Das neueste Werk: Eklipse

dav

Heute sende ich meine Grüße an Euch mit meinem neuen Werk „Eklipse“. Ich muss sagen, dass ich derzeit in der Werkstatt malerisch mehr Inspiration und Flow erfahre, als beim Schreiben, was mich einerseits freut, andererseits auch ein bißchen ärgert, denn ich schreib ja eigentlich auch so gern. Es ist ein bißchen so, als habe sich mit dem Einzug des Winters meine für Sprache zuständige Gehirnhälfte in den Winterschlaf begeben, was mir gar nicht passt! Aber da ich aus Erfahrung weiß, dass Druck keine Kreativität erzeugt, übe ich mich in Geduld und hoffe, meine lieben Leserinnen und Leser haben diese auch mit mir 🙂

Zu berichten gibt es noch ein kleines Erfolgerlebnis in Sachen „Ich tu mir selbst was Gutes“ – ich habe einen Adventskranz selbst hergestellt, der erste in meinem Erwachsenen-Leben überhaupt und darüber bin ich ziemlich froh, er ist einfach aber schön… Jetzt kann der Advent gerne kommen!

Einen schönen Abend wünscht Euch

Eurer Merle

Nach einem digitalen Päuschen…

dav

melde ich mich heute mit zwei neuen Werken zurück. Das eine ist hier im Beitrag zu sehen, das andere findet Ihr unter dem Menüpunkt „Malerei.“

Ich habe mir eine kurze, ungeplante und unangekündigte Auszeit genommen, da ich zum einen neue Inspiration brauchte und mir zum anderen auch darüber klar werden wollte, wie wichtig mir mein Blog ist – und ich habe festgestellt, dass er mir sehr wichtig ist. Deshalb musste ich mir auch darüber klar werden, wie ich weiter schreiben möchte, was ich von mir preisgeben will etc. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, aber ich bin dem Ziel schon um einiges näher. Und heute fühle ich mich wieder literarisch genug um eine kleine, aber feine Anekdote des öffentlichen Nahverkehrs zu berichten.

Nachdem ich die letzten Tage in einem eher autistischen Zustand verbracht habe, musste ich heute früh wieder hinaus in die Welt und die U-Bahn benutzen. Ich war schlecht gelaunt, es regnete und war kalt und ich hatte überhaupt keine Lust, zum Arzt zu gehen. Und dann schien mir auch noch die U-Bahn vor der Nase wegfahren zu wollen. Aber halt! Da rief der Fahrer die Fahrgäste auf, nochmal alle Türen zu öffnen – die Gelegenheit für mich, noch schnell hinein zu schlüpfen. Ich ließ mich müde auf einen Sitz fallen, da kam wieder die Durchsage, dass alle Türen nochmal geöffnet werden müssten, sonst könne es nicht weiter gehen. Da sich die anderen Fahrgäste anscheinend auch alle in einer Art autistischem Zustand befanden und sich nicht rührten, erbarmte ich mich der mir am nächsten liegenden Tür und öffnete sie zwei bis drei Mal – bis dann auf einmal die Fahrt weiter gehen konnte. Was dann kam, hat mich auf sehr charmante Weise aus meiner Lethargie gerissen, denn der U-Bahn-Fahrer bedankte sich im herrlichsten frrränkischen Dialekt für die Mithilfe der Fahrgäste, das sei eine pfundige Geschichte gewesen, dass da so viele mitgeholfen haben und er wünschte uns allen noch einen wunderschönen Tag und eine gute Fahrt. So etwas finde ich einfach herrlich, da werde ich dankbar und ein bißchen wehmütig, weil ich mir denke, solche kleinen außerplanmäßigen Liebenswürdigkeiten könnte es eigentlich viel öfter geben, Gelegenheiten dazu gäbe es auf jeden Fall jede Menge und ich will mal sehen, ob ich nicht selber auch öfter mal die Quelle solcher Liebenswürdigkeiten sein kann. Nach dem Motto: nicht über das Dunkle jammern sondern lieber selber eine Kerze anzünden.

