Aufruf wider die Selbstverständlichkeiten

dav

Was ich heute schreibe, ist nicht besonders neu oder originell und einiges davon habe ich auch schon in der einen oder anderen Form in früheren Beiträgen gesagt, aber mir scheint, dass manche Dinge gar nicht oft genug gesagt werden können, besonders in diesen Zeiten. Es ging mir in den letzten Tagen nicht so gut und ich habe mich – trotzdem oder gerade deshalb? – auch ein wenig mit dem politischen Geschehen in unserem Land und in der Welt beschäftigt und bin vorläufig zu folgenden Schlüssen gekommen: ich habe Angst, wenn ich mir ansehe, was auf der politischen Bühne gerade passiert und wir brauchen eine Revolution, undzwar eine Revolution der Liebe und des Friedens.

Ich habe den starken Eindruck, dass die auf politischer Ebene Handelnden, aber auch große Bevölkerungsanteile hier und in anderen Teilen der Welt, vergessen haben, was Nationalismus, Alleingänge, Aufrüstung und schließlich Krieg bedeuten. Es scheint kein Bewusstsein mehr dafür vorhanden zu sein, was vor etwas über 70 Jahren zu Ende ging, nämlich der letzte Weltkrieg. Wir nehmen den Frieden in Europa als zu selbstverständlich, wir spielen mit den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und scheinen vergessen zu haben, was die Geschichte uns eigentlich gelehrt haben sollte: nur gemeinsam können wir Lösungen finden für die anstehenden Probeme und Krieg darf kein Mittel der Wahl mehr sein.

Aber es gibt auch andere Dinge, die mir als zu selbstverständlich erscheinen: zum Beispiel, dass wir genug zu Essen haben, dass wir in relativem Reichtum leben und zumindest in Deutschland einigermaßen funktionierende soziale Systeme haben.

Ich frage mich, ob die Fahrlässigkeit, mit der die Politiker mit den Schätzen der Gesellschaften umgehen, sich im Einzelnen spiegelt, ob das, was da im Großen passiert, auch im Kleinen vor sich geht. Nehmen wir alle zu viel zu selbstverständlich? Ich glaube schon und ich schließe mich da mit ein. Deshalb habe ich mir überlegt, was ich für mich in Zukunft bewusster und mehr wertschätzen will – mit meinem persönlichen politischen Ansatz, dass ich am meisten in meinem persönlichen Umfeld verändern kann:

Nachdem ich mich am Wochende lange mit einem Freund über Krieg und Friedenszeiten unterhalten habe, schätze ich die in Europa historisch gesehen schon lange Friedenszeit von rund 70 Jahren sehr hoch und mir ist bewusst geworden, dass das nicht selbstverständlich ist. Wir müssen etwas dafür tun. Da ich keiner Partei beitreten möchte und auch sonst keinem Verein, habe ich mir vorgenommen, in dem, was ich hier schreibe, immer wieder auf Dinge aufmerksam zu machen, die mir gesellschaftlich relevant vorkommen.

Ich möchte auch mit meiner Gesundheit besser umgehen und mir vor Augen halten, dass meine körperliche Gesundheit eben nicht selbstverständlich ist. Hier kann ich zum Beispiel durch ein größeres Augenmerk auf meine Ernährung ein Danke an meinen Körper schicken, dass er mich schon so lange so verlässlich durch die Welt trägt.

Weiterhin glaube ich, dass, obwohl ich nicht viel Geld zur Verfügung habe, ich doch relativ reich bin, besonders im Vergleich. Ich glaube es tut mir gut, wenn ich zukünftig bei Ausgaben jeglicher Art dankbar dafür bin, dass ich mir dieses oder jenes leisten kann und nicht selbstverständlich konsumiere. Es schadet sicher auch nicht, hin und wieder mal darüber nachzudenken, was ich wirklich benötige und was reiner Luxus ist – was nicht heißt, dass ich auf Luxus verzichten muss, aber ich möchte ihn dann bewusst genießen.

