mitnahme. Doch seit heute bin ich mobil nicht erreichbar und kann auch selbst von unterwegs niemanden erreichen, was ganz schön frustrierend ist! Aber noch frustrierender ist, dass ich nicht genau weiß, warum mein Handy nicht arbeiten will: ist die Rufnummernportierung noch nicht erfolgt, die neue SIM-Karte defekt oder hat mein Handy gar einen SIMlock? Schöne Erfahrung: rufe bei meinem alten Anbieter Telekom an, um zu erfahren, ob mein Handy einen SIMlock hat, aber der Sprachcomputer lässt einen nur durch, wenn man eine Handynummer angibt – wenn ich meine Handynummer jetzt eingebe, teilt mir der Roboter freundlich mit, dass er mir mit dieser Nummer nicht mehr helfen kann, ich soll mich an den neuen Anbieter wenden. Danke Telekom!

Das beruhigende ist: meine temporäre (ich bleibe Optimistin) Unerreichbarkeit wird den Lauf der Welt nicht stören und ich darf mal wieder wissen, wie es ist, nicht ständig kommunizieren zu können… alles ist für was gut, gell….

Es grüßt herzlich, mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Eure Merle

Unbekannte Landschaften

dav

Unbekannte Landschaften, das ist nicht nur der Titel von dreien meiner Werke, es drückt auch mein derzeitiges Lebensgefühl aus. Ich fühle mich, als sei ich unterwegs in unbekannten Landschaften, als hätte mich jemand mitten auf dem Planeten in diesem Leben abgesetzt und gesagt: jetzt mach mal! Und ich stolpere so dahin in den Landschaften… ich bin jetzt 44 Jahre alt und hab schon ein bißchen was erlebt, und ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber immer wieder im Leben bin ich an Punkte gekommen, an denen ich dachte, ich hätte jetzt das Leben so einigermaßen verstanden, ich wüsste, worauf es ankommt und was ich vermeiden sollte. Aber dann passiert garantiert mir oder meinen Lieben irgendetwas, was mich wieder völlig aus dem Konzept haut und ich muss mir sagen: denkste! Nix haste kapiert! Das Leben ist und bleibt unberechenbar, unvorhersehbar und ganz schön seltsam bisweilen.

Ich komme auch auf diese Gedanken, weil ich unlängst eine Nachricht von einer Freundin bekommen habe, dass sie ein geliebtes Wesen gehen lassen musste und diese Freundin hat wirklich seit geraumer Zeit eine arge Pechsträhne und ich frage mich dann schon: muss das sein, gerade diese Häufung an schmerzhaften und unschönen Erfahrungen…? Der Mensch hält ja viel aus, aber muss es denn bei manchen bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus gehen? Reicht es nicht irgendwann einmal? Und woran liegt es, dass die einen über weite Strecken kämpfen müssen und die anderen nicht? Ich weiß, Vergleich ist aller Unzufriedenheit Anfang, dennoch komme ich nicht umhin zu sehen, dass den einen das Leben ungleich viel leichter fällt als den anderen.

Und natürlich kenne ich all die Theorien, warum das so ist, angefangen bei dem, was wir qua Geburt und Genetik mitbekommen und dann durch die gesellschaftliche Prägung und ich kenne die Statistiken die besagen, dass manche Menschen überdurchschnittlich oft Opfer von Verbrechen oder Unglücken werden und vieles hat sicher auch mir der eigenen Haltung zum Leben zu tun – aber doch nicht alles! Ich kenne auch die der Esoterik oft nahe stehende Annahme, man habe sich das, was im jetzigen Leben passiert, vorgeburtlich selber ausgesucht. Nun, jedem das Seine, aber diese Theorie teile ich jedenfalls nicht und sie jemandem als Erklärung anzubieten, der beispielsweise durch eine schwere Krankheit durch muss, finde ich fast schon zynisch. Ich würde es jedenfalls nicht als Modell für mich wählen.

