Das Leben – eine Zumutung!?

dav

Ja, ich finde schon. Auf vielen Ebenen ist das Leben, wenn man es mal genauer betrachtet, eine derbe Zumutung. Wir kommen völlig abhängig und ausgeliefert auf die Welt und je nach dem ob wir Glück oder Pech haben, begleitet uns jemand die ersten Jahre auf uns dienliche Weise oder auch nicht. Dann verbringen wir viele Jahre in der Schule, in der wir viele Dinge lernen, die uns später im Leben nicht wirklich weiter helfen, aber Dinge, die uns weiter bringen würden (z.B. Umgang mit Gefühlen, soziale Dynamiken, Selbstfindung) werden großzügig ausgespart. Haben wir die Schule endlich hinter uns gebracht, wartet eine weitere Ausbildungsphase auf uns, in der wir mehr oder weniger viel lernen und mehr oder weniger gut behandelt werden. Dann dürfen wir uns auf ein langes Arbeitsleben freuen, in dem viel von uns erwartet und oft wenig geboten wird. Wenn wir gesegnet sind, sind wir nach dem Arbeitsleben noch gesund genug um unser Leben zu genießen, aber auch das ist vielen nicht oder nicht lange beschert. Zu hoffen ist, dass man nicht in ein Alters,- oder Pflegeheim muss und möglichst lange selbstständig sein Leben gestalten kann, schön wäre es auch, wenn das nicht in Armut sein muss. Und das ist nur der grobe Abriss eines Lebenslaufes!

Froh darf sein, wer all diese Stationen halbwegs unfallfrei passiert. Aber wer kann das von sich sagen? Arbeitslosigkeit, Krankheit, familiäre Probleme, Trennungen, Abschiede… das sind alles Dinge, die das Leben für uns bereit hält und in der Regel werden wir von solchen Lebenskrisen überrascht und müssen irgendwie damit klar kommen. Die einen alleine, die anderen mit Begleitung, so oder so steht jeder früher oder später in seinem Leben vor Situationen, die man glaubt, kaum aushalten zu können und es sind solche Situationen, die uns immer wieder beweisen können, wieviel wir als Mensch in der Lage sind auszuhalten. Das Wunder ist, dass es immer irgendwie weiter geht.

Und dann kommen da noch all die Alltagsärgernisse, die einem den Tag vermiesen können. Das viele Warten (Postamt und Telefonhotlines!), Dinge, die nicht funktionieren (kennt sich jemand mit GIMP aus??), unfreundliche Mitmenschen, (kennt jeder), die vielen großen und kleinen Verpflichtungen (gefühlte 100x am Tag den Wasserhahn für die kranke Katze aufdrehen), Mieterhöhungen (von denen ich selbst bisher verschont blieb, dankeschön!), der Bus, der einem vor der Nase wegfährt und so weiter und so fort ad infinitum. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich mir das alles so ansehe, dann kann ich richtig schlechte Laune bekommen. Und ja, Achtsamkeit hilft, aber eben auch nicht immer.

Ich schreibe das alles natürlich nicht, um schlechte Laune zu verbreiten! Es geht mir um was anderes, nämlich den realistischen Blick auf unser Dasein, dass eben all diese Phänomene beinhaltet, und das Lob, dass wir uns selber jeden Tag aussprechen sollten, dass wir wieder einen Tag gemeistert haben. Ich finde, wir können uns alle täglich auf die Schulter klopfen, dass wir bei all dem Irrsinn, der uns umgibt und von dem wir uns nicht immer frei machen können, immer noch als freundliche, interessierte Menschen durch die Welt gehen, unseren Angelegenheiten nachkommen und das tun, was wir für richtig halten. Das ist in meinen Augen schon eine große Leistung, für die wir uns regelmäßig belohnen sollten. Mir fällt das auch nicht immer leicht, es gibt Phasen, da vergesse ich es sogar, aber früher oder später erinnere ich mich wieder daran und lobe mich selbst. Es ist eine Sache zu üben, sich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren, aber das schafft ja das Unangenehme nicht ab. Eine andere Sache ist es, darauf zu schauen, wie gehe ich denn mit den Zumutungen um. Deshalb finde ich es so wichtig, dass wir uns ernst nehmen, wenn eine Zumutung unseren Weg kreuzt und wir genervt, erschöpft, verärgert oder traurig und verstimmt sind. Sich ernst nehmen und darauf stolz sein, dass man es wieder geschafft hat, 20 Minuten geduldig in der Warteschlange zu stehen, bis ich endlich meinen Brief aufgeben kann, stolz darauf, dass ich der unfreundlichen Kassiererin höflich noch einen schönen Tag wünsche, stolz darauf, dass ich trotz Regenwetter und schlechter Laune das Bett und sogar meine Wohnung verlassen habe! Großartig!

Eine liebe Freundin hat mir vor kurzem eine Postkarte geschickt auf der steht: Ich wünsche mir einen Pinguin, der jeden Morgen applaudiert, wenn ich aufstehe. Jawoll! Genau das möchte ich sein: mein Pinguin, der mir applaudiert. Zugegeben, es wäre schöner, ein anderer applaudierte mir, aber das hat sich bisher leider nicht einrichten lassen. 😉

Vor mehreren Wochen habe ich an dieser Stelle geschrieben, wie wichtig es ist, dass wir uns selbst unser bester Freund bzw. unsere beste Freundin sind – ich glaube, dass das Eigenlob von dem ich hier spreche ein ganz zentraler Punkt dabei ist. Und dann kann ich mich auch wieder über die schönen Dinge im Leben freuen. Über die Postkarten, die mir meine Freundin schickt, über das kleine Mädchen, das über die Hinterhofmauer luhrt und mir zugrinst und zuwinkt, über den fremden Hund, der auf mich zugelaufen kommt und sich freut, als wäre ich eine lange vermisste Freundin, über die sehr nette Kassiererin, die mir aufmerksam und gar nicht monoton einen schönen Abend wünscht, über die Blumen in der Werkstatt, in der ich öfter kreativ tätig bin, über meinen Kater, der vom Kuscheln nicht genug bekommt, und so weiter und so fort ad infinitum.

Das Leben ist eine Zumutung, aber es hält auch viel Schönes, Erstaunliches und Lebenswertes bereit. Um das zu sehen und zu erleben, muss ich das weniger Schöne nicht ausblenden oder verdrängen sondern mir selbst eine gute Begleiterin oder auch ein guter Pinguin sein, der applaudiert, wenn ich wieder aufgestanden bin und einen weiteren Tag in dieser verrückten Welt gelebt habe.