Und das bringt mich zu einer weiteren Erkenntnis, die ich in den letzten Tagen wieder mal gewonnen habe. Sie kommt mir immer mal abhanden, aber dann werde ich wieder erinnert: Es sind auch und vor allem die kleinen Dinge, die das Leben angenehm machen. Ich habe zum Beispiel wieder schätzen gelernt, kleine alltägliche Verrichtungen mit Achtsamkeit durchzuführen und mich dann über das Ergebnis zu freuen. Sei es Geschirr spülen, Wäsche waschen oder die Katzentoiletten sauber zu machen – diese Dinge geben in ihrer ritualisierten Form nicht nur Halt, sie können sogar Freude bereiten, wenn man das Ergebnis mit berücksichtigt. Besonders jetzt, wo die Tage kurz und eher grau sind, fällt es mir natürlich leichter, mich dem Zustand meines zu Hauses zu widmen und weiß ich es wieder mehr zu schätzen, wenn mein Heim auch heimelig ist. Ich hoffe, ich werde diese Einsicht nicht wieder über den Alltag vergessen sondern sie weiter mit mir tragen.

Meinen geschätzten Leserinnen und Lesern wünsche ich nun erstmal eine gute Woche und verbleibe

Eure Merle

 

 

Begegnungen – Nr.6

dav

Heute möchte ich über eine schier zauberhafte Begegnung mit einem 700-800kg Riesen berichten, dem Kaltblutpferd Ramses, der so sanft wie riesig ist. Wie jeden Freitag war ich auch heute wieder auf dem Land bei den Pferden und ursprünglich war eigentlich ein Koppelspaziergang geplant, das Arbeiten mit mehreren Pferden im Herdenverbund. Doch es kam anders als gedacht, vermutlich hatte Ramses meinen Witz gehört, den ich vorab (weit weg von der Koppel) gemacht hatte, nämlich dass ich heute als Herausforderung Ramses reiten würde. Mein Trainer und ich lachten herzlich und als wir auf die Koppel kamen, stand Ramses ganz vorn, uns zugewandt und blickte mich aufmerksam an. Ich dachte da schon, „Nachtigall ick hör Dir trapsen“, aber wir blieben zunächst bei dem Vorhaben, kein Pferd rauszupicken und nicht in die Halle zu gehen. Nun war es allerdings auch eisig kalt und aus der Herde schien vor allem Ramses an uns Interesse zu haben und der frostige Wind lud irgendwie auch nicht dazu ein, draußen zu bleiben – also nahm mein Trainer das große Tier an den Führstrick und wir begaben uns in die Reithalle.

Auf dem Weg dorthin schnaubte und schnupperte Ramses immer wieder interessiert an mir, zeigte sich freundlich und kooperativ. Als wir in der Halle ankamen, machte er das perfekte Reiterdenkmal und bewegte sich erstmal gar nicht. Die erste Übung sah vor, dass ich mit ganz sanften Fingersignalen das Pferd dazu einlade, dass es seinen Kopf senkt. Das klappte nach mehreren Anläufen ganz gut und ich war recht zufrieden mit mir und dem Pferd, das natürlich auch ausgiebig belohnt wurde. Die zweite Übung bestand darin, dass ich Ramses aus einiger Entfernen durch Körperhaltung und Stimme dazu bewege, zu mir zu kommen. Und jetzt wurde es wirklich komisch – im Sinne von lustig. Denn Ramses bewegte sich keinen Millimeter. Ich versuchte es zunächst damit, in die Knie zu gehen, machte einladende Gesten mit meinen Armen und sprach mit lauter, ruhiger Stimme mit dem Tier. Keine Reaktion. Zum Trainer wäre Ramses sehr gern gegangen, bei ihm vermutete er noch eine Semmel, aber in meine Richtung war er nicht zu bewegen, Mir vielen langsam die Arme ab und keine Worte mehr ein und ein bißchen doof kam ich mir schon vor, so allein auf weiter Flur auf ein Pferd einredend, dass sich null beeindruckt zeigte. Wie um mir sein Desinteresse noch deutlicher zu zeigen, äpfelte er erst nochmal eine Runde und blieb immer noch am selben Fleck.

