Beobachtet: Liebe im Alltag…

dav

Hallo, liebe Leserinnen und Leser, spät aber doch melde ich mich aus der Versenkung zurück, die tatsächlich eine Versenkung im wörtlichen Sinne war bzw. noch ist, da ich momentan sehr in mir versunken bin, um Kraft zu schöpfen für das, was mir gerade der Alltag abnötigt. Um diese nicht einfache Zeit gut zu durchschippern, habe ich mir neulich zur Aufgabe gemacht, täglich noch mehr auf schöne Begebenheiten zu achten und offen zu sein für für Situationen, in denen ich gelebte Liebe tatsächlich beobachten kann. Da ich an dieser Stelle schon darüber geschrieben habe, dass „mehr geliebt gehört“, dachte ich mir, ich schreibe heute mal über Momente, in denen mir Liebe begegnet ist.

Besonders häufig mache ich derzeit die Erfahrung, wieviele Menschen tierlieb sind und wie freimütig sie ihre Liebe zu Tieren ausdrücken können. Ich gehe regelmäßig mit dem Hund einer Freundin spazieren und wurde als ich damit anfing, regelmäßig Zeugin, wie der Hund vor einem Installationsgeschäft stehen blieb, sich vor die Tür setzte und diese hypnotisierte, als würde sie sich davon öffnen. Bis eines mittags ein Mann hinaus kam und sofort vom Hund freudig begrüßt wurde und umgekehrt. Es stellte sich heraus, dass jeder Hund der Nachbarschaft immer ein Leckerli bekomt, wenn er am Laden vorbei kommt und auch mein Schützling holt sich jedes Mal, gerne auch mehrmals am Tag, seine Ration ab. Wie ich bisher mitbekommen habe, sind alle Mitarbeiter des Geschäftes begeistert von den vierbeinigen Besuchern und geizen auch nicht mit Streicheleinheiten.

Einen sehr prsönlichen Ausdruck von freundschaftlicher Liebe habe ich neulich erhalten, als mir eine Freundin eine Postkarte schickte, die thematisch sehr gut zu einem meiner Blogbeiträge passt. Ich habe mich nicht nur über den Humor gefreut sondern besonders darüber, dass sie an mich gedacht hat und sich die Mühe gemacht, zur Post zu gehen und mir die Karte zu schicken.

Eine mich besonders berührende Begegnung passierte während eines Spaziergangs, als ich einen (mutmaßlichen) Vater mit seiner Tochter überholte, die er huckepack auf dem Rücken trug. Das Mädchen war eigentlich schon zu groß, um getragen zu werden, bestimmt fünf oder sechs Jahre alt, aber er stapfte entschlossen den Weg entlang, während er seine weinende Tochter zu trösten versuchte und ihr unermüdlich einen Vorschlag nach dem anderen machte, was sie zu Hause zu essen bekommen sollte: Müsli, Obstsalat, Rührei, Nutellabrot, Pfannkuchen… nach jedem Vorschlag kamen die Tränen erneut und ein erschütterndes „nein“ aus dem Mädchen hervor, doch ihr Papa machte tapfer weiter und ließ sich nicht beirren… irgendwann waren die beiden außer Höhrweite, so dass ich nicht weiß, wie bzw. ob das Mädchen beruhigt werden konnte- Was mich aber schwer beeindruckte, war die liebevolle Stimme des Vaters, seine Geduld und sein Verständnis, die er für seine Tochter aufbrachte. Für mich war diese Szene der Inbegriff von Liebe.

Wenn ich also mit offener Wahrnehmung durchs Leben gehe, kann ich sehr wohl Liebe im Alltag beobachten und selbst erfahren und ich kann sie auch selber leben, indem ich liebevoll mit mir selbst und anderen umgehe. Ich gebe zu, ich muss mich immer wieder daran erinnern, besonders was den liebevollen Umganng mit mir selber angeht, aber es lohnt sich bzw. vermehrfacht sich. Das schöne an der Liebe ist ja, dass sie, gelebt, einfach mehr wird…

Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich für heute, grüße Euch herzlichst und verbleibe

Eure Merle

 

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Mut zur Lücke!