Und so wünsche ich jedem einen Pinguin und verbleibe

Eure Merle

Zu viel Information!

dav

Heute war es mal wieder so weit – ich bin in eine Situation geraten, in der ich mit zu viel Information überschwemmt wurde und ich konnte nichts dagegen tun außer das innere Abschalten zu üben, was schwierig ist, wenn sich auf dem gleichen Sofa sitzend eine Frau sehr laut mit einem daneben sitzenden Mann unterhält. Konkret war ich im Wartezimmer eines Arztes und musste nicht nur sehr lange warten sondern wurde auch mit lautstarken, sehr persönlichen Gesprächen dauerbeschallt, was mich unglaublich anstrengt und müde bzw. ärgerlich macht. Ich verstehe so etwas schlichtweg nicht.

Es ist das gleiche mit Handygesprächen in öffentlichen Verkehrsmitteln! Muss man in aller Öffentlichkeit die letzten Details vom Frauenarztbesuch besprechen oder die intimsten Probleme in der Beziehung? Manchmal, an guten Tagen, bin ich versucht, einfach ungefragt meinen Senf dazu zu geben, so à la: „junge Frau, wenn er sich bis jetzt nicht gemeldet hat, wird er es vermutlich auch nicht mehr tun, finden Sie sich damit ab!“ An den meisten Tagen aber nervt es mich einfach nur und ich finde es unhöflich, so belästigt zu werden.

Gibt es die Disziplin weghören? Ich weiß, dass meine Katzen selektiv hören können, sie sind definitiv in der Lage, bestimmte akustische Reize einfach auszublenden. Ich übe das seit Jahren, komme aber auf keinen grünen Zweig. Dabei habe ich ein ständiges Übungsfeld direkt bei mir im Haus, in Form meiner Nachbarn. Die eine scheint das zwanghafte Bedürfnis zu haben, täglich ihre Möbel umzuräumen und die andere feiert ihre Schäfterstündchen so laut, dass ich teilweise das Gefühl habe, es fände in meinem Schlafzimmer statt. Dass es in Mietshäusern, gerade in neueren, hellhörigen Modellen, dazu kommt, dass auch mal Alltagsgeräusche anfallen, ist selbstverständlich. Aber was sich fast täglich in meinem akustischen Radius abspielt, finde ich, na sagen wir mal, überdurchschnittlich laut und unnötig. Aus meiner Sicht. Ich finde, ich erhalte zu viel Information über das Leben von Menschen, die ich nicht kenne und die ich auch nicht kennenlernen möchte, zumindest nicht auf diese Art.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in einer Mietwohnung groß geworden bin und schon sehr früh beigebracht bekommen habe, dass man Rücksicht übt und wenn möglich andere Menschen nicht mit Lärm belästigt. Und dass persönliche Gespräche nicht in der Öffentlichkeit geführt werden sondern in einem dafür passenden Rahmen.

Nennen Sie mich ruhig altmodisch, aber ich finde diese akustische Umweltverschmutzung wirklich beklagenswert. Einer Klatschzeitung oder einer Schlagzeilenschleuder kann ich aus dem Weg gehen, den Fernseher kann ich ausschalten, aber was sage ich einer geschätzt 16jährigen in der vollen U-Bahn, die neben mir sitzt und ihr Gefühlsleben mit ihrer Freundin diskutiert? Zu viel Information! Vor allem morgens um kurz vor acht! Ich will das alles nicht wissen, es geht mich nichts an, es verpestet die Atmosphäre und gelangt in Ohren, wo es nicht hingehört! Fehlt diesen Menschen das Bewusstein dafür, dass um sie herum andere Menschen sind, oder dass diese Menschen notgedrungen mithören oder ist es ihnen einfach egal? Ich fürchte ja fast, letzteres ist der Fall, was ich noch erschreckender finde.

Aber um nochmal auf das selektive Hören zu kommen – ich weiß nicht, warum das so schwer ist. In dem Moment, in dem ich beschließe, ein bestimmtes Geräusch nicht hören zu wollen, wird es lauter. Es ist wie mit dem rosa Elefanten, an den man nicht denken soll. Versuchen Sie das mal, es klappt nicht! Sie denken garantiert an einen rosa Elefanten, wenn Sie es nicht sollen/wollen. Wieviel mehr Frieden gäbe es in den Schlafzimmern der Welt, wenn man einfach ein Geräusch, nämlich das Schnarchen des Anderen, ausblenden könnte. Es gibt Oropax nicht umsonst – aber wer möchte schon immer mit Oropax durch die Welt laufen.

Ich habe mir jetzt ernsthaft überlegt, Geräusch-neutralisierende Kopfhörer anzuschaffen, leider sind die etwas teuer und ich weiß auch nicht, ob ich es angenehm finde, oft mit Kopfhörern rumzulaufen. Der Gedanke ist also noch in Arbeit. Derweilen überlege ich, ob es nicht einen höflichen aber unmissverständlichen Satz gibt, den man allzu mitteilungsfreudigen Mitmenschen sagen kann, ohne sie total vor den Kopf zu stoßen. Bislang ist mir nichts eingefallen, nur bissige Kommentare, die ich lieber für mich behalte. Mal sehen, vielleicht platzt ja eines Tages einer davon einfach so raus – ich werde Ihnen berichten, wie die Reaktion war!

Sollten Sie ansonsten irgendwelche Tips diesbezüglich haben oder Erfahrungen gesammelt haben, die mir weiter helfen – immer gerne!

Und so verbleibe ich

Eure Merle

 

omissiforp, omissiforp

Das fand ich heute beim Zähneputzen – ein Quatschgedicht, das rückwärts gelesen noch mehr Sinn ergibt 🙂

Omissiforp, Omissiforp,
ud tsib mien retser neseb
remmi nohcs neseweg,
hcod tztej hes hci tim kcerhcs, ho hew,
hci hcuarb ztasre, ztasre rüf hcid;
id niem Omissiforp, Omissiforp
ow dnif hci nned neblesned
nedlehresafokrim, lhow ieb md
ad dnaf hci hcua ned netsre,
red rim remmi raw uz netsneid
Omissiforp, Ommissiforp

©Merle Deva

 

Die Schönheit der Schöpfung…

sdr

…hat mich heute nach langer Zeit mal wieder geküsst und überwältigt. Es gibt viele Dinge und Phänomene, deren Schönheit mich tief berührt, wie zum Beispiel  meisterhafte Bilder, oder Lieder beziehungsweise Musik, die mir teils den Atem raubt, weil ich sie so umwerfend schön finde. Am meisten und im Innersten aber trifft mich die Schönheit von Natur und Tieren. Ich könnte gar nicht sagen, welches meine Lieblingstiere sind, es gibt so viele, die ich gerne einmal näher kennen lernen würde, auf jeden Fall aber gehören Pferde zu meinen Favoriten, weil ich sie so erhaben und majestätisch finde. Heute habe ich mir daher endlich einen Traum erfüllt und bin auf einen Reiterhof, wo ich die nächsten Wochen regelmäßig sein werde, um zu lernen, mit Pferden umzugehen und zu kommunizieren und wer weiß, vielleicht werde ich auch noch das Reiten lernen. Aber heute war erst einmal Einstand und ich habe die Pferde kennen lernen dürfen, mit denen ich in den nächsten Wochen näher zu tun haben werde.