Und plötzlich, aus heiterem Himmel kam mir der Gedanke, na klar, ich an seiner Stelle würde mich auch bitten lassen bzw. mich fragen, warum ich allein den Weg quer durch die Halle machen soll. Warum also nicht auf das Pferd ein wenig zugehen, ihm entgegen kommen, im wahrsten Sinne des Wortes. Also ging ich ein paar Schritte in seine Richtung und siehe da, es brauchte nichts weiter, er setzte sich sofort in Bewegung und kam auf mich zu, blieb bei mir stehen und pustete ordentlich in meine Haare. Ich war überglücklich! Vor allem verstand ich mein Entgegenkommen überhaupt nicht als Niederlage, im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, etwas richtig verstanden zu haben. Nun kann man natürlich der Meinung sein, so ein Pferd müsse immer gehorchen und die Chefrolle des Menschen achten. Aber so arbeiten wir nicht mit den Tieren, es geht immer um eine Einladung und um sanfte Kommunikation, was ich wunderbar finde.

Für mich war die heutige Situation ein interessantes Bild auch für die Verständigung mit Menschen. Wie oft erwarte ich, dass etwas genau nach meinem Willen und meinen Vorstellungen passiert! Und wie enttäuscht bin ich oft, wenn das nicht geht bzw. wenn nicht eintritt, was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Aber so ist das nunmal, wenn andere Wesen mit beteiligt sind, dann muss ich schonmal ein paar Schritte auf den anderen zugehen und dann klappt es auch mit der Kooperation. So jedenfalls verstehe ich diese Begegnung und ich bin froh, dass ich dem Impuls gefolgt bin, in Ramses‘ Richtung zu gehen anstatt darauf zu beharren, dass er sich auf mich zubewegt. Ein anderes Mal wird er es vielleicht tun, wer weiß, ich freue mich jedenfalls jetzt schon richtig auf die nächste Übungseinheit mit dem sanften Riesen.

Dieser zeigte uns übrigens, als wir ihn zurück auf die Koppel brachten, nochmal so richtig, was in ihm steckt: als der Führstrick losgemacht war, stand er erst noch ein paar Sekunden da, wie um sich zu verabschieden, um dann in der nächsten Sekunde einen ausladenden Freudensprung zu machen und quer über die Wiese zu flitzen – aber nicht ohne sich nochmal kurz zu uns umzudrehen, wie um sicher zu gehen, dass wir das auch ja mitbekommen hatten. Ich hoffe, er hat bei unserer nächsten Begegnung auch wieder so viel Humor!

Das war für heute meine Anekdote mit Pferd Ramses, mal sehen, was mich nächsten Freitag erwartet…

Ich wünsche allen einen schönen Freitag Abend und ein erholsames Wochenende!

Eure Merle

 

Zu viel

Zu viele Gedanken die sich jagen
aber nichts sagen
zu viele Erinnerungen, alt und neu
wie die Stecknadel im Heu
suche ich nach einem Weg zu Dir

Zu viele Gefühle, die rufen und kreischen
mein Herz zerfleischen
Zu viel gesehen und visioniert
nur eins hab ich noch nicht ausprobiert
das ist der Weg zu Dir

Zu viele Worte, Versuche, verzweifelt
im Zweifel alle vereitelt
zu viele Sehnsüchte, bunt und laut
nur einem noch nicht vertraut
das ist der Weg zu Dir

Zu viel, zu viel, von allem zu viel
wer soll das begreifen, mir irgendwas zeigen?
Ich ticke nicht richtig, verkehrt ticke ich
Was will ich bei Dir – ich bin ja nichtmal bei mir!

Doch leise simmert’s im Untergrund
lichterloh und kunterbunt
grad so wie Du’s brauchst, doch immer ohne Ziel
das ist die Liebe, von der gibt es niemals zu viel
Und wenn Du dann mal dem Weg zu mir traust
wirst Du spüren, Du bist längst zu Haus.

Aufruf wider die Selbstverständlichkeiten

dav

Was ich heute schreibe, ist nicht besonders neu oder originell und einiges davon habe ich auch schon in der einen oder anderen Form in früheren Beiträgen gesagt, aber mir scheint, dass manche Dinge gar nicht oft genug gesagt werden können, besonders in diesen Zeiten. Es ging mir in den letzten Tagen nicht so gut und ich habe mich – trotzdem oder gerade deshalb? – auch ein wenig mit dem politischen Geschehen in unserem Land und in der Welt beschäftigt und bin vorläufig zu folgenden Schlüssen gekommen: ich habe Angst, wenn ich mir ansehe, was auf der politischen Bühne gerade passiert und wir brauchen eine Revolution, undzwar eine Revolution der Liebe und des Friedens.