 

Manchmal ist der Mut zur Lücke das Einzige, was mich rettet. Zum Beispiel, wenn ich in meinem Blog schreiben will, aber die richtigen Worte nicht kommen wollen. Oder wenn ich vor einem weißen Blatt Papier sitze, die Farben zurecht gelegt, mich die Muse aber einfach nicht küssen will. Was dann passiert, sieht man an den beiden Fotos oben, die einen Moment festhalten, indem ich den Spitzer-Abfall attraktiver fand als alles, was ich sonst zu Papier gebracht hatte… sozusagen Zufallskunst 🙂

Mut zur Lücke ist meines Erachtens nicht hoch genug zu schätzen. Mir ist in der letzten Zeit häufiger aufgefallen, dass ich in Unterhaltungen, in denen andere ein Thema auf den Tisch bringen, immer sofort meine, etwas intelligentes dazu sagen können zu müssen. Es ist, als ob eine soziale Merle anspringt, die das Gespräch am Laufen halten will und die sofort ihr Gedächtnis durchwühlt, welche passenden Erfahrungen ich beisteuern kann. Ganz schlimm ist es, wenn es um Politik geht. Ich wurde neulich von einem guten Freund auf das Thema Brexit angesprochen und ich dachte mir, Himmel ja, das ist ja ein wichtiges Thema! Was hab ich denn dazu gelesen, was kann ich jetzt dazu beitragen. Und siehe da – nichts! Denn alles, was ich darüber gelesen hatte, hatte ich schon wieder vergessen und mir stellt sich die ganze Sachlage so komplex dar, dass ich einfach nichts Kluges dazu von mir geben kann. Und ich finde es wichtig, dass meine Beiträge, wenn schon, dann bitte intellektueller Kritik standhalten. Also sage ich lieber nichts, wenn ich nichts fundiertes sagen kann. Daher sprach ich genau das aus: ich habe keine Meinung dazu, ich kann dazu nichts sagen, weil ich die Situation nicht überblicke. Nun geschah dies in einer Unterhaltung mit einem Freund, der verständnisvoll nickte. Aber kennt Ihr das auch, dass manche Menschen einen geradezu nötigen wollen, eine Meinung kund zu tun, unbedingt eine Position hören wollen?

Ich finde, ich habe das Recht, keine Meinung zu haben oder etwas nicht zu wissen. Eine frühere Lehrerin von mir sagte immer, es ist keine Schande etwas nicht zu wissen, man muss nur wissen, wo man nachschlagen kann. Das finde ich einen sehr vernünftigen Ansatz. Wie dem auch sei, zu sagen, ich weiß das bzw. dazu nicht(s), oder auch ich kann das nicht oder, vielleicht sogar, mich interessiert das nicht so (!), kann schon Überwindung kosten. Kann aber nach meiner Erfahrung unheimlich erleichternd und befreiend sein. Früher dachte ich immer, wenn mich ein Fremder auf der Straße nach dem Weg fragt, muss ich unbedigt Bescheid wissen und wenn nicht, dann muss ich irgendwie weiterhelfen, dass der Mensch an die relevante Information kommt. Heute sehe ich das gelassener. Wenn ich die Straße oder den gesuchten Ort nicht kenne, dann sage ich das gerade heraus, hinzufügend, dass es mir leid tut – und gehe weiter – in dem Vertrauen, dass er durch die Hilfe einer anderen Person schneller ans Ziel kommt als wenn wir gemeinsam wild spekulieren.

Ich verstehe das nicht. Auch so ein Satz. Heute hat mich eine liebe Freundin gefragt, warum das Leben so kompliziert sein muss. Ich entgegnete wahrheitsgemäß, dass ich das nicht weiß, dass ich aber vermute, dass nicht nur die Welt und das Universum hochkomplex sind sondern auch wir Menschen. Und die Welt wird immer komplexer, Zusammenhänge immer komplizierter – wie soll man da alles verstehen können? Ich beginne, loszulassen und zu akzeptieren, dass ich vieles nicht verstehe und wahrscheinlich auch nie verstehen werde, ich finde das nicht mehr so schlimm wie früher. Es macht mir weniger Angst, dass ich vieles nicht verstehe und ich genieße die Freiheit mir einzugestehen, dass ich das auch nicht muss.