Ich will ehrlich sein, mir zitterten ganz schön die Knie, als ich in Begleitung eines Pferdeexperten auf die Koppel mit acht gestandenen, nicht gerade kleinen Pferden ging und mich den Tieren näherte. Mir wurde erklärt, wie ich mich zu ihnen stellen sollte, um eine Einladung zum Kontakt zu signalisieren und siehe da, die Einladung wurde angenommen und ich durfte einen wunderschönen Wallach kuscheln und streicheln, der das sichtlich genoß. Als das Tier den Kopf hob und mir direkt in die Augen blickte, wurde mir ganz schön mulmig, genauso wie es im Verlauf des Koppelspaziergangs ein paar Situationen zwischen den Riesen gab, die mir sehr bedenklich erschienen. Da waren plötzlich sehr viele Hinterbeine und Köpfe und Hintern von mir unbekannten Tieren, so dass ich mich schnell aus der Gefahrenzone zurück zog, aber im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass das einzige, was die Tiere eigentlich ausstrahlten, friedliche Neugier war, eine unglaublich große Ruhe und Geduld mit dem ängstlichen Ich.

Für mich werden diese Besuche auf dem Reiterhof eine willkommene Übung sein, mich einigen Ängsten zu stellen. Warum ich das gerade mit Pferden übe, liegt daran, dass ich großen Respekt und Demut vor diesen Kraftpaketen empfinde, die uns im Grunde überlegen sind, da sie uns einfach über den Haufen rennen können – uns stattdessen aber dulden und willkommen heißen und einige von uns sogar noch freiwillig auf dem Rücken tragen! Das finde ich schon phänomenal und ein besonderes Beispiel für eine Mensch-Tier-Beziehung, die im Idealfall von gegenseitigem Vertrauen und Achtung geprägt ist. (Das es hier auch andere Formen gibt, ist mir bewusst, aber ich schreibe hier nur über das, was ich persönlich erleben durfte.)

Einem Pferd etwas länger in die Augen zu schauen hat für mich etwas Gespenstisches. Das Exemplar heute beäugte mich sehr intensiv und ich konnte, meine ich, eine ganz schöne Spur Wildheit in seinem Blick erkennen. Dass das Tier trotzdem ruhig vor mir stehen blieb und mich mit seinen Nüstern sanft anstubste, schien mir wie eine Wunder. Genauso wie mich seine Artgenossen beeindruckten, die ruhig neben uns vor sich hingrasten und zwar mal die Ohren spitzten, sich aber sonst nicht weiter für mich interessierten.

Je länger ich an diesem Text sitze, wird mir bewusst, dass es tatsächlich der scheinbare Widerspruch zwischen Größe und Kraft einerseits und Sanftheit und Ruhe andererseits ist, der mich an Pferden so fasziniert. Ich muss dazu sagen, dass ich nie zu den kleinen Mädchen gehörte, die unbedingt Reiten lernen wollten und von Pferden träumten. Im Gegenteil, als junges Mädchen fand ich das doof. Aber als ich heute Vormittag im herbstlichen Sonnenlicht über die Felder stapfte, als Städterin die Ruhe der großen Weite genießend, und dann die grasenden Tiere beobachtete, fand ich das einfach nur schön. Undzwar so schön, dass mein ganzer Körper kribbelte und ich sofort das Bedürfnis empfand, jetzt gleich und sofort aufs Land zu ziehen. Was nicht passieren wird… aber dieser Impuls verdeutlicht, wie sehr mich die Szenerie in ihren Bann zog.

Was ich heute in puncto Ängste gelernt habe, ist auch nicht zu verachten. So dachte ich immer, meine Angst vor Pferden sei total übertrieben und überhaupt nicht gerechtfertigt. Denkste Puppe! Wie mein Begleiter mir erklärte, ist es eine sehr gesunde und normale Angst, die ich vor einem 800kg Hengst habe! Und ja, auch Pferde bitten sich Zeit und Raum aus, um den Menschen erst einmal kennen zu lernen und mögen es eben nicht unbedingt, wenn man sich einfach so, unvermittelt und ohne Vorwarnung ihnen nähert und sie betatscht. Es kommt natürlich wie beim Menschen auch auf das einzelne Tier an, da gibt es durchaus unterschiede, aber gerade deshalb ist eine gewisse Vorsicht und zum Teil auch Ängstlichkeit eben nicht verkehrt. Das fand ich schonmal sehr ermutigend – das klingt paradox, ich weiß, aber in der Tat hat es etwas Beruhigendes zu erfahren, dass nicht alle meine Ängste völlig irrational sind.

Insofern bin ich äußerst gespannt, wie es die nächsten Wochen mit den Hottehüs und mir weiter gehen wird. Ich werde auf jeden Fall mehr und näher in Kontakt mit ihnen sein, worauf ich mich unglaublich freue, und ich werde nicht nur über Pferde sondern auch und vor allem über mich selbst viel dabei lernen können. Meine Hoffnung ist, dass das ohne blau getretene Zehen und sonstige Blessuren von statten geht und dass ich genügend Sensibilität für die Sprache dieser Tiere entwickele. Sollte das nicht klappen, werde ich einfach mit dem Hofhund spielen, der hat mich heute immerhin schon sehr begeistert begrüßt und wollte gar nicht mehr von mir lassen 😉

Und so wünsche ich Euch jetzt, schläfrig aber froh, einen schönen Freitag Abend und verbleibe

Eure Merle

 

 