Ich habe den starken Eindruck, dass die auf politischer Ebene Handelnden, aber auch große Bevölkerungsanteile hier und in anderen Teilen der Welt, vergessen haben, was Nationalismus, Alleingänge, Aufrüstung und schließlich Krieg bedeuten. Es scheint kein Bewusstsein mehr dafür vorhanden zu sein, was vor etwas über 70 Jahren zu Ende ging, nämlich der letzte Weltkrieg. Wir nehmen den Frieden in Europa als zu selbstverständlich, wir spielen mit den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und scheinen vergessen zu haben, was die Geschichte uns eigentlich gelehrt haben sollte: nur gemeinsam können wir Lösungen finden für die anstehenden Probeme und Krieg darf kein Mittel der Wahl mehr sein.

Aber es gibt auch andere Dinge, die mir als zu selbstverständlich erscheinen: zum Beispiel, dass wir genug zu Essen haben, dass wir in relativem Reichtum leben und zumindest in Deutschland einigermaßen funktionierende soziale Systeme haben.

Ich frage mich, ob die Fahrlässigkeit, mit der die Politiker mit den Schätzen der Gesellschaften umgehen, sich im Einzelnen spiegelt, ob das, was da im Großen passiert, auch im Kleinen vor sich geht. Nehmen wir alle zu viel zu selbstverständlich? Ich glaube schon und ich schließe mich da mit ein. Deshalb habe ich mir überlegt, was ich für mich in Zukunft bewusster und mehr wertschätzen will – mit meinem persönlichen politischen Ansatz, dass ich am meisten in meinem persönlichen Umfeld verändern kann:

Nachdem ich mich am Wochende lange mit einem Freund über Krieg und Friedenszeiten unterhalten habe, schätze ich die in Europa historisch gesehen schon lange Friedenszeit von rund 70 Jahren sehr hoch und mir ist bewusst geworden, dass das nicht selbstverständlich ist. Wir müssen etwas dafür tun. Da ich keiner Partei beitreten möchte und auch sonst keinem Verein, habe ich mir vorgenommen, in dem, was ich hier schreibe, immer wieder auf Dinge aufmerksam zu machen, die mir gesellschaftlich relevant vorkommen.

Ich möchte auch mit meiner Gesundheit besser umgehen und mir vor Augen halten, dass meine körperliche Gesundheit eben nicht selbstverständlich ist. Hier kann ich zum Beispiel durch ein größeres Augenmerk auf meine Ernährung ein Danke an meinen Körper schicken, dass er mich schon so lange so verlässlich durch die Welt trägt.

Weiterhin glaube ich, dass, obwohl ich nicht viel Geld zur Verfügung habe, ich doch relativ reich bin, besonders im Vergleich. Ich glaube es tut mir gut, wenn ich zukünftig bei Ausgaben jeglicher Art dankbar dafür bin, dass ich mir dieses oder jenes leisten kann und nicht selbstverständlich konsumiere. Es schadet sicher auch nicht, hin und wieder mal darüber nachzudenken, was ich wirklich benötige und was reiner Luxus ist – was nicht heißt, dass ich auf Luxus verzichten muss, aber ich möchte ihn dann bewusst genießen.

Besonders wichtig ist mir, die Liebe und Freundlichkeit, die ich im Leben erfahre, nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen. Ich glaube nicht, dass ich das grundsätzlich tue, aber eine Erinnerung hin und wieder ist nicht verkehrt. Sei es durch meine Katzen, die mich wärmen und beschnurren, wenn es mir schlecht geht, oder sei es durch Freunde, die mir beiseite stehen und mir Kraft geben. Oder aber auch die vielen kleinen Begegnungen mit Fremden im Alltag, die freundlich und respektvoll sind. Da, wo ich die Liebe und gutes miteinander Auskommen treffe, möchte ich es bewusst wahrnehmen und wertschätzen, denn es ist nicht selbstverständlich.

Diese Überlegungen führen natürlich auch unweigerlich zu der Frage, wie gehe ich mit mir selber um und auch hier darf noch sehr viel mehr Wertschätzung Einzug halten. Denn die Beziehung zu meiner Umwelt fängt immer mit der Beziehung zu mir selbst an.