Ich werde auch gelassener wenn es darum geht, dass ich bestimmte Dinge nicht kann, wie zum Beispiel Auto fahren, was ich nie gelernt habe. Oder geduldig sein, das lern ich seit Jahren… oder täglich in meinem Blog zu schreiben und zu lesen, was andere in ihren Blogs schreiben; das hatte ich mir fest vorgenommen, aber ich kann es nicht, es ist zu viel. Oder Mathematik, ich bin eine heillose Nicht-Versteherin der Mathematik, das fand ich zu Schulzeiten schrecklich, danach nervig, jetzt finde ich es egal.

Aber zurück zu Unterhaltungen, in denen ich (naturgemäß, wie ich annehme), ja ein Interesse habe, ein interessantes Gegenüber zu sein. Kann ich in Unterhaltungen wirklich einfach zugeben, dass ich etwas nicht weiß, nicht verstehe oder kein Interesse habe? Ja, ich kann. Zugegeben, es wird ein wenig einseitig, wenn das oft passiert, dann sollte ich mir überlegen, ob mein Gesprächspartner der oder die Richtige für mich ist. Aber ganz grundsätzlich finde ich nichts dagegen einzuwenden, auch im Gespräch mal loszulassen und zu zeigen, dass da eine Lücke ist. Im Übrigen ist mir auch schon aufgefallen, dass es gar nicht so wenige Menschen gibt, die einen in Themen verstricken, von denen sie selber keine Ahnung haben, also ist es manchmal durchaus erfrischend, wenn ich sage: es tut mir leid, dazu kann ich nichts sagen, ich weiß zu wenig darüber.

Ich habe das Gefühl, dass mit zunehmener Komplexität von uns erwartet wird, dass wir alles durchdringen und zu allem eine Position beziehen sollen. Dagegen wehre ich mich und dränge auf mein Recht, dass mich nur interessiert, was mich interessiert. Und wenn das jemandem zu oberflächlich oder langweilig erscheint, dem würde ich nahe legen, sich einmal selbst zu fragen, wie fundiert das eigene Wissen oder Tun ist. Aber bisher habe ich nur überrascht-positive Reaktionen erhalten, also mache ich mir darüber weiter keine Gedanken.

Von daher ermutige ich meine Leserinnen und Leser, sich auch zu Lücken zu bekennen und sich dabei nicht schlecht zu fühlen – es gibt genug, worum der moderne Mensch sich im Gewühl des Seins jeden Tag kümmern muss, da kann schonmal die eine oder andere Lücke auftauchen… 😉

Seid herzlich gegrüßt von

Eurer Merle

 

 

Entschuldigen Sie bitte…

… ich habe gerade überhaupt keine Kapazitäten für Smalltalk frei! – Wie gerne würde ich diesen Satz locker über die Lippen bringen, wenn es wieder mal so weit ist: eine mir (leidlich bekannte) Person läuft mir über den Weg und möchte sich gerne mit mir unterhalten, während ich gerade gedanklich beschäftigt oder einfach nur zufrieden mit mir selbst bin und keine Lust habe, Smalltalk zu führen. Heute zum Beispiel ist mir meine Nachbarin auf dem Rückweg vom Einkaufen begegnet, wir waren beide im gleichen Supermarkt einkaufen gewesen und so kreuzten sich unsere Wege. Ich sah es kommen und war mit einem Mal noch schlechter gelaunt also ohnehin schon. Ich gehe nicht gerne Einkaufen, es ist für mich eine Qual, etwas, das ich eigentlich gern delegieren würde und ich stapfte missmutig mit dem gesamten Wocheneinkauf beladen und schon schmerzenden Armen Richtung heimwärts, als ich mich plötzlich genötigt sah, eine Unterhaltung über Katzenhaltung im allgemeinenen und meine Katzen im Speziellen zu führen.

Das Ding ist, ich mag die Frau sogar, sie ist mir recht sympathisch und ich glaube, man kann sie auch nicht aufdringlich nennen – es ist nur so, dass ich zum einen Smalltalk an sich schon anstrengend finde, zum anderen es nunmal Zeitpunkte in meinem Alltag gibt, in denen ich ein Gespräch eigentlich nicht mehr unterbringen kann, mein Hirn ist mit anderen Dingen beschäfigt und möchte sich eigentlich auch nicht ablenken lassen, besonders nicht von so schnell erschöpften Themen wie dem Wetter oder Ähnlichem.