Besonders wichtig ist mir, die Liebe und Freundlichkeit, die ich im Leben erfahre, nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen. Ich glaube nicht, dass ich das grundsätzlich tue, aber eine Erinnerung hin und wieder ist nicht verkehrt. Sei es durch meine Katzen, die mich wärmen und beschnurren, wenn es mir schlecht geht, oder sei es durch Freunde, die mir beiseite stehen und mir Kraft geben. Oder aber auch die vielen kleinen Begegnungen mit Fremden im Alltag, die freundlich und respektvoll sind. Da, wo ich die Liebe und gutes miteinander Auskommen treffe, möchte ich es bewusst wahrnehmen und wertschätzen, denn es ist nicht selbstverständlich.

Diese Überlegungen führen natürlich auch unweigerlich zu der Frage, wie gehe ich mit mir selber um und auch hier darf noch sehr viel mehr Wertschätzung Einzug halten. Denn die Beziehung zu meiner Umwelt fängt immer mit der Beziehung zu mir selbst an.

Die Revolution der Liebe und des Friedens ist also vor allem auch eine zutiefst persönliche Revolution. Sie hat ihre politischen Aspekte insoweit der Mensch ein vergesellschaftetes Wesen ist und im Verbund lebt, sie ist aber auch individuell und privat, wo es um Eigenliebe und Selbstwertschätzung geht und um den Frieden, den jeder mit sich selbst schließen muss, kann oder darf. Wenn ich das schaffe und mit mir und meiner unmittelbaren Umwelt liebevoll und respektvoll umgehe, dann bin ich sicher, hat dies auch auf größeren Ebenen der Gesellschaft irgendwann seine Auswirkungen, natürlich besonders dann, wenn mehrere Menschen diesen Weg einschlagen.

Aber ich schreibe dieses kleine Manifest wider die Selbstverständlichkeiten vor allem für mich, ich möchte es so greifbarer und „offizieller“ machen und freue mich natürlich über jeden, der damit auch etwas anfangen kann.

Und so stelle ich nun meinen Aufruf wider die Selbstverständlichkeiten ins Netz und bin gespannt, ob es dazu Rückmeldungen oder Ergänzungen gibt – vielleicht trifft es ja sogar auf den ein oder anderen, der auch gerade meint, jetzt ist es Zeit für die Revolution!

So grüße ich Euch herzlich und verbleibe heute

Eure nachdenklich-kämpferisch gestimmte Merle

 

 

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Sagen, was ich denke und was ich möchte…

dav

…ist immer eine gute Idee, allein ich kann es nicht immer und so geht mein heutiger Beitrag über ein Gespräch, das ganz anders verlaufen wäre, hätte ich gleich den Mut gehabt, zu sagen, was ich denke und was ich möchte.

Es fing damit an, dass der Installateur für den Warmwasserzähler mit einer Verspätung von fast einer Stunde nach dem ursprünglich angegebenen Zeitraum bei mir auftauchte. Ich würde jetzt gern dem Installateuer die Schuld in die Schuhe schieben, das geht aber leider nicht. Jedenfalls war der gute Mann so spät, dass ich einen Freund, den ich eigentlich heute noch hatte sehen wollen, nicht mehr treffen konnte. Ich rief also besagten Freund an, nachdem der Monteur meine Wohnung verlassen hatte und hörte am Ton seiner Stimme, dass es ihm nun zu spät war noch bei mir vorbei zu kommen. Der aufmerksame Leser wird sich jetzt fragen: Häh? Wie kann sie das am Ton erkennen? Sollte man da nicht lieber fragen? Richtig! Das tat ich dann auch, aber so verklausuliert und gewollt humorvoll, dass das Gespräch sich in eine völlig seltsame Richtung entwickelte und das Ergebnis war jedenfalls das gleiche, es war ihm zu spät, noch vorbei zu kommen. Mittlerweile war ich so angestrengt und enttäuscht (ich halte mir zugute, dass ich insgesamt drei Stunden auf den Handwerker hatte warten müssen und ziemlich entnervt war), dass ich nicht mehr in der Lage war, zu fragen, was mir eigentlich wichtig war, nämlich ob wir uns am Wochenende sehen würden. Eigentlich kein Problem, mein Freund ist ein offener Typ, man kann ihn im Prinzip alles fragen und davon abgesehen ist das ja auch keine große Sache. Aber ich war mir nicht sicher, ob es ihm Recht sein würde, ob es ihm nicht zu viel würde, da er am Wochenende auch (im Schichtdienst) arbeiten muss und so verabredeten wir uns für Freitag, wo ich eigentlich selber schon recht viel vorhabe.