Die Revolution der Liebe und des Friedens ist also vor allem auch eine zutiefst persönliche Revolution. Sie hat ihre politischen Aspekte insoweit der Mensch ein vergesellschaftetes Wesen ist und im Verbund lebt, sie ist aber auch individuell und privat, wo es um Eigenliebe und Selbstwertschätzung geht und um den Frieden, den jeder mit sich selbst schließen muss, kann oder darf. Wenn ich das schaffe und mit mir und meiner unmittelbaren Umwelt liebevoll und respektvoll umgehe, dann bin ich sicher, hat dies auch auf größeren Ebenen der Gesellschaft irgendwann seine Auswirkungen, natürlich besonders dann, wenn mehrere Menschen diesen Weg einschlagen.

Aber ich schreibe dieses kleine Manifest wider die Selbstverständlichkeiten vor allem für mich, ich möchte es so greifbarer und „offizieller“ machen und freue mich natürlich über jeden, der damit auch etwas anfangen kann.

Und so stelle ich nun meinen Aufruf wider die Selbstverständlichkeiten ins Netz und bin gespannt, ob es dazu Rückmeldungen oder Ergänzungen gibt – vielleicht trifft es ja sogar auf den ein oder anderen, der auch gerade meint, jetzt ist es Zeit für die Revolution!

So grüße ich Euch herzlich und verbleibe heute

Eure nachdenklich-kämpferisch gestimmte Merle

 

 

Sagen, was ich denke und was ich möchte…

dav

…ist immer eine gute Idee, allein ich kann es nicht immer und so geht mein heutiger Beitrag über ein Gespräch, das ganz anders verlaufen wäre, hätte ich gleich den Mut gehabt, zu sagen, was ich denke und was ich möchte.

Es fing damit an, dass der Installateur für den Warmwasserzähler mit einer Verspätung von fast einer Stunde nach dem ursprünglich angegebenen Zeitraum bei mir auftauchte. Ich würde jetzt gern dem Installateuer die Schuld in die Schuhe schieben, das geht aber leider nicht. Jedenfalls war der gute Mann so spät, dass ich einen Freund, den ich eigentlich heute noch hatte sehen wollen, nicht mehr treffen konnte. Ich rief also besagten Freund an, nachdem der Monteur meine Wohnung verlassen hatte und hörte am Ton seiner Stimme, dass es ihm nun zu spät war noch bei mir vorbei zu kommen. Der aufmerksame Leser wird sich jetzt fragen: Häh? Wie kann sie das am Ton erkennen? Sollte man da nicht lieber fragen? Richtig! Das tat ich dann auch, aber so verklausuliert und gewollt humorvoll, dass das Gespräch sich in eine völlig seltsame Richtung entwickelte und das Ergebnis war jedenfalls das gleiche, es war ihm zu spät, noch vorbei zu kommen. Mittlerweile war ich so angestrengt und enttäuscht (ich halte mir zugute, dass ich insgesamt drei Stunden auf den Handwerker hatte warten müssen und ziemlich entnervt war), dass ich nicht mehr in der Lage war, zu fragen, was mir eigentlich wichtig war, nämlich ob wir uns am Wochenende sehen würden. Eigentlich kein Problem, mein Freund ist ein offener Typ, man kann ihn im Prinzip alles fragen und davon abgesehen ist das ja auch keine große Sache. Aber ich war mir nicht sicher, ob es ihm Recht sein würde, ob es ihm nicht zu viel würde, da er am Wochenende auch (im Schichtdienst) arbeiten muss und so verabredeten wir uns für Freitag, wo ich eigentlich selber schon recht viel vorhabe.

Kurz gesagt, nachdem ich den Höhrer aufgelegt hatte war ich total verwirrt, unzufrieden und völlig unklar darüber, was das jetzt für ein Gespräch war. Kein Wunder! Ich hatte versucht, mich ganz nach meinem Gesprächspartner zu richten, hatte dabei aber vergessen, was ich eigentlich wollte und schwurbelte derart so ziemlich durch die Gegend. Ich hatte jetzt nicht nur eine Verabredung an einem Tag, an dem ich sie ursprünglich nicht hatte haben wollen sondern hatte auch noch das Gefühl, übergangen worden zu sein. Was totaler Blödsinn ist, da ich ja gar nicht gesagt hatte, was ich wollte. Da kann man schlecht von anderen übergangen werden. Aber ich hatte mich selber übergangen!