Ich weiß, Smalltalk wird von vielen als das Öl im sozialen Getriebe gesehen, als wichtige Fertigkeit unter den gesellschaftlichen Kompetenzen. Vielleicht mangelt es mir einfach an dieser Kompetenz, allerdings wundert mich, dass viele Menschen, die ich kenne, Smalltalk eher unangenehm empfinden, wenn man sie danach fragt, aber trotzdem komme ich immer wieder in die Situation, Smalltalk führen zu müssen. Da ist die Arbeitskollegin, die einem über den Weg läuft und von ihrem Urlaub erzählen will, während ich zu einer Verabredung schon fast zu spät bin, die Nachbarin, die auch gerne Katzen hätte, die Mutter einer Freundin, die von ihren Malaisen berichten muss, die Sprechstundenhilfe, die mir einen Achtsamkeitskurs dringend empfiehlt… die Liste ließe sich ewig weiter führen aber das braucht ja keiner, ich denke, das Bild ist klar.

Und was macht man dann? Genervt mit dem Fuß wippen und doch lächeln, ein „ich müsste dann mal los“ einwerfen, das geflissentlich überhört wird, gequält nicken und weiter lächeln… ich finde das wirklich schwierig, denn ich möchte ja auch die andere Person nicht vor den Kopf stoßen. Andererseits bilde ich mir ein, dass man mir ziemlich sicher ziemlich oft anmerkt, dass ich geistig abwesend bin oder in Eile oder erstaunlich schweigsam – und heute dachte ich mir wirklich, ich hätte gern den Mut, freundlich aber bestimmt zu sagen, dass ich nicht unhöflich sein möchte, aber eine Unterhaltung geht sich für mich grad nicht aus. Wie würde mein Gegenüber wohl reagieren? Kann man sich anders aus der Patsche helfen als mit entwaffnender Offenheit? Absichtlich noch griesgrämiger werden?

Es ist ein Dilemma, das mich schon lange begleitet und aus dem ich nicht schlauer werde. Würde ich mich mit meinen Nachbarn nicht unterhalten und man nur schweigend aneinander vorbei gehen, fände ich das auch seltsam. Diese leichten Gespräche, wie man sie nur mit Bekannten führt, die einem eben mal zufällig begegnen, sie gehören schon dazu, aber von Zeit zu Zeit sind sie eben schwer erträglich. Ich fände es schön, wenn ich offen meine Unverfügbarkeit ausdrücken könnte, ohne dass sich mein Gegenüber auf den Schlips getreten fühlt, aber ob das realistisch ist, wage ich zu bezweifeln. Es wird sich zeigen, ob ich der Höflichkeit oder der Ehrlichkeit in Zukunft den Vorrang gebe, wobei ich zu bedenken gebe, dass meiner Meinung nach die ehrliche Variante gar nicht unhöflich ist, sie käme nur unerwartet und man könnte sich abgelehnt fühlen, wenn man dazu neigt.

Also wenn Euch mal jemand den Smalltalk verweigert, nehmt es nicht persönlich, derjenige ist bestimmt gerade nur mit anderen Dingen beschäftigt oder einfach nur müde…

Ich wünsche Euch ein schönes Wochnende und gute Gespräche 😉

Eure Merle

 

Vier neue Werke…

dav

habe ich heute auf die Seite „Malerei“ gestellt und ich hoffe, den einen oder anderen wird das eine oder andere erfreuen…

Das soll an dieser Stelle für heute alles sein, mehr Text zu meiner Suche nach dem „guten“ Leben gibt es in den nächsten Tagen.

Einen erquicklichen Freitag Abend wünscht Euch

Merle

Sind wir noch zu retten…?

dav

Weltanschauuung ist der Titel dieses Werkes. Ein Teil von mir liebt die Welt und ihre Menschen, ein Teil von mir verabscheut sie bzw. das, was ich sehe, wenn ich hingucke. Ich empfinde eine tiefe Ambivalenz, wenn ich über die Erde und uns nachdenke und frage mich, sind wir noch zu retten? Besonders tief betroffen macht mich der Umgang mit unseren Ressourcen und der Natur. Diese Woche habe ich ein Photo von einer Menge Eisbären gesehen, die alle auf einer Müllkippe versammelt waren, um dort zu fressen. Sie haben kein Packeis mehr, um von dort aus Robben zu fangen. So müssen die armen Kreaturen, die eigentlich Einzelgänger sind, sich im menschlichen (Gift-) Müll ernähren, in völlig unnatürlicher Art und Weise zusammmen mit Artgenossen. So weit ist die Zerstörung ihres Lebensraums schon fortgeschritten. Ich finde das erschreckend und traurig.