Und während ich also so rumüberlege und versuche zu verstehen, habe ich immer mehr den Eindruck, dass doch viel mehr willkürlich und nach dem Chaosprinzip passiert und ich vielleicht wirklich aufhören muss, die Frage nach dem Warum zu stellen und mich stattdessen auf das Wie zu konzentrieren. Wie begegne ich dem Leben und wie gehe ich durch schwere Zeiten, völlig egal, wie oder warum ich hinein geraten bin. Eine gute Bekannte von mir sagt immer: die Schuldfrage hat noch niemandem geholfen. Ich möchte das gerne erweitern und würde sagen: Weder die Frage nach der Schuld noch die nach dem Warum hilft weiter.

Es fällt mir schwer, das gebe ich zu, das Warum loszulassen, aber ich weiß, dass es richtig ist. Also werde ich zukünftig versuchen, die unbekannten Landschaften weniger analytisch und mehr sinnlich zu erfahren und mich nicht fragen, woher dies oder jenes kommt, sondern es als gegeben akzeptieren, wenn es sich ohnehin nicht ändern lässt. Ich bin mal gespannt, wie gut mir das gelingt…

Und so grüße ich Euch heute leicht hadernd, vorsichtig optimistisch und wünsche uns allen eine gute Woche!

Eure Merle

 

 

 

Eine Anekdote zu Konsum und Selbstannahme

 

dav

Ich weiß nicht, wie es Euch geht mit Kleidung einkaufen, für mich ist es immer eine ziemliche Herausforderung, weil ich hohe Ansprüche stelle, gleichzeitig aber einen eher kleinen Geldbeutel habe und ich mich grundsätzlich schwer entscheiden kann. Grundsätzlich ist es so, dass ich lieber gute Qualität kaufe, die dann auch länger hält, als günstigere Ware, die unter fragwürdigen Umständen produziert wird und oft auch keine lange Lebensdauer hat. Umso erfreulicher, dachte ich, war ein kleiner, unvorhergesehener Geldsegen, der mir ins Haus flatterte und mir die Möglichkeit eröffnete, für den Winter warme, hoch qualitätive Strickware in einem Fachgeschäft zu erstehen, in dem ich schon immer mal einkaufen wollte. Da ich keine warmen Pullover oder ähnliches besaß, freute ich mich wie Bolle auf diesen Einkauf. So ging ich am Donnerstag vormittags beschwingt in das Geschäft und konnte mich gar nicht satt sehen und fühlen an all den Wollpullovern und Strickjacken und der nette und kundige Verkäufer, seines Handwerks Meister, versäumte es auch nicht, mich in angenehme Gespräche zu verwickeln und mit mir so eine richtig schöne Kauf-Mich-Atmosphäre zu schaffen. Ich probierte Dies und Das, und wurde, das muss ich bei aller Fairness sagen, wirklich gut beraten. Kurz und gut, am Ende stand ich mit einem dicken Pullover und einer Strickjacke da, und zahlte zwar nicht über mein Budget aber weit mehr, als ich geplant hatte, auszugeben. Das war mir aber zunächst noch egal, ich flog auf Federn aus dem Geschäft, fest in der Überzeugung, einen wunderbaren und lohnenden Einkauf getätigt zu haben.

Mein nächster Gang ging in ein gehobenes Kaufhaus, in dem es, wie man mir sagte, nicht ganz so teure Kashmir-Pullover gäbe und die wollte ich mir auch noch ansehen. Ich flanierte fröhlich dort hin und wurde auch mit einer reichen Auswahl an Kashmir-Pullovern belohnt, allerdings gab es nur zwei Modelle, die mir gefielen und nur eines, das ich bereit war zu bezahlen – wovon ich dann auch ein Stück erstand. Aber wehmütig und verärgert. Denn das andere, sehr viel teurere Modell gefiel mir eigentlich besser, es sah toll aus und es war auch in schönen Farben zu haben. Aber ich war nicht bereit, 200 Euro für einen Pulli auszugeben. Also ging ich in meiner Freude getrübt nach Hause, war mir meiner tollen Einkäufe zwar bewusst, konnte mich aber nicht mehr freuen. Am Donnerstag Abend wusste ich aber wenigstens noch, dass mir alles, was ich erstanden hatte, im Laden und an mir gut gefallen hatte.