Ich nehme an, es geht jedem manchmal so, dass man besonders an Tagen, an denen man ohnehin schon genervt oder angefasst ist, eine dünne Haut hat oder ein bißchen neben sich steht, dass man an solchen Tagen gerne seltsame Gespräche hat oder mit der Umwelt meint, nicht klar zu kommen. Ich habe an solchen Tagen öfter das Gefühl, dass mich keiner versteht, dass ich nicht akzeptiert bin oder ich fühle mich eben übergangen. Retrospektiv stellt sich in der Regel heraus, dass ich selber unklar bin, nicht genau weiß, was ich eigentlich will und ergo dies auch anderen nicht mitgeteilt habe. Dass es da zu Missverständissen und unbefriedigender Kommunikation kommt, liegt auf der Hand.

Ich habe übrigens meinen Freund nochmal angerufen und dieses Mal klar formuliert, was ich mir wünsche – und siehe da, es war gar kein Thema. Mein Kopfkino hatte mal wieder völlig umsonst alle möglichen Irrungen und Wirrungen vollzogen, die mit der Realität nicht so furchtbar viel zu tun hatten. Ich halte also für mich persönlich wieder mal fest, dass es von unschätzbarem Wert ist, die eigenen Gedanken im Zweifel zu überprüfen, indem ich nachfrage bzw. klar sage, was ich will. Tue ich das nicht, gebe ich dem anderen gar keine Chance, klar auf mich zu reagieren. Es entstehen Wortwechsel mit zig Subtexten und Zwischen-den-Zeilen-Botschaften, die kein Mensch ernsthaft entschlüsseln kann oder will.

Für die Zukunft nehme ich mir vor, öfter mal inne zu halten und nachzuschauen, ob ich mich selber gerade spüre, ob ich im Kontakt mit mir bin. Denn wenn ich das nicht bin, verliere ich mich im Gespräch und werde unklar. Ganz bei einer Sache zu sein und achtsam mit sich selbst und dem Gesprächspartner umzugehen, scheint mir sehr wichtig, zumindest möchte ich das für mich wieder bewusster praktizieren. Denn das heutige Beispiel hat mir wieder gezeigt, wieviel schlechte Laune und Unmut es macht, Gespräche zu führen, in denen man mehr aneinander vorbei als miteinander redet. Es ist außerdem eine wunderbare Erfahrung, dass eine Bitte, die ich äußere, erfüllt wird, einfach so! Wahrscheinlich würde das viel öfter in meinem Leben passieren, wenn ich mich nur trauen würde, sie auszusprechen. Da haben wir es also mal wieder, das Übungsfeld!

Also lautet das heutige Fazit: nicht nur geschrieben sondern auch gesprochen: Mund auf, sagen, was ich denke und was ich möchte! Mehr als „nein“ kann der andere übrigens im schlimmsten Fall auch nicht sagen 😉

Und so verbleibe ich heute mit heiteren Grüßen

Eure Merle

 

Einer dieser Tage

Einer dieser Tage, an denen nichts geht
wo alles bestens ist, die Welt sich dreht
aber ich sitz da und weiß einfach nicht
ob meine Welt nicht grad zusammen bricht

Einer dieser Tage, mehr eckig als rund
grau und veschlafen, die Seele wund
und ich steh da und weiß genau
morgen bin ich immer noch die selbe Frau

Einer dieser Tage, an denen alles schmeckt zäh
ich sehn das Ende herbei, dann kommt es jäh
mit dunklen Gedanken und Ängsten vor morgen
nicht mal im Schlaf fühl ich mich geborgen

Einer dieser Tage, geht also auch vorbei
er reiht sich ein in ein schlingerndes Allerlei
von anderen Tagen davor und dahinter
ich hoff ich vergess nicht, es geht immer weiter

Einer dieser Tage, ich weiß es genau
wird kommen, ohne großes Trara
dann bin ich nicht mehr die selbe Frau
ich werde wissen um mich und ganz da
werd ich Sein und in warmen Sonnenstrahlen
einen dieser Tage ganz einfach umarmen.

©Merle Deva