Kurz gesagt, nachdem ich den Höhrer aufgelegt hatte war ich total verwirrt, unzufrieden und völlig unklar darüber, was das jetzt für ein Gespräch war. Kein Wunder! Ich hatte versucht, mich ganz nach meinem Gesprächspartner zu richten, hatte dabei aber vergessen, was ich eigentlich wollte und schwurbelte derart so ziemlich durch die Gegend. Ich hatte jetzt nicht nur eine Verabredung an einem Tag, an dem ich sie ursprünglich nicht hatte haben wollen sondern hatte auch noch das Gefühl, übergangen worden zu sein. Was totaler Blödsinn ist, da ich ja gar nicht gesagt hatte, was ich wollte. Da kann man schlecht von anderen übergangen werden. Aber ich hatte mich selber übergangen!

Ich nehme an, es geht jedem manchmal so, dass man besonders an Tagen, an denen man ohnehin schon genervt oder angefasst ist, eine dünne Haut hat oder ein bißchen neben sich steht, dass man an solchen Tagen gerne seltsame Gespräche hat oder mit der Umwelt meint, nicht klar zu kommen. Ich habe an solchen Tagen öfter das Gefühl, dass mich keiner versteht, dass ich nicht akzeptiert bin oder ich fühle mich eben übergangen. Retrospektiv stellt sich in der Regel heraus, dass ich selber unklar bin, nicht genau weiß, was ich eigentlich will und ergo dies auch anderen nicht mitgeteilt habe. Dass es da zu Missverständissen und unbefriedigender Kommunikation kommt, liegt auf der Hand.

Ich habe übrigens meinen Freund nochmal angerufen und dieses Mal klar formuliert, was ich mir wünsche – und siehe da, es war gar kein Thema. Mein Kopfkino hatte mal wieder völlig umsonst alle möglichen Irrungen und Wirrungen vollzogen, die mit der Realität nicht so furchtbar viel zu tun hatten. Ich halte also für mich persönlich wieder mal fest, dass es von unschätzbarem Wert ist, die eigenen Gedanken im Zweifel zu überprüfen, indem ich nachfrage bzw. klar sage, was ich will. Tue ich das nicht, gebe ich dem anderen gar keine Chance, klar auf mich zu reagieren. Es entstehen Wortwechsel mit zig Subtexten und Zwischen-den-Zeilen-Botschaften, die kein Mensch ernsthaft entschlüsseln kann oder will.

Für die Zukunft nehme ich mir vor, öfter mal inne zu halten und nachzuschauen, ob ich mich selber gerade spüre, ob ich im Kontakt mit mir bin. Denn wenn ich das nicht bin, verliere ich mich im Gespräch und werde unklar. Ganz bei einer Sache zu sein und achtsam mit sich selbst und dem Gesprächspartner umzugehen, scheint mir sehr wichtig, zumindest möchte ich das für mich wieder bewusster praktizieren. Denn das heutige Beispiel hat mir wieder gezeigt, wieviel schlechte Laune und Unmut es macht, Gespräche zu führen, in denen man mehr aneinander vorbei als miteinander redet. Es ist außerdem eine wunderbare Erfahrung, dass eine Bitte, die ich äußere, erfüllt wird, einfach so! Wahrscheinlich würde das viel öfter in meinem Leben passieren, wenn ich mich nur trauen würde, sie auszusprechen. Da haben wir es also mal wieder, das Übungsfeld!