Auf die einsame Insel…

dav

werde ich mit Sicherheit nie ziehen, trotzdem habe ich mich gefragt, was ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wenn ich müsste. Es ist ja eine Frage, die immer wieder gern in Persönlichkeitstests, Interviews oder geselligen Runden gestellt wird und sie hat auch ihre Berechtigung, weil man bei dieser Frage darüber nachdenken muss, was einem lieb und teuer ist und was einem in der Einsamkeit am besten die Zeit vertreibt. Ich persönlich finde die Vorstellung, auf einer einsamen Insel zu sein, eher grauenvoll, besonders wenn es keine Verbindung zum Festland gäbe, insofern ist für mich die Beantwortung dieser Frage eine spezielle Herausforderung, der ich mich nun stelle. Zehn Dinge darf ich mitnehmen, keine Personen oder Tiere. (Da ist schon der erste Haken, ohne meine Katzen ziehe ich nirgendwohin! Aber es ist ja nur ein Gedankenspiel…)

Also wäre das erste, was ich auf eine einsame Insel mitnehme ein Vorrat an Notizbüchern und Stiften, denn ich brauche unbedingt etwas zum Schreiben, wenn ich schon mit niemandem sprechen kann. Was ich mache, wenn die Stifte aufgebraucht sind, weiß ich noch nicht, aber vielleicht finde ich eine Vogelfeder und kann mit Pfanzensaft weiter schreiben. Solange die Notizbücher reichen….hm, ich werde also sehr, sehr klein schreiben müssen. Als zweites würde ich, ja, im Ernst, Seife mitnehmen, in der Hoffnung, dass es eine Quelle auf der Insel gibt und ich mich und mein bißchen Kleidung dort waschen kann. Ich habe mal gelesen, dass besonders in Außnahmesituationen die Aufrechterhaltung von täglichen kleinen Routinen sehr wichtig ist, darunter würde dann das Waschen fallen. Als drittes nehme ich einen 1-A-ausgestatteten Werkzeugkasten mit, damit ich mir so was ähnliches wie eine Hütte und kleine Möbel bauen kann. Also eine Säge müsste mit dabei sein und Nägel und Schrauben etc… Das nächste wichtige Ding wäre meine Guitarre. Ich gehe davon aus, dass ich keinen Strom auf der einsamen Insel habe, also werde ich selber für Musik sorgen. Bei der Gelegenheit nehme ich auch noch jede Menge Noten mit, denn ich werde unendlich viel Zeit haben, nach Noten zu spielen zu üben, das kann ich nämlich noch nicht so gut. Da wären wir auch schon beim sechsten Artikel, das sind Shakespeares gesammelte Werke, die ich auswendig lernen und unter Palmen rezitieren werde. Vielleicht kann ich dabei auch ein paar Fische ins Koma labern, falls das nicht geht, nehme ich lieber noch eine Angel mit. Ich habe keine Ahnung vom Angeln, aber das kann ich dann ja auch in aller Ruhe erlernen. Ich überlege gerade, ob es nicht sinnvoll wäre, entweder ein Surfbrett oder ein kleines Boot mitzunehmen – ich entscheide mich für das Boot, damit ich auch mal raus komme. Das wären jetzt schon acht Dinge, wenn ich mich nicht verzählt habe, bleiben also noch zwei Sachen, die ich für unabkömmlich halte: ich nehme ein Fotoalbum mit, mit Bildern von allen Menschen, die ich liebe und die mir nahe sind. Ich glaube, das brauche ich, um nicht durchzudrehen. Und als letztes nehme ich eine Leuchtpistole mit in der Hoffnung, dass irgendwann ein Schiff vorbei kommt, das ich so auf mich aufmerksam machen kann und das mich dann wieder mit in die Zivilisation nimmt.

Ich muss sagen, bei dem Gedankenspiel fühle ich mich überhaupt nicht wohl. Ich wäre wohl willens und in der Lage, es mir irgendwie einzurichten auf so einer einsamen Insel, (hätte ich vielleicht lieber Autan statt den Fotos mitnehmen sollen?) aber glücklich wäre ich nicht. Es gibt ja immer wieder Menschen, die sich auf eine einsame Insel wünschen, auch wenn es nur mal ein paar Wochen Urlaub wären. Ich stelle fest, ich kann dem nichts abgewinnen, vor allem wenn es nicht gesichert täglich die Möglichkeit gäbe, wieder von der Insel abzureisen. Ich liebe die Ruhe und die Natur, ein Waldspaziergang ist für mich ein großes Geschenk! Aber in der Regel sind das Aufenthalte, die zeitlich begrenzt sind und nicht über Nacht und überhaupt… Einsame Inseln haben ja auch die Angewohnheit, irgendwo in den Tropen zu liegen und eine Vielzahl an Tierchen zu beherbergen, mit denen ich als Mitteleuropäerin nicht warm werde.

Am Schlimmsten wäre aber tatsächlich für mich das Abgeschnitten sein von anderen Menschen. Kein Gegenüber, keinen Gesprächspartner zu haben, für was weiß ich wie lange, das sprengt meine Vorstellungskraft. Insofern beneide ich die Einsame-Insel-Menschen, da sie sich offenbar selbst genug sind und kein Problem mit der Einsamkeit hätten. Allerdings weiß ich natürlich auch nicht, wieviele Menschen sich diesem Selbstversuch schon freiwillig unterzogen haben und wie es ihnen danach ging, das wäre in der Tat mal sehr interessant herauszufinden.

Ich fasse zusammen, als fantasierte Möglichkeit ist die einsame Insel mal ganz witzig, aber in der Realität brauche ich das nicht. Mich würde interessieren, wie meine LeserInnen darüber denken! Gibt es unter Euch Einsame-Insel-Menschen, die sich das wünschen und gerne mal ausprobieren wollen, wie das ist? Oder vielleicht hat von Euch schon jemand diese Erfahrung gemacht? Dann würde ich mich sehr über einen Kommentar hierzu freuen!

In diesem Sinne verbleibe ich – froh mit meinen Katzen in meinen vier Wänden –

Eure Merle

 

 

Mein erstes Lotto-Spiel

mde

Ich bin noch ganz aufgeregt, habe ich doch heute zum ersten Mal in meinem Leben einen Lottoschein ausgefüllt und abgegeben! Nachdem mich am Wochenende ein Freund über einen 90 Millionen Jackpot unterrichtete, dachte ich flüchtig, ach, da könnte man ja mal Lotto spielen, das lohnt sich! Vergaß den Gedanken aber wieder. Und heute, als ich mir eigentlich nur Papier zum Zigarettendrehen kaufen wollte, stehe ich im Laden und ehe ich’s mich versehe, habe ich den Mann hinter der Kasse gefragt, wie denn das funktioniert mit dem Lotto spielen, ich würde gern einen Schein für den 90 Millionen Jackpot ausfüllen. Gesagt, getan, ich habe mir drei Kästchen geleistet, also wahrlich nicht die Welt, vor allem, wenn man bedenkt, wieviel Geld vielleicht auf mich wartet…!