Es gäbe noch vieles mehr aufzuzählen, was einen schier verzweifeln lassen kann; angefangen bei Krieg und Gewalt über Armut und Krankheit bis Diskriminierung und Rassismus. Doch es geht mir nicht um das Aufzählen von Dramen sondern vielmehr um die Fragen: wie eben nicht verzweifeln, angesichts der unzähligen Missstände? Bin ich eine Träumerin wenn ich glaube, die Welt ist zu retten? Ist sie das? In welcher Welt wollen wir leben und was sind wir bereit dafür zu geben? Wann ist endlich Schluss mit dem ewigen Rufen nach dem Mehr, nach höher, schneller, weiter… wann fangen wir an, uns und unsere Mitwesen zu achten und zu respektieren und gewaltfrei (im weitesten Sinne des Wortes) zu leben?

All diese Fragen geistern in diesen Tagen durch meinen Kopf und obwohl es keine einfachen, schnellen Antworten darauf geben kann, finde ich es doch wichtig, diese Fragen zu stellen, auch mir selbst diese Fragen zu stellen und zu gucken: tue ich alles, was mir möglich ist, um in dieser Welt möglichst wenig Schaden anzurichten und stattdessen Positives zu bewirken? Ich fahre kein Auto, ich fliege nicht und bin Vegetarier, aber ist es damit getan oder ruhe ich mich darauf aus? Und vom CO-2-Fußabdruck abgesehen gibt es ja noch viele andere Ebenen, auf denen ich durch meine Existenz Auswirkungen auf andere habe. Gehe ich damit verantwortungsbewusst um? Immerhin gibt es ja auch so etwas wie emotionale Umweltverschmutzung, um nur ein Beispiel zu nennen.

Und so werfe ich an diesem Freitag Abend vor allem Fragen in den Raum und würde mich sehr freuen, wenn ich damit eine Diskussion anzetteln kann…

Eure, zwischen Hoffnung und Betrübnis schwankende,

Merle

Sind Sorgen egoistisch…?

dav

Vor ein paar Tagen hatte ich ein interessantes Gespräch mit meinem Homöopathen. Er ist ein sehr kluger Mann, dem ich gerne zuhöre und der fast immer interessante Anregungen hat, die Dinge neu zu betrachten. Er nimmt alles sehr genau und manchmal verliert er sich im Detail, was wohl vor allem seinem Perfektionismus geschuldet ist. Jedenfalls waren wir gerade dabei, meine momentane Sehlenlandschaft zu eruieren und im Zuge dessen traf er die Aussage, dass sich Sorgen machen nie um andere geht sondern immer um einen selbst. Ich fand diese Feststellung überraschend, habe sie mir im Gedächtnis notiert und innerlich eine Notiz gemacht, dass ich mich damit noch weiter auseinandersetzen möchte.

Zugespitzt heißt das ja, dass sich Sorgen machen immer von egoistischer Qualität ist. Ich lasse das auf mich wirken und kann dem, egal wie ich es drehe und wende, nicht ganz zustimmen. Ja, Sorgen machen hat egozentrische Aspekte. Wenn ich mir Sorgen um meinen kranken Kater mache, dann heißt das auch, dass ich mir Sorgen mache, wie es mir geht, wenn er nicht mehr da ist. Wenn ich mir Sorgen mache, dass eine Freundin, weil sie krank ist, eine Verabredung nicht einhalten kann, dann denke ich dabei auch an mich, weil ich mich ja auf das Treffen gefreut habe – ich denke das entscheidende Moment liegt aber im AUCH. Ich kann gleichzeitig besorgt sein, weil meine Freundin krank ist und ihr anbieten, Dinge für sie zu besorgen, falls sie etwas benötigt, und gleichzeitig traurig oder enttäuscht sein, weil der gemeinsame Kinobesuch ins Wasser fällt. Ich kann gleichzeitig Angst davor haben, dass mein Kater irgendwann geht und gleichzeitig in Sorge sein, dass es im nicht gut geht, dass er vielleicht leidet.