Also lautet das heutige Fazit: nicht nur geschrieben sondern auch gesprochen: Mund auf, sagen, was ich denke und was ich möchte! Mehr als „nein“ kann der andere übrigens im schlimmsten Fall auch nicht sagen 😉

Und so verbleibe ich heute mit heiteren Grüßen

Eure Merle

 

Einer dieser Tage

Einer dieser Tage, an denen nichts geht
wo alles bestens ist, die Welt sich dreht
aber ich sitz da und weiß einfach nicht
ob meine Welt nicht grad zusammen bricht

Einer dieser Tage, mehr eckig als rund
grau und veschlafen, die Seele wund
und ich steh da und weiß genau
morgen bin ich immer noch die selbe Frau

Einer dieser Tage, an denen alles schmeckt zäh
ich sehn das Ende herbei, dann kommt es jäh
mit dunklen Gedanken und Ängsten vor morgen
nicht mal im Schlaf fühl ich mich geborgen

Einer dieser Tage, geht also auch vorbei
er reiht sich ein in ein schlingerndes Allerlei
von anderen Tagen davor und dahinter
ich hoff ich vergess nicht, es geht immer weiter

Einer dieser Tage, ich weiß es genau
wird kommen, ohne großes Trara
dann bin ich nicht mehr die selbe Frau
ich werde wissen um mich und ganz da
werd ich Sein und in warmen Sonnenstrahlen
einen dieser Tage ganz einfach umarmen.

©Merle Deva

Das Leben – eine Zumutung!?

dav

Ja, ich finde schon. Auf vielen Ebenen ist das Leben, wenn man es mal genauer betrachtet, eine derbe Zumutung. Wir kommen völlig abhängig und ausgeliefert auf die Welt und je nach dem ob wir Glück oder Pech haben, begleitet uns jemand die ersten Jahre auf uns dienliche Weise oder auch nicht. Dann verbringen wir viele Jahre in der Schule, in der wir viele Dinge lernen, die uns später im Leben nicht wirklich weiter helfen, aber Dinge, die uns weiter bringen würden (z.B. Umgang mit Gefühlen, soziale Dynamiken, Selbstfindung) werden großzügig ausgespart. Haben wir die Schule endlich hinter uns gebracht, wartet eine weitere Ausbildungsphase auf uns, in der wir mehr oder weniger viel lernen und mehr oder weniger gut behandelt werden. Dann dürfen wir uns auf ein langes Arbeitsleben freuen, in dem viel von uns erwartet und oft wenig geboten wird. Wenn wir gesegnet sind, sind wir nach dem Arbeitsleben noch gesund genug um unser Leben zu genießen, aber auch das ist vielen nicht oder nicht lange beschert. Zu hoffen ist, dass man nicht in ein Alters,- oder Pflegeheim muss und möglichst lange selbstständig sein Leben gestalten kann, schön wäre es auch, wenn das nicht in Armut sein muss. Und das ist nur der grobe Abriss eines Lebenslaufes!

Froh darf sein, wer all diese Stationen halbwegs unfallfrei passiert. Aber wer kann das von sich sagen? Arbeitslosigkeit, Krankheit, familiäre Probleme, Trennungen, Abschiede… das sind alles Dinge, die das Leben für uns bereit hält und in der Regel werden wir von solchen Lebenskrisen überrascht und müssen irgendwie damit klar kommen. Die einen alleine, die anderen mit Begleitung, so oder so steht jeder früher oder später in seinem Leben vor Situationen, die man glaubt, kaum aushalten zu können und es sind solche Situationen, die uns immer wieder beweisen können, wieviel wir als Mensch in der Lage sind auszuhalten. Das Wunder ist, dass es immer irgendwie weiter geht.

Und dann kommen da noch all die Alltagsärgernisse, die einem den Tag vermiesen können. Das viele Warten (Postamt und Telefonhotlines!), Dinge, die nicht funktionieren (kennt sich jemand mit GIMP aus??), unfreundliche Mitmenschen, (kennt jeder), die vielen großen und kleinen Verpflichtungen (gefühlte 100x am Tag den Wasserhahn für die kranke Katze aufdrehen), Mieterhöhungen (von denen ich selbst bisher verschont blieb, dankeschön!), der Bus, der einem vor der Nase wegfährt und so weiter und so fort ad infinitum. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich mir das alles so ansehe, dann kann ich richtig schlechte Laune bekommen. Und ja, Achtsamkeit hilft, aber eben auch nicht immer.