Am Freitag kam der Kater, der große Katzenjammer. Ich war mir plötzlich total sicher, völlig falsch eingekauft zu haben, wollte alles zurück bringen und ärgerte mich über mich selbst wie nichts Gutes. Das Gefühl wuchs sich zu echtem Selbsthass aus und ich wusste gar nicht mehr wie mir geschah und konnte mich nicht mehr erinnern, dass mir doch beide Pullover und die Strickjacke total gefallen hatten! Ich beschloss, das schlechte Gefühl zu ignorieren und darauf zu warten, dass es sich beruhigte. Das tat es aber nicht. Also zog ich die tolle kuschelige Strickjacke an und versuchte, mich mit ihr anzufreunden, was mehr schlecht als recht gelang. Auch die Pullover waren plötzlich in meinen Augen der totale Fehlkauf. Und auf einmal wusste ich, warum ich so kniddelig und unzufrieden mit mir und dem Einkauf war: Ich hatte doch eigentlich den tollen Pullover für 200 Euro gewollt, der wäre eigentlich der einzig richtige Kauf gewesen! Ich konnte meinen eigenen Gedanken nicht glauben aber das Gefühl dazu verfestigte sich und so ging ich heute nochmal in das Kaufhaus und nahm das teure Etwas bewundernd und erfreut mit in die Umkleidekabine. Und was soll ich sagen: es hing an mir wie ein Sack Kartoffeln, es sah einfach zum fürchten aus! Und was passierte dann? Ich lachte und war völlig erleichtert! Nicht nur hatte ich mir 200 Euro gespart, nein, ich hatte mich in die Vorstellung von etwas verrant, von dem ich gar nicht wusste, ob es überhaupt zu mir passt und darüber meinen ganzen Einkauf schlecht gemacht!

Als ich glücklich über diese Erkenntnis nah Hause kam, nahm ich die Strickjacke und die beiden Pullover nochmal aus dem Schrank, probierte sie ausgiebigst an und was soll ich sagen – ich bin heilfroh über meine Wahl und die Kleidungsstücke gefallen mir wirklich richtig gut!

Da hatte also ein kleiner Zweifel und eine Idee von etwas als Nagel unter der weichen Matratze gewirkt und ich bin komplett drauf reingefallen. Und was ich mir alles vorgeworfen habe! Am meisten, dass ich überhaupt Geld ausgegeben hatte und dass ich einen zu extravaganten Geschmack habe. Heute stehe ich voll und ganz dazu und kann mich aufrichtig über meine besonderen Stücke freuen und kann aus vollem Herzen bejahen, dass ich mir etwas leisten darf!

Was mir außerdem wieder mal schön vor Augen geführt wurde: es hilft, sich nicht in die Vorstellung von etwas zu verrennen sondern genau hinzugucken und zu testen, ob etwas (in diesem Fall der Pullover) auch das ist, was es zu sein verspricht. Ich finde das passt gut als Bild für das Leben an sich: probier den Pullover erstmal an, bevor Du darüber schlechte Laune kriegst, dass Du ihn nicht haben kannst, denn vielleicht passt er gar nicht!

Ich hoffe, den einen oder anderen amüsiert diese Anekdote so wie sie mich zum Lachen gebracht hat und da gerade ohnehin die Einkaufszeit des Jahres begonnen hat, passt sie ja ganz gut in die Zeit.

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und einen wunderschönen ersten Advent!

Eure Merle