Sich Sorgen um jemanden machen heißt für mich vor allem, die Perspektive des anderen einnehmen können, mitfühlen und das Bedürfnis haben, zu helfen. Nicht, weil ich mir selber damit helfe sondern weil ich als liebendes Wesen möchte, dass es dem anderen gut geht. Zu sagen, dass Sorgen um jemanden anderen immer egoistisch sind, ist eigentlich zynisch, es zieht nicht in Betracht, dass es aufrichtiges Interesse am Wohlergehen anderer gibt. Ich merke, dass mich die Absolutheit der Aussage stört und mache mir eine weitere innere Notiz, dies bei meinem nächsten Arztbesuch anzumerken. Der mitschwingende Zynismus gefällt mir nämlich gar nicht.

Wie ist das denn nun mit dem Sorgen machen? Man kann jemanden damit tatsächlich in den Wahnsinn treiben bzw. ganz schön einengen, das ist wahr. Wenn Eltern ihren Kindern aus lauter Sorge keinen Freiraum geben, kann das fatale Folgen haben. Wenn ich einem Freund, der Motorrad fährt, ständig unter die Nase reibe, wieviel Sorgen ich mir deshalb mache, wird das über kurz oder lang ganz schön nerven. Wenn ich überfürsorglich bin und anderen Menschen in Entscheidungen rein rede oder ihnen Selbstfürsorge abspreche, dann kommt ein manipulativer Aspekt hinzu. Sorgen machen ist also auch nicht immer ein altruistischer Akt der Nächstenliebe, besonders, wenn man das Gegenüber ständig mit den Sorgen behelligt.

Sich jedoch gar keine Gedanken um die Lieben zu machen und nie in Sorge zu geraten, kommt mir auch seltsam vor. Es sei denn natürlich, ich hätte so viel Vertrauen in den Lauf des Lebens, dass ich mir keine Sorgen machen müsste. Das scheint mir ein fantastischer Zustand zu sein. Mache ich mein Gegenüber klein, wenn ich mir Sorgen mache, weil ich ihm im Zweifel nicht zutraue, selbst für sich sorgen zu können? Dieser Aspekt ist nicht ganz von der Hand zu weisen, meine ich. Wobei auch hier wieder keine Absolutheit besteht, denn immerhin kann es ja sein, dass mir zum Beispiel ein Kind oder auch ein Haustier anvertraut ist, für das ich verantwortlich bin und Sorge trage, will heißen, dass ich da einschreite, wo die Handlungs- oder Entscheidungsfähigkeit des anderen nicht gegeben sind.

Neulich musste ich entscheiden, ob ich einen Krankenwagen für eine Dame rufe, die zusammengebrochen war und die selbst vehement gegen das Rufen des Notdienstes war. Ich habe aus Sorge um ihre Gesundheit dann doch die Sanitäter gerufen und das stellte sich im Nachhinein als richtig heraus.

Das mit den Sorgen ist also so eine Sache. Es kann egoistische Motive genauso wie altruistische geben. Es ist möglich, dass ich durch zu viele Sorgen meine Beziehungen störe und vielleicht bin ich sogar übergriffig oder paternalistisch, wenn ich meine Sorgen oder die daraus für mich folgenden Konsequenzen anderen überstülpen will.

Sorgen sind in jedem Fall Energiefresser und sind vor allem auch meist auf die Zukunft gerichtet, das heißt, sie sind sehr gut dazu geeignet, mich aus dem Hier und Jetzt zu katapultieren. Offensichtlich ist es ratsam, sich seine Sorgen genau anzusehen und zu gucken, ob man diese nicht vielleicht doch über Bord werfen kann, denn dienlich scheinen sie mir eher selten. Oft sind es Gedankenspiele à la: was wäre wenn…? Und damit kann man sich zwar herrlich die Zeit vertreiben, nützen tut es aber oft wenig.

Werde ich aufhören mir Sorgen um die zu machen, die ich liebe? Wohl kaum, ich bin noch nicht auf dem Level, wo ich ein derartiges Vertrauen in den Fluss der Dinge habe, dass Sorgen für mich passé wären. Aber ich werde in Zukunft hoffentlich genauer aussortieren und auf der Hut sein, mir zu viele Sorgen zu machen – vor allem um die Dinge, die ich ohnehin nicht in der Hand habe. Das wäre schon mal ein wichtiger Schritt.

Und mit diesem Gedanken schließe ich für heute und wünsche Euch alle noch ein schönes, sorgenfreies Wochende!