Ich schreibe das alles natürlich nicht, um schlechte Laune zu verbreiten! Es geht mir um was anderes, nämlich den realistischen Blick auf unser Dasein, dass eben all diese Phänomene beinhaltet, und das Lob, dass wir uns selber jeden Tag aussprechen sollten, dass wir wieder einen Tag gemeistert haben. Ich finde, wir können uns alle täglich auf die Schulter klopfen, dass wir bei all dem Irrsinn, der uns umgibt und von dem wir uns nicht immer frei machen können, immer noch als freundliche, interessierte Menschen durch die Welt gehen, unseren Angelegenheiten nachkommen und das tun, was wir für richtig halten. Das ist in meinen Augen schon eine große Leistung, für die wir uns regelmäßig belohnen sollten. Mir fällt das auch nicht immer leicht, es gibt Phasen, da vergesse ich es sogar, aber früher oder später erinnere ich mich wieder daran und lobe mich selbst. Es ist eine Sache zu üben, sich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren, aber das schafft ja das Unangenehme nicht ab. Eine andere Sache ist es, darauf zu schauen, wie gehe ich denn mit den Zumutungen um. Deshalb finde ich es so wichtig, dass wir uns ernst nehmen, wenn eine Zumutung unseren Weg kreuzt und wir genervt, erschöpft, verärgert oder traurig und verstimmt sind. Sich ernst nehmen und darauf stolz sein, dass man es wieder geschafft hat, 20 Minuten geduldig in der Warteschlange zu stehen, bis ich endlich meinen Brief aufgeben kann, stolz darauf, dass ich der unfreundlichen Kassiererin höflich noch einen schönen Tag wünsche, stolz darauf, dass ich trotz Regenwetter und schlechter Laune das Bett und sogar meine Wohnung verlassen habe! Großartig!

Eine liebe Freundin hat mir vor kurzem eine Postkarte geschickt auf der steht: Ich wünsche mir einen Pinguin, der jeden Morgen applaudiert, wenn ich aufstehe. Jawoll! Genau das möchte ich sein: mein Pinguin, der mir applaudiert. Zugegeben, es wäre schöner, ein anderer applaudierte mir, aber das hat sich bisher leider nicht einrichten lassen. 😉

Vor mehreren Wochen habe ich an dieser Stelle geschrieben, wie wichtig es ist, dass wir uns selbst unser bester Freund bzw. unsere beste Freundin sind – ich glaube, dass das Eigenlob von dem ich hier spreche ein ganz zentraler Punkt dabei ist. Und dann kann ich mich auch wieder über die schönen Dinge im Leben freuen. Über die Postkarten, die mir meine Freundin schickt, über das kleine Mädchen, das über die Hinterhofmauer luhrt und mir zugrinst und zuwinkt, über den fremden Hund, der auf mich zugelaufen kommt und sich freut, als wäre ich eine lange vermisste Freundin, über die sehr nette Kassiererin, die mir aufmerksam und gar nicht monoton einen schönen Abend wünscht, über die Blumen in der Werkstatt, in der ich öfter kreativ tätig bin, über meinen Kater, der vom Kuscheln nicht genug bekommt, und so weiter und so fort ad infinitum.

Das Leben ist eine Zumutung, aber es hält auch viel Schönes, Erstaunliches und Lebenswertes bereit. Um das zu sehen und zu erleben, muss ich das weniger Schöne nicht ausblenden oder verdrängen sondern mir selbst eine gute Begleiterin oder auch ein guter Pinguin sein, der applaudiert, wenn ich wieder aufgestanden bin und einen weiteren Tag in dieser verrückten Welt gelebt habe.

Und so wünsche ich jedem einen Pinguin und verbleibe

Eure Merle