Alldieweilen die Ziehung erst am Freitag abends ist, habe ich jetzt noch genügend Zeit mir zu überlegen, wofür ich das Geld einsetzen bzw. ausgeben werde, ähh, würde. In der Tat fiel mir als erstes ein, dass ich mir keine Sorgen mehr über die Medikamente für meinen chronisch kranken Kater machen müsste. Dann habe ich überlegt, welchen von meinen Freunden ich eine Million abgeben würde und dann dachte ich, dass ich unbedingt in Forschung investieren wollen würde: Klimaschutz, Krebs, HIV… und dann merkte ich, dass mein Geld auch schon futsch wäre. Also nochmal von vorne.

Interessanter Weise war ja zu meinen Kindertagen eine Million schon unfassbar viel Geld. Ich erinnere mich, dass meine Mutter wöchentlich Lotto gespielt hat und immer auf die Million gehofft hat. Damals wäre man mit dem Geld auch noch recht weit gekommen, heute langt eine Million kaum mehr für ein Leben, in dem man, sagen wir mal, vierzig Jahre nicht arbeiten möchte und ein Eigenheim besitzen will. Aber unter uns, ich würde mich trotzdem auch über eine Million freuen.

Jetzt will ich aber darüber nachdenken, was ich mit 90 Millionen anfangen würde undzwar erstmal für mich. Ich würde mir endlich ein Haus am See kaufen, dass selbstverständlich einen Garten mit einem kleinen Bach und Teich hat. Ich würde mir einen kleinen Privatzoo mit Nutztieren anschaffen, die alle nicht nutzen müssen sondern nur ihr Dasein genießen dürfen, also Schafe, Pferde, Hühner, Ziegen… Ich würde den Autoführerschein machen, den hab ich nämlich bislang nicht gemacht und ich würde mir einen Tesla kaufen.

Nachdem ich mich neu eingekleidet habe und doch ein paar Millionen an Freunde verschenkt habe, würde ich anfangen zu reisen. Erst ganz klein, denn wir erinnern uns, reisen macht mir Angst, und dann immer größere Ausflüge in Europa unternehmen. Und weil ich in dem Haus am See Zimmer untervermiete, gibt es auch immer jemanden, der sich um die Tiere kümmern kann, während ich unterwegs bin. Und wenn ich genügend von der Welt gesehen habe, richte ich mir in dem Haus am See ein Atelier ein, in das ich auch andere Künstler einlade und kann so lange und so oft kreativ sein, wie ich will.

Es gibt ja Menschen, die behaupten, dass man nur kreativ sein kann, wenn man arm ist und leidet. Ich glaube das nicht, ich glaube man kann auch ohne Geldsorgen oder sonstige existentielle Probleme sehr gut Künstler sein. Ich würde es zumindest wirklich gerne ausprobieren!

Aber je länger ich über diese Summe Geld nachdenke, desto obszöner erscheint sie mir. 90 Millionen Euro. Dass die Chancen auf den Gewinn verschwindend gering sind – geschenkt. Aber wenn ich mal ernsthaft darüber nachdenke, so viel Geld zu haben, frage ich mich schon, was das für ein Gefühl ist, wenn man sich alles kaufen kann, wenn nichts mehr erspart werden muss, wenn Geld im wahrsten Sinne des Wortes keine Rolle mehr spielt. Ich glaube nicht, dass es glücklich macht. Vielleicht macht es den Menschen etwas freier – aber wird nicht die Faszination dieses Reichtums ziemlich schnell verblassen? Macht man sich am Ende dann die ganze Zeit Sorgen, dass man das Geld wieder verlieren könnte? Oder ist man schlicht den ganzen Tag gelangweilt?

Ich stelle fest, ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es ist, so unfassbar viel Geld zu besitzen. Ich habe mal gehört, dass Lottogewinnern ein Psychologe an die Seite gestellt wird, um mit der neuen Lebenssituation zurecht zu kommen. Ich habe keine Ahnung, ob das ein Märchen ist, aber ich kann mir Vorstellen, dass das eine ziemlich gute Idee ist! Ich glaube nicht, dass ich abdrehen würde, aber ich würde wahrscheinlich für den Moment den Faden verlieren und einer gewissen Orientierungslosigkeit anheim fallen. Was, wenn sich einem plötzlich alle Möglichkeiten bieten und man die Qual der Wahl hat? Ist das ein gutes Gefühl oder eher beängstigend?

Ich neige zu Tagträumen aber ganz aus der Welt bin ich auch nicht, so dass ich mir keine echten Hoffnungen auf den Lottogewinn mache. Aber es sind schon ein paar interessante Gedankenspiele, die sich hier so ergeben. Es lässt mich darüber nachdenken, was Geld und materieller Besitz mir wirklich bedeuten und zeigt mir, was mir wichtig und was weniger wichtig ist. Insofern haben sich die paar Euro für den Lottoschein schon gelohnt.

Ich gehe davon aus, dass ich trotzdem am Samstag gucken werde, ob ich irgendwelche Treffer gelandet habe und wahrscheinlich wird sich doch ein klein wenig Enttäuschung breit machen, wenn ich gar nichts gewinne, aber das ist in Ordnung. Das, was ich mir wirklich für mein Leben wünsche, das kann ich mit keinem Geld der Welt kaufen, und das ist auch gut so.

Trotzdem wünsche ich allen Lottospielern da draußen und mir selbst viel Glück und verbleibe

Eure Merle

 

 

 

Empfehlung des Tages: Quatsch und Albernheiten!

dav

Aufmerksame Leser meines Blogs werden es schon bemerkt haben: ich habe in letzter Zeit öfter mal unangenehme Pflichten zu erledigen wie zum Beispiel müßige Gespräche mit Krankenkassen und Ämtern – und da so etwas nicht spurlos an mir vorüber geht, muss ich ab und an dringend dagegen steuern und mir etwas Gutes tun. Wie ich mit Hilfe von zwei besonderen Freundinnen feststellen durfte, ist es unglaublich ratsam und erholsam, selbst mitten in der schlechtesten Laune, albern zu sein und Quatsch zu machen, egal wo, auch oder vielleicht gerade in der Öffentlichkeit, weil manche Gesichter, die man dann zu sehen bekommt, gleich noch mehr zum Lachen anregen.

Ich empfehle ja immer wieder gerne Helge Schneider, der für mich der Meister des Quatschs ist, von ihm kann man sich wirklich köstliche Anregungen holen. Oder auch Monty Python, deren legendärer Film „Das Leben des Brian“ einigen bekannt sein dürfte. Sehr gerne übe ich derzeit meine Bewerbung im Ministry of Silly Walks. Probieren Sie es aus! Gehen Sie in der Ihnen unmöglichsten Art und Weise zur U-Bahn, zum Beispiel in ständiger Grätsche oder Hüpfen sie zwischen jedem Ihrer Schritte oder aber ziehen Sie einfach ein Bein im Schlenker immer hinterher… es gibt da ungeahnte Möglichkeiten! Egal, wie mies drauf Sie vorher waren, Sie werden während der Ausübung alberner Gangarten automatisch lachen müssen!

Aber meinen Freundinnen und mir fällt auch ohne Vorbildern genügend Quatsch ein. So ist es sehr amüsant, sich anzusingen anstatt normal zu sprechen. J. kann wunderbar Opernsängerinnen imitieren und so wird jeder Satz zu einer kleinen Arie. Oder wir unterhalten uns nur per Mimik, ohne Laute, das bringt auch großen Spaß. Ich persönlich bevorzuge es, Dialekte oder Fremdsprachen-Akzente nachzuahmen. Also klingt zum Beispiel der Satz, „Ich möchte noch einen Cafe trinken und noch nicht nach Hause gehen“, so: „Isch möschte gährne nok eine Café aben et pas gehön nak ause.“ Noch habe ich mich nicht getraut, mich so an die Servicekräfte in unserem Stammcafé zu wenden, aber wer weiß, vielleicht tue ich das bei der nächsten großen Verstimmung.

Grundsätzlich sollte man natürlich aufpassen, dass sich niemand veräppelt vorkommt, deshalb haben wir bisher vor allem intern solchen Quatsch ausgeübt. Hübsch ist übrigens auch, dem anderen mit vollkommenen nonsense-Sätzen zu antworten. Wenn ich beispielsweise gefragt werde, wie mein Tag war, antworte ich mit “ Bitte wenden Sie sich an Ihren Administrator“ oder aber „Ihr Guthaben ist bereits aufgebraucht.“ – Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Wichtig ist die richtige Dosierung und das Gespür dafür, wann der andere tatsächlichen Gesprächsbedarf hat. Solchen Unfug zu verzapfen bringt natürlich nur Spaß, wenn alle Anwesenden in der richtigen Stimmung sind und keinem gerade etwas Wichtiges auf der Seele brennt. Und man darf sich nicht scheuen, sich vor Wildfremden lächerlich zu machen. Wenn ich laut „Fitze, fitze, fatze…“ (von Helge Schneider) singend die Straße runter gehe, darf ich mich über schräge Blicke natürlich nicht wundern. Aber wie gesagt, trägt das eher noch mehr zu meiner Erheiterung bei.

Sie fragen sich jetzt vielleicht (zurecht!), ob ich nicht doch einen an der Klatsche habe, aber das ganze hat in der Tat einen ernsten Hintergrund: das Leben ist so absurd und auf so vielen Ebenen sinnfrei, dass es schlichtweg befreiend wirkt, dieser Absurdität den eigenen Humbug entgegen zu setzen. Anstatt nach dem Warum und Woher zu fragen, wenn der Alltag mal wieder voller Hindernissen ist und müsame, zähe Bürokratie oder ähnliches einem die Laune versauern, dann ist es eigentlich nur folgerichtig, dem mit Albernheit und sinnbefreitem Humor zu begegnen. Wie E. neulich in unserer Unterhaltung so schön meinte: „Die Welt ist eh so absurd, bitte mehr Quatsch!“ Jawoll, bitte mehr Quatsch, weniger Ernst, das wünsche ich mir auch und ich bin froh, dass mir dazu ein gewisses Talent gegeben ist.

Um Missverständnissen vorzubeugen: es geht nicht darum, jemanden zu provozieren oder Aufmerksamkeit zu erregen! Das ist nicht der Sinn der Übung, sondern es geht vielmehr darum, sich Spaß zu erlauben und gegebenenfalls dabei nicht vom Urteil Anderer einschränken zu lassen. Grundsätzlich ist es genauso witzig, allein zu Hause albern zu sein, das Rückwärtslesen von Produktbeschreibungen hatte ich ja schonmal erwähnt und laut singen kann man in den eigenen vier Wänden auch sehr gut. Aber mancher Humor funktioniert natürlich besser mit einem Gegenüber, das mitspielt.

Und so plädiere ich zum Abschluss vehement für die Einführung von Quatsch und Albernheiten in den Alltag und rege an, sich mal wieder an die Kindheit zu erinnern, als Blödsinn und Unfug noch nicht so vom Verstand be- oder entwertet wurden sondern ganz selbstverständlich waren. Ich weiß nicht, in welchem Alter es genau anfängt, dass Kinder sich der Beobachtung anderer bewusst werden und man anfängt, das Bedürfnis zu entwickeln, sich konform zu verhalten. Aber seit dem ich gespürt habe, wie gut es tut, mal aus der Reihe zu tanzen und sich eben nicht konform zu verhalten, habe ich mir vorgenommen, dies wieder öfter zu tun. Wenn Sie also demnächst jemanden total albern durch die Gegend hüpfen sehen, könnte das vielleicht ich sein…

Und so verbleibe ich für heute Abend herzlichst,

Eure Merle

 

Vom Schmerz, es nicht allen recht machen zu können

 

dav

Heute Abend bin ich noch auf eine kleine Geburtstagsfeierlichkeit eingeladen und ich weiß nicht, ob ich hingehen möchte. Das heißt, eigentlich weiß ich, dass ich lieber zu Hause bleiben würde, mich in meinen Pyjama schmeißen will und dann im Bademantel mit dicken Socken und Tee an meinem Rechner sitzen und schreiben möchte. Ich möchte nicht hinaus in den dunklen, kalten Herbstabend und zu Fuß durch die Kälte stapfen. Ich möchte es muckelig warm und gemütlich und ruhig haben und nicht in einer Kneipe eine Unterhaltung gegen den Lärm der gesammelten Gästeschar führen. So weit, so gut.

Aaaber ich möchte auch das Geburtstagskind und meinen Freund nicht enttäuschen und ich fände es schon schön, mal wieder ein paar bekannte Gesichter außerhalb meiner vier Wände zu treffen, ich bin in letzter Zeit nicht viel unterwegs gewesen. Aber vor allem möchte ich niemanden enttäuschen und es ist wohl an der Zeit zuzugeben, dass ich ein kleines bißchen harmoniesüchtig bin. Ich möchte immer gern, dass es allen gut geht und dass alle bekommen was sie wollen oder brauchen. Ich bin zum Beispiel auch gerne Gastgeberin bei Feiern und genieße es, alle zufrieden zu stellen, mich um die Gäste zu kümmern und für deren leibliches Wohl zu sorgen. Und wenn ich bei jemandem eingeladen bin, sage ich ungerne ab, weil ich weiß, wie sehr man sich als Gastgeberin auf die Gäste freut – und wie gesagt, ich möchte niemanden enttäuschen.

Eigentlich habe ich schon gelernt, „nein“ zu sagen und auf meine Bedürfnisse zu hören. Aber was mache ich, wenn ich zwei entgegengesetzte Bedürfnisse habe? Dann muss ich heraus finden, welches schwerer wiegt und genau das fällt mir heute Abend besonders schwer. Man könnte jetzt natürlich auch sagen, meine Güte, was für ein neurotisches Gelaber, dann gehst Du halt nicht auf die Feier, Ende der Geschichte – oder Du gehst, aber hör auf zu jammern. Dem muss ich mit einem entschiedenen JEIN entgegen treten. Denn wenn man ich ist, ist das nicht so einfach. Gehe ich auf die Feier, muss ich meinen Widerstand überwinden und meine kuschelige Bude verlassen, die Anstrengung dafür ist nicht zu unterschätzen! Bleibe ich aber zu Hause, empfinde ich einen geradezu körperlichen Schmerz bei dem Gedanken, wen ich enttäuschen werde. Und Geburtstag feiert man nur einmal im Jahr und das auch nicht jedes Jahr. In meinem Bemühen, im Hier und Jetzt zu sein, fällt mir manchmal die Entscheidung, wie ich mein Hier und Jetzt verbringen möchte, ganz schön schwer. Wenn jeder Tag als einmalig empfunden wird, kann die Auswahl an Möglichkeiten ganz schön belastend werden!

Nun sitze ich also hier und versuche herauszufinden, welche Argumente und Befindlichkeiten schwerer wiegen und es läuft auf ein Unentschieden hinaus. Manchmal werfe ich in solchen Situationen eine Münze – nicht zwingend um dann das zu tun, was die Münze sagt sondern um zu spüren, bei welcher Seite, also Entscheidung, ich die größere Enttäuschung empfinde. Da mir dieser Akt für heute Abend jedoch ein bißchen übertrieben scheint, schließlich geht es hier nicht um einen Staatsempfang und ich bin auch kein Ehrengast, lasse ich die Situation noch ein wenig länger auf mich wirken, trinke derweil Kaffee, rauche eine Zigarette und schreibe diese Worte. Ich habe übrigens noch ca. eine Stunde Zeit um mich zu entscheiden, dann wird es ernst 😉 .

Pause. Ich denke nach. Jetzt frage ich mich, was wohl das Geburtstagskind denken würde, wenn sie wüsste, wie ich mich hier gerade drehe und winde. Bin ich überhaupt ein guter Gast, wenn ich nur erscheine, um niemanden zu enttäuschen?? Kann ich mit der Feier mitgehen oder werde ich nur träge in der Ecke an meiner Apfelschorle süffeln und dann auch eine Enttäuschung sein? Hach, es dämmert mir, ich mache mir zu viele Gedanken und sollte einfach nach meinem Bauch entscheiden. Und Herz. Definitiv unentschieden, wir sind uns noch nicht einig. Puuhhhh.

Grundsatzfrage: warum ist es so schmerzhaft, andere zu enttäuschen, jemandem eine Absage zu erteilen, nein zu sagen – zumindest, wenn man denjenigen gerne hat? In einer guten Beziehung oder Freundschaft ist doch eigentlich mit eingeschlossen, dass ein nein akzeptiert wird. Sind es die Spiegelneuronen oder einfach nur die eigene Bewertung? Schließlich kann ich gar nicht wissen, ob oder wie sehr ich jemanden kränke, das könnte theoretisch auch alles nur mein Kopfkino sein.  (Liebe LeserInnen, ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn sie an diesem Text langsam ermüden, ich finde es auch gerade zäh…)

Ich halte jetzt erstmal ganz abgeklärt fest, dass ich es nicht immer allen recht machen kann. Das ist eine Tatsache. Jetzt muss ich nur noch wissen, ob es für mich in Ordnung ist, es heute Abend zunächst mal anderen recht zu machen. Und ich denke, das kann ich vertreten. Ich werde mich einfach dick einpacken, dann frier ich auf dem Weg nicht und ich kann jederzeit wieder gehen, wenn es mir zu viel wird. Aber ich möchte die Möglichkeit nicht außer Betracht lassen, dass ich mich auf der Feier richtig wohl fühlen und mit Freunden Spaß haben werde, also ist die Entscheidung jetzt endlich gefallen.

Nicht alle Entscheidungen fallen mir so schwer, nicht, dass Ihr da jetzt einen falschen Eindruck bekommt! Aber der Titel dieses Beitrags ist schon ernst gemeint: ich empfinde einen Schmerz, wenn ich, zumindest von meiner höchst subjektiven Warte aus, es nicht allen recht machen kann. Es ist gut, dass mich trotzdem in der Regel mein Humor nicht verlässt, aber ich frage mich, ob es anderen Menschen auch so geht? Naja, vielleicht zumindest den Neurotikern unter uns…

Nun, da ich heute Abend noch was vor habe, beschließe ich hiermit meinen heutigen Beitrag und wünsche Euch allen ebenfalls einen schönen Samstag Abend!

Eure Merle

Mut zur Entscheidung

 

dav

Hallo liebe LeserInnen, meinen heutigen Beitrag widme ich allen Menschen, die großen Mut bewiesen haben, indem sie Entscheidungen getroffen und umgesetzt haben, die nicht einfach waren aber eine positive Wende in ihr Leben gebracht haben. Ich kenne persönlich auch einige solcher Menschen und von ihnen möchte ich berichten, um anderen (und vielleicht auch ein bißchen mir selbst) Mut zu machen.

Ich denke zum Beispiel an eine Freundin, die bereits länger an Depressionen erkrankt war und sich, um sich etwas Gutes zu tun und um regelmäßig Spaziergänge zu machen, einen Hund zugelegt hat. Diese Freundin hatte nicht nur mit den Vorbehalten und Einwänden ihrer Familie zu kämpfen sondern auch mit der relativen Ungewissheit, wie sie ihren Hund unterbringen würde, wenn sie zum Beispiel in die Arbeit gehen würde. Ich weiß noch genau, wie sehr sie sich den Kopf zerbrach, mit vielen Leuten sprach und sich die Entscheidung nicht leicht machte, da sie auch ihrem zukünftigen Hund gegenüber unbedingt verantwortungsvoll handeln wollte. Am Ende hatte sie doch genügend Zusagen von Personen, die sich mit um den Hund kümmern würden und hatte alle Fürs und Widers abgewägt und holte sich dann tatsächlich einen entzückende kleine Pudeldame nach Hause. Ich kann als Außenstehende nur sagen, dass das wohl eine der besten Entscheidungen in ihrem Leben war, denn der kleine Hund hat einen großen Effekt im Leben meiner Freundin und seit etwa drei Jahren bereichert er den Alltag und die Stimmung seines Frauchens. Bis heute ist übrigens keine einzige Situation vorgekommen, in der sie keine Betreuung für das Tier gefunden hätte, wenn es nötig war. Ich finde, es war eine mutige Entscheidung, sich trotz einiger Unwägsamkeiten für den Hund zu entscheiden und ich bin mir sicher, jeder der die beiden kennt, würde zustimmen, dass es die richtige Entscheidung war.

Eine andere Freundin von mir hat an ganz anderer Stelle großen Mut bewiesen. Auch sie leidet seit längerem an Depressionen und ist immer wieder für einige Zeit arbeitsunfähig aufgrund ihrer Erkrankung. Hinzu kommt bei ihr, dass bestimmte Faktoren ihres Arbeitsplatzes, wie häufige Versetzungen, ihrer Gesundheit nicht förderlich sind. Nun hat sie den, wie ich finde, sehr mutigen Schritt gewagt, ihren Arbeitgeber von ihrer Krankheit zu unterrichten, inklusive der Diagnose Depression. Sie hat diese Entscheidung getroffen um damit erwirken zu können, dass ihr Arbeitsplatz für sie angemessen gestaltet wird. Im Moment können wir ihr dafür noch kräftig die Daumen drücken, aber so oder so, bewundere ich ihren Mut, sich dem Arbeitgeber so zu stellen und sich für die Selbstwirksamkeit zu entscheiden anstatt sich zu verstecken und zu hoffen, dass sich irgendwann irgendetwas ändern wird. Es sollte ja meiner Meinung nach gar kein Problem sein, von der Krankheit Depression zu sprechen, wenn man betroffen ist, aber die traurige Wahrheit ist immer noch, dass diese Erkrankung ein schlechtes Image hat und die Haltung „Dann soll sie sich halt zusammenreißen“ weiterhin weit verbreitet ist. Insofern ziehe ich meinen Hut vor meiner Freundin und drücke alle Daumen, dass ihre Intervention den gewünschten Effekt haben wird.

Und dann gibt es noch eine Freundin, die sich vor einigen Jahren beruflich selbständig gemacht hat, undzwar in einem absoluten Nischen-Heilberuf, der in Deutschland noch nicht sehr bekannt ist. Sie hat zwar ein zweites berufliches Standbein, aber dennoch ist sie aus einer Festanstellung in die Selbständigkeit und diesen Schritt finde ich auch mutig, gerade in der heutigen Zeit.

Was alle drei meines Wissens nach gemeinsam haben, ist, dass sie ihrem Herzen gefolgt sind und sich nicht gescheut haben, ein gewisses Risiko einzugehen bei ihren Entscheidungen. Ich finde es mutig, einen Weg einzuschlagen bei dem man nicht weiß, was hinter der nächsten Biegung kommt und bei dem man einiges aufs Spiel setzt. Ich selber habe in meinem Leben noch nicht so viele mutige Entscheidungen getroffen und bin oft gerne auf der sicheren Seite gefahren, deshalb faszinieren mich solche Geschichten wie die hier wiedergegebenen. Mein Mut wächst gerade erst und ich bin dabei, neue Weichen zu stellen, aber das ist eine Mut-Geschichte, die dann jemand anderes schreiben sollte 😉 .

Ich nehme mir an dieser Stelle trotzdem das Recht heraus zu behaupten, dass es gut ist, seinem Herzen zu folgen, auch wenn der Verstand wahrscheinlich zig Gründe hat, die dagegen sprechen. Wer zu lange nur seinem Verstand oder Sicherheitsdenken folgt, verkümmert in der Seele und funktioniert nur noch, das kann auf Dauer nicht gut gehen. Wer seinem Herzen öfter folgt, steht zu sich selbst und den eigenen Idealen. Wer dies zu lange unterlässt, wird es, so meine Erfahrung, schwer haben, glückliche Momente in sein Leben zu holen.

Und so schreibe ich hier auch von meiner Erkenntnis, dass Frohsinn und Glück auch eine Frage der inneren Risikobereitschaft sind. Wer mutig, das heißt trotz der Ängste, seinen Weg geht, lebt lebendiger und wahrhaftiger. Mutige Entscheidungen zu treffen bedeutet, das Risiko einzugehen, sich geirrt zu haben, eventuell seine Richtung ändern zu müssen, sich einzugestehen, dass etwas doch nicht geklappt hat – aber wenn ich dem ewig aus dem Weg gehe, dann gehe ich dem Leben selbst aus dem Weg. Deshalb ist Mut so wichtig und die Fähigkeit, trotz der eigenen Bedenken und Ängste Entscheidungen für sich zu treffen, Entscheidungen, die vielleicht nicht populär oder vernünftig sind, die sich aber richtig anfühlen und das Herz hüpfen lassen.

Vor kurzem habe ich hier einen Beitrag mit dem Titel „Unvernunft gesucht“ geschrieben und ich komme jetzt darauf zurück, weil ich glaube, dass gerade bei den großen Lebensentscheidungen Vernunft nicht immer der beste Ratgeber ist. Natürlich ist es bestimmt ratsam, bei wichtigen Dingen alle Seiten zu beleuchten und den Verstand nicht ganz außen vor zu lassen, sozusagen nicht blind einfach die Fahrbahn zu wechseln, aber wenn Bauch und Herz sich einig sind, spätestens dann ist es Zeit zu handeln, auch, wenn es vielleicht unvernünftig ist.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen die nötige Portion Unvernunft und Mut, um den eigenen Weg zu gehen und verbleibe für heute

Eure Merle