Eure Merle

 

 

Auftauchen, Luft schnappen, weiter machen…

dav

…das ist nicht immer einfach, dennoch manchmal eine schlichte Notwendigkeit. Denn unter Wasser kann ich nicht atmen. Die letzten drei Wochen haben sich wie unter Wassermassen angefühlt; mit Disziplin, Ritualen, steter Selbstbeobachtung und sturer Akzeptanz schaffe ich es heute an die Wasseroberfläche zurück und hole erstmal tief Luft. Obwohl ich in meiner Abtauchphase das Bedürfnis hatte zu Schreiben, ist es mir nicht gelungen – manchmal ist alles, was einem bleibt, die Sturheit, weiter zu machen ohne viel machen zu können. Ich beginne, stolz auf meine Sturheit zu sein, auf das unablässliche weiter gehen, egal wie klein die Schritte sein mögen. Es sind ein paar Dinge im Außen passiert, aber viel wichtiger ist, was im Innen passiert ist. Das Loslassen von Träumen und Idealen kann schmerzhaft sein, besonders, wenn man das Gefühl hatte, dass diese Träume einen am Leben halten. Dabei ist es egal, um was es sich handelt, wir alle haben, glaube ich, Träume, die uns antreiben, die uns in die Zukunft ziehen… ich musste in den vergangenen Wochen ein paar solcher Träume gehen lassen und merke, ich bin noch mehr als sonst auf mich und das Hier und Jetzt zurück geworfen. Die dabei entstehende Leere ist auch nicht einfach zu ertragen, es gehört viel Übung und Atempraxis dazu, dies auszuhalten, da kommt mir meine Sturheit sehr zugute.

Ich bitte meine verehrten Leserinnen und Leser um Verständnis, dass ich gerade nicht mehr ins Detail gehen möchte. Die erfahrenen Umwälzungen sind für mich selber noch so frisch, dass ich gerade nicht sagen kann, wieviel ich davon preis geben möchte. Vielleicht ist es auch gar nicht nötig, mehr ins Detail zu gehen, denn am Ende ähneln sich viele menschliche Erfahrungen sehr. Ich dachte, ich müsste mich mit dem Verlust geliebter Wesen auseinander setzen, stattdessen kam der Verlust von Facetten meines Selbstbildes und Lebensplans was wiederum dazu führte, dass ich mich mit meinem Wertesystem auseinander setzen musste.

Dies ist eine Übung, die ich jedem sehr empfehlen kann. Mir war gar nicht klar, wie stark ich noch in alten Wertungen verfangen bin, wie sehr ich mich von gesellschaftlichen Normen und Bewertungen beeinflussen lasse. Es war also höchste Zeit, dass sich hier etwas tut und ich mich befreie von untauglichen Glaubenssätzen, wie zum Beispiel: „Eigenlob stinkt“ – nein, Eigenlob ist Rosenwasser! Oder, „nur wer für Lohn arbeitet, ist ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft“ – falsch, jeder ist ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft, Lohnarbeit macht mich nicht zu einem besseren Menschen. Überhaupt, das ständige Bewerten von mir selbst und auch meiner Mitmenschen geht mir inzwischen so auf die Nerven, aber mein Verstand ist darauf trainiert, als würde er ständig Wertigkeiten von Handlungen und Worten berechnen müssen. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht, gerade deshalb ist es mir unglaublich wichtig geworden, in mir Wertfreiheit zu praktizieren und auch im Außen wertfreie Räume zu entdecken. Eine Herausforderung, die schwierig erscheint, aber sicher nicht unmöglich ist. Ich habe das fortwährende Bewerten, auch von Gefühlen und seelischen Zuständen, als eine der Hauptquelle des Leidens erfahren und möchte mich davon befreien. Was ich schon oft gelesen und gehört hatte, konnte ich ganz unmittelbar am eigenen Leib spüren und es spornt mich an, Wertungen loszulassen. Unter Wasser sein ist also manchmal gar nicht verkehrt, es kann sich dort so einiges tun.

Trotzdem hoffe ich, dass jetzt mal wieder eine längere Phase über Wasser folgt, denn hier ist es auch ganz schön und kommunikativer ist es allemal. 🙂 Mal sehen, was die nächsten Tage und Wochen so bringen und wo mich meine Muse hin dirigieren möchte.

Es grüßt Euch herzlich eine fast schon mit Schwimmhäuten versehene